Wien wurde im August gestürmt - Schlechtwetter hin oder her.

© APA/ROLAND SCHLAGER

Sommertourismus
09/29/2014

Touristen wetterfester als gedacht

Trotz Regens kamen mehr ausländische Gäste. Wien als Gewinner, Kärnten hat ein Problem.

von Anita Staudacher

Kärnten im Regen? Nein, danke. Das extrem feuchte Sommerwetter hat vielen Kärnten-Urlaubern die „Lust am Leben“ heuer gehörig vermiest. Besonders inländische Bade- und Wander-Gäste stornierten ihren Kurzurlaub oder brachen diesen schon vorzeitig ab. „Besonders für kleinere Betriebe sind die Ausfälle existenzbedrohend“, schildert Hilde Schaller von der Kärntner Hoteliervereinigung. Entsprechend desaströs sieht die Nächtigungsstatistik für den August aus: Minus 11,1 Prozent bei inländischen Touristen, minus 2,7 Prozent bei den ausländischen.

Wien im Regen? Auch recht. Gemäßigte Temperaturen sind ideal für einen Städtetourismus, Regentropfen für Gäste aus dem arabischen Raum sogar ein Highlight. Die Bundeshauptstadt wurde im August regelrecht gestürmt, vor allem arabische Gäste (+30 Prozent) zog es nach Ende des Ramadans so zahlreich wie noch nie in die Bundeshauptstadt. „Der Zuwachs bei den anderen Ländern konnte das Minus bei den Russen locker wettmachen“, sagt Walter Straßer von Wien Tourismus. Mit einem Nächtigungsplus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr darf sich Wien über einen neuen August-Spitzenwert freuen.

Gewinner/Verlierer

Die beiden Bundesländer-Beispiele zeigen, wie wetterfühlig der heimische Tourismus im Sommer ist. Bleibt die Sonne aus, verlieren Bade- und Campingtourismus, dafür gewinnen Städte- und Thermentourismus. In Summe fällt die Zwischenbilanz für den Sommer (Mai bis August) positiv aus: Die Zahl der Nächtigungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent auf 50,02 Millionen. Es ist das höchste Niveau seit 1995, geht aus den Daten der Statistik Austria hervor. Auch im wichtigsten Sommermonat August gab es in Summe ein Nächtigungsplus von 1,6 Prozent. Wegen des schlechten Wetters ließen zwar die Inländer aus (minus 4,3 Prozent), doch sorgten die ausländischen Gäste – vor allem dank Wien – für einen Zuwachs von 3,7 Prozent. Mehr als die Hälfte der August-Urlauber kamen erneut aus Deutschland, wo es ebenso wie aus den Niederlanden und den USA leichte Zuwächse gegenüber dem Vorjahr gab.

Wirtschaftskammer-Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher erklärt die überraschend positiven Nächtigungszahlen auch mit der guten Buchungslage aus dem Vorjahr: „Wer aufgrund des schönen Sommers 2013 bereits wieder für 2014 gebucht hatte, ist auch gekommen.“ Dennoch würde die Kurzfristigkeit und Wetterabhängigkeit beim Buchungsverhalten eine immer größere Rolle spielen. Für die Betriebe stelle diese Kurzfristigkeit eine enorme Belastung dar, da es die Planbarkeit erschwere.

Russen-Minus

Nocker-Schwarzenbacher spricht trotz der stabilen Sommerbilanz von einem „ernüchternden Ergebnis“ für die Branche. Sie verweist auf den Rückgang bei den russischen Gästen von 8,2 Prozent. Dieser Statistik-Wert drücke nicht die gesamte Tragweite aus, denn Wien, Graz und Salzburg hätten zweistellige Einbußen. Und in Wien sei der Gesamtumsatz mit russischen Touristen heuer im ersten Halbjahr laut Mehrwertsteuerrückerstatter Global Blue um 16,8 Prozent eingebrochen. Auch das konjunkturbedingte Ausbleiben vieler italienischer Gäste bereitet Sorgen.

Manche Gründe für den Urlauberschwund sind aber auch hausgemacht. So schafft es Kärnten einfach nicht, vom Image als bloßes Badeurlaubsland wegzukommen. „Wenn das Wetter schlecht ist, fahren die Österreicher lieber in ein anderes Bundesland, weil sie dort mehr Möglichkeiten haben. Da sind wir alle gefordert“, meint die Kärntner Hoteliers-Obfrau Schaller vom Hotel Werzer in Pörtschach. Für Schlechtwettertage fehle es an den Seen einfach an genügend Alternativ-Angeboten wie Badehäusern oder Wellness-Angeboten.

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