Wirtschaft 08.01.2013

Verschnaufpause nach "verrückten" Investitionen

Viele Hoteliers standen im zweiten Halbjahr 2012 auf der Investitionsbremse.

Keine neue Zirbensauna, kein Aufputz für die Zimmer, weniger Zubauten: Viele Hoteliers standen im zweiten Halbjahr 2012 auf der Investitionsbremse. „Es war aber auch schon fast verrückt, was die Branche in den vergangenen Jahren investiert hat“, meint Franz Hartl, Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (OHT). Die Investitionssumme lag 2012 nur rund zwei Prozent über jener des Vorjahres. 2011 legten die Tourismusinvestitionen noch doppelt so stark zu. Dennoch haben Hoteliers und Gastronomen 2012 insgesamt drei Milliarden Euro in ihre Betriebe gesteckt.

Den größten Brocken davon (60 Prozent) haben jene investiert, die ihre Häuser das ganze Jahr über geöffnet haben. Rund 37 Prozent entfallen auf reine Wintersport-Hochburgen. Hartl: „Sommerangebote dümpeln dagegen auf niedrigstem Niveau dahin.“ Gemeint sind vor allem jene in den Sommerfrische-Gebieten Kärntens und des Salzkammerguts.

Prinzipiell gibt es aber immer weniger Ein-Saison-Betriebe. Ein Drei- oder Vier-Stern-Hotel in Österreich hat mittlerweile durchschnittlich 300 Tage im Jahr geöffnet. Das liegt auch daran, dass viele Unternehmen dank neuer Hallenbäder und Wellnessanlagen die Saison verlängert haben. Weit über tausend Hotels in Österreich preisen bereits ein Wellnessangebot an – von einer Nische kann also längst keine Rede mehr sein. „Das Thema Wellness ist erschöpft“, bringt es Hartl auf den Punkt. Im Jahr 2002 flossen noch 28 Prozent der Investitionen in Wellnessanlagen, im Vorjahr waren es nur noch 20 Prozent.

Hoteliers investieren derzeit allen voran in zusätzliche Zimmer – also in die Optimierung der Betriebsgröße. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind Häuser mit mehr als hundert Betten am erfolgreichsten, weil sie die höchsten Skaleneffekte erzielen. Vor allem im Vier-Stern-Bereich sind die meisten Betriebe längst in dieser Größenklasse angekommen. Im internationalen Vergleich sind Österreichs Betriebe mit durchschnittlich 45 Betten noch immer Zwerge. Verstärkt investiert wird zudem in Mitarbeiterunterkünfte und Tiefgaragen.

Bessere Bonität

Aus der chronisch überschuldete Branche gibt es auch gute Nachrichten: Die Bonität hat sich 2012 unterm Strich verbessert: Dank der niedrigen Kreditzinsen. Hartl schätzt, dass sich die Betriebe durch die Zinsentwicklung insgesamt 300 Millionen Euro erspart haben – und diese Summe in die Schuldentilgung gesteckt haben. Im neuen Jahr rechnet er wieder mit mehr Investitionen. Hartl: „Das Zinsniveau ist weiter niedrig, es gibt einen Investitionsstau und auch die wirtschaftlichen Ergebnisse der Betriebe sprechen dafür, dass 2013 wieder die Post abgehen wird.“

( Kurier ) Erstellt am 08.01.2013