Öl- und Gaspreise steigen – und die Angst vor der Inflation ist zurück

Wegen der Krise am Golf wird zusehends klar: Österreichs Wirtschaftsforscher müssen die Inflationsprognose für 2026 von zwei auf wahrscheinlich drei Prozent anheben.
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Möglicherweise war die Freude über das Ende der Inflationskrise verfrüht. Die Regierung hat ja vor Kurzem den Sieg über die Teuerung auf Basis des überraschend niedrigen Jänner-Werts von 2,0 Prozent verkündet. Doch jetzt steigt die Inflation wieder, und zwar schon im Februar – und sie wird aufgrund des Kriegs in Nahost auch noch weiter steigen.

Nach der am Dienstag veröffentlichten Schnellschätzung der Statistik Austria ist die Inflation in Österreich im Februar wieder auf 2,2 Prozent geklettert.

Die Energie- und Treibstoffpreise sind von Jänner auf Februar schon leicht gestiegen, auch wenn sie noch unter den Vorjahreswerten blieben. Das heißt, dass ihr „inflationsdämpfender Beitrag“ geringer wurde und die Inflationsrate deshalb wieder leicht steigt, erklärt IHS-Experte Sebastian Koch den Zusammenhang. „Steigende Energiepreise waren schon im Vorfeld des Angriffs auf den Iran zu beobachten. Und jetzt sind natürlich alle Szenarien denkbar.“

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Das sieht auch Wifo-Ökonom Josef Baumgartner so. Er meinte noch in der Vorwoche, also kurz vor dem Kriegsbeginn am Golf, dass er die Inflationsprognose für 2026 von 2,6 auf 2,0 Prozent nach unten revidieren werde. Dann griffen die USA und Israel den Iran an und alle Vorhersagen waren wieder Makulatur.

Am Dienstag sagte Baumgartner zum KURIER: „Wir sind noch nicht so weit, um uns auf ein genaueres Szenario für die nächste Prognose Anfang April festzulegen. Aber abhängig von der Dauer des Konflikts und abhängig davon, wie lange der Iran die Straße von Hormus blockieren kann, könnte die Jahresinflation 2026 doch wieder in Richtung drei Prozent steigen.“

Ungute Kombination

Sorge bereitet den Experten der sprunghafte Anstieg der Rohölpreise, die bald noch stärker auf die Preise an den Tankstellen durchschlagen dürften. Und zusätzlich der noch viel heftigere Sprung der Gaspreise, mit denen auch die Strompreise zusammenhängen. Das würde die Haushalte treffen, aber natürlich auch die Industrie. Denn die Energiepreise zählen neben den Personalkosten zu den größten Kostenfaktoren in den Betrieben.

Diese ungute Kombination kennt man noch aus der Preisexplosion bei Gas und dann Strom im Gefolge des Ukrainekriegs. Der Unterschied ist freilich, dass mittlerweile der Gasbezug nicht mehr an Russland hängt und daher die Auswirkung auf die Preise in Österreich doch beschränkt bleiben dürfte. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 stieg die Inflation in Österreich bis auf 11,2 Prozent im Jänner 2023.

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