Zwei Prozent für das ganze Jahr: Das Schreckgespenst Inflation ist verscheucht
Auch wenn das beim Gefühl der Menschen noch nicht angekommen ist: Der Preisdruck in Österreich lässt auf breiter Front nach. Am ehesten ist das im Energiebereich zu beobachten, insbesondere beim Strom, aber auch Treibstoffe und Heizöl wirken preisdämpfend.
Unterm Strich bedeutet das den erwarteten Rückgang der Inflation von 3,8 Prozent noch im Dezember auf nunmehr 2,0 Prozent im Jänner 2026. Erwartet deshalb, weil schon die Schnellschätzung der Statistik Austria am 4. Februar den Wert von 2,0 Prozent ergab – vor drei Wochen aber noch alle Experten überraschte.
Für den Rückgang macht WIFO-Ökonom Josef Baumgartner mehrere Effekte verantwortlich, ein kleinerer Teil davon ist auf Maßnahmen der Regierung zurückzuführen. Sie lobte sich am Mittwoch dennoch selbst für das Erreichen der Zwei-Prozent-Marke. Inflationstreibende Gebühren- und Preiserhöhungen von der e-Card bis zum Führerschein, vom Reisepass bis zum Klimaticket blieben unerwähnt.
„Basiseffekt“
Der wichtigste Effekt ist ein rein statistischer: Im Jänner 2025 schnellte die Inflation noch einmal massiv hinauf, weil die bis dahin gültige Strompreisbremse ausgelaufen war. Ein Jahr später fehlt der Effekt in der Statistik, der Wert fällt also wieder. Dieser „Basiseffekt“, wie es im Fachjargon heißt, dürfte bis zu einem ganzen Prozentpunkt vom Rückgang der Inflation auf 2,0 Prozent ausmachen.
Dazu kommen die Senkung der Energieabgabe und des Erneuerbaren-Förderbeitrages mit Jahresbeginn (0,2 Prozentpunkte). Oder der schon länger beschlossene Mietpreisdeckel bei Richtwertmieten (0,1 Prozentpunkte).
Mehrere Maßnahmen sind überdies in der Pipeline, sodass Baumgartner davon ausgeht, dass die Inflation heuer auch im Gesamtjahr die Zwei-Prozent-Marke halten wird können. Bis dato war er von einer Jahresinflation von 2,6 Prozent ausgegangen. Sollte überdies das Wirtschaftswachstum auf 1,0 Prozent anspringen, wären zwei der drei Punkte aus der Formel („2-1-0“) von Kanzler Christian Stocker erreicht.
Zu den noch kommenden Maßnahmen zählt – mit März – der Österreich-Tarif vom Verbund. Er dürfte die Preise auch anderer Anbieter unter Druck bringen. Zudem kommt mit 1. Juli die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Die Mietpreisbremse für Inflationsraten über drei Prozent dürfte hingegen heuer nicht schlagend werden, sagt Baumgartner.
Preisauftrieb lässt nach
Innerhalb der Inflationsstatistik finden sich wie immer Negativ-Ausreißer, die aber relativiert werden müssen. So stiegen z. B. die Preise in der Gastronomie und Hotellerie mit 4,9 Prozent weiter stark überdurchschnittlich, im Dezember waren es aber noch 5,5 Prozent gewesen. Oder: Kaffee verteuerte sich im Jänner um 15,2 Prozent, im Dezember waren es aber noch 19,3 Prozent gewesen.
Dass der Preisauftrieb tatsächlich nachlässt, sieht man auch beim täglichen und wöchentlichen Einkauf – zumindest in der offiziellen Statistik. Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der den täglichen Einkauf abbildet, stieg im Abstand zum Jänner 2025 lediglich um 0,4 Prozent. Der Miniwarenkorb für den wöchentlichen Einkauf verzeichnete ein Plus von 0,9 Prozent.
Neuer Warenkorb
Auf Basis einer neuen Konsumerhebung hat die Statistik Austria den Warenkorb angepasst, der der Inflationsberechnung zugrunde liegt. Details werden am kommenden Mittwoch präsentiert. Schon jetzt lässt sich sagen, dass sich die Anpassung nur mit 0,1 Prozentpunkte dämpfend auf die Jänner-Inflationsrate ausgewirkt hat.
Die größte Reduktion gab es für Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen, deren Gewichtung im Warenkorb um mehr als 2,0 Prozentpunkte gesunken ist. In diesem Bereich wurde weniger konsumiert, was auf stark gestiegene Preise zurückzuführen sein dürfte. Gastronomie und Hotellerie rutschten hinter Nahrungsmittel auf den vierten Platz der am stärksten gewichteten Ausgabengruppen im Warenkorb ab. Auch Einrichtungsgegenstände, Hausrat und Kommunikationsmittel verloren an Gewicht.
Aufgewertet wurde hingegen die Gruppe „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe“. Sie legte bei der Gewichtung um knapp 0,6 Prozentpunkte zu und macht nun fast 21 Prozent des gesamten Warenkorbs aus. Ebenfalls stärker ins Gewicht fallen künftig Versicherungs- und Finanzdienstleistungen sowie der Bereich Freizeit, Sport und Kultur.
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