Wirtschaft
08.09.2018

Telekom-Boss Arnoldner: "Werden unser TV-Angebot ausbauen"

Der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Arnoldner über neue Geschäftsmodelle und Personalumbau in Zeiten der Digitalisierung.

KURIER: Sie sind der neue Generaldirektor der Telekom Austria, aber ist das tatsächlich die wichtigste Position? Ist Ihr Vorstandskollege Plater, ein Mann des Mehrheitseigentümers America Movil, nicht viel mächtiger?

Thomas Arnoldner: Wichtig ist, dass wir als Team sehr gut zusammenarbeiten. Das haben wir in den letzten Wochen schon sehr gut geschafft. Wir waren gemeinsam in Mexiko, erlebten dort nicht nur persönlich eine sehr gute Stimmung, sondern hatten auch ganz konstruktive Gespräche mit dem Mehrheitseigentümer. Am ersten Arbeitstag verkündeten wir die gemeinsame Entscheidung, Marcus Grausam als CEO der Österreich-Tochter A1 zu bestellen. Wir haben einen sehr ähnlichen Arbeitsstil, bringen aber unterschiedliche Fähigkeiten ein.

Was zeichnet Sie und Herrn Plater aus? Alejandro Plater hat das Unternehmen in einer schwierigen Situation übernommen und es gibt ganz viele Reform-Indikatoren, die nach oben zeigen. Unsere gemeinsame Aufgabe wird es sein, die Erfolgskurve noch steiler zu machen.

Und was zeichnet Sie aus?

Ich bin ein sehr starker Teamplayer, der ein sehr starkes Netzwerk mitbringt. Jemand, der sehr gerne und viel kommuniziert. Jemand, der 15 Jahre Branchenerfahrung mitbringt, 15 Jahre Kenntnisse des österreichischen Marktes. Ganz viel Kundenorientierung, sicher ein großes Netzwerk zu großen Kunden, zur öffentlichen Hand.

Sie sind mit Bundeskanzler Kurz befreundet. Ist die Nähe zur Politik hilfreich?

Als wesentlicher Infrastruktur-Anbieter gibt es viele Schnittstellen zur Politik – Regulierungen, Breitband etc. Von einem Netzwerk zu allen Parteien kann das Unternehmen profitieren.

Was ist mit Zukäufen in CEE? In der Kriegskasse ist eine Milliarde Euro. Zukäufe sollte man nicht der Zukäufe wegen tätigen. Wir wollen nachhaltig wertschöpfend wachsen und schauen in den Regionen, wo wir schon sind. Da gab es ja schon einiges an Akquisitionen im Bereich der Konvergenz, dem Zusammenwachsen von Festnetz und Funk. Dort, wo es regulatorisch möglich ist, werden wir weitere Konsolidierungen versuchen. Und ein wichtiges Thema ist natürlich auch das Wachsen in neue Geschäftssegmente.

Internet der Dinge: Was könnte da die Telekom leisten?

Für uns ein wesentliches Wachstumssegment. Es werden immer mehr Maschinen, Roboter, Fahrzeuge miteinander vernetzt und da spielen wir bereits eine wichtige Rolle. Wir investieren stark, auch im Konsumentenbereich. Wesentlich sind die Smart Homes, die Eigenheime werden immer mehr vernetzt.

Stichwort Cyber Security. Es gibt täglich Angriffe auf österreichische Unternehmen. Wie schützen Sie sich?

Als Telekom-Betreiber haben wir jahrzehntelange Erfahrung in der Absicherung von Netzen. Wir haben zuletzt die Cyber Security Range in Wiener Neustadt eröffnet. Sie können sich das vorstellen wie einen Flugsimulator für IT-Experten. Jeder Pilot geht regelmäßig zum Training, Mediziner üben am Simulator und wir bieten erstmals IT-Experten an, ihre eigenen Netzwerke bei uns im Trainingscenter nachzubauen. Um dort im Ernstfall einer Cyber-Attacke simulieren zu können.

Nur fürs eigene Unternehmen?

Neu ist, dass wir das jetzt auch für Kunden anbieten. Wir investieren massiv in ein Cyber Security Operation Center, fünf Millionen bisher. Wir bieten unseren Kunden an, auch deren Infrastruktur zu schützen. Die Unternehmen können ihre Netze mit unserer Hilfe überwachen. Wir bauen einen virtuellen Zaun um diese Infrastruktur. Wir bieten auch an, den Zaun zu durchbrechen, um zu sehen, wo die Löcher im Zaun sind.

Durch den Zusammenschluss von T-Mobile und UPC bekommen Sie harte Konkurrenz, etwa im TV-Bereich.

Wir haben in Österreich seit Kurzem einen eigenen kleinen Fernsehkanal. Das TV-Angebot ist ein wesentliches Wachstumssegment, wir werden unser TV-Angebot sicher ausbauen.

Werden Sie Mitarbeiter abbauen? Etwa in den Callcenter oder den Shops?

Ich bitte um Verständnis, dass ich in der ersten Arbeitswoche keine Personalplanung mitteilen kann. Es geht nicht so sehr um Personalabbau „Ja oder Nein“, es geht um die Frage, wie gehen wir mit der Digitalisierung generell um. Digitalisierung bedeutet eine Veränderung der geforderten Fähigkeiten und Tätigkeiten. Darauf stellen wir uns mit Weiterbildung ein, aber wir können nicht ausschließen, dass es im Einzelfall zu Reduktionen in einem Bereich kommen wird, während wir im anderen Bereich händeringend nach Mitarbeitern suchen.

Die Betriebsräte haben Privilegien wie Sekretariate und Dienstautos. Bleibt das so?

Es gelten für die Personalvertreter die gleichen Regelungen wie für alle anderen. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sich das jetzt genau anschaut. Ich verstehe, dass in Zeiten der Betriebsrats-Wahlkämpfe die Emotionen hochkochen. In die internen Angelegenheiten möchten wir uns aber nicht einmischen. Wir schätzen konstruktive Ansprechpartner auf der Personalseite, eine gelebte Sozialpartnerschaft ist für uns wichtig.

Als Vater von zwei kleinen Kindern erleben Sie selbst, wie Kinder Digitalisierung ganz selbstverständlich aufnehmen. Die Regierung will mehr Tablets in die Schulen bringen. Die SPÖ fordert sogar Gratistablets. Kann die Telekom Teil einer Kooperation in den Schulen werden?

Für uns ist der Bildungsbereich ein ganz wesentliches Thema. Nicht nur geschäftlich, sondern auch gesellschaftlich. Sie haben Recht, wir stehen da vor einer großen Herausforderung. Die Frage geht weit über das Zur-Verfügung-Stellen von Tablets hinaus, sicher sind wir hier einer der leistungsfähigsten Partner.

-------------------------------

Zur Person: Thomas Arnoldner

Der 40-jährige  Wiener ist seit 1. September Vorstandsvorsitzender (CEO) der teilstaatlichen, börsenotierten Telekom Austria. Er löst den Argentinier Alejandro Plater ab, der weiter im Vorstand bleibt. Arnoldner studierte Betriebswirtschaft an der WU Wien und an der Stockholm School of Economics. Der zweifache Familienvater begann 2003 bei Alcatel Austria, nach zehn Jahren übernahm er den Chefsessel. 2017 ging er ins Top-Management von T-Systems.Arnoldner war Bundesobmann-Stellvertreter  der Jungen Volkspartei und ist ein Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz.