Österreichs größter Stromerzeuger ist massiv unter Druck, schüttet aber eine großzügige Dividende aus-

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Wirtschaft von innen
04/08/2014

Stromschnellen erschweren Fahrt des Verbund in die ÖIAG

Klappt die Übersiedlung nicht, wackelt auch die Aufwertung der Staatsholding.

von Andrea Hodoschek

Auf die wichtigste Frage werden die Aktionäre des börsenotierten Verbund-Konzerns morgen, Mittwoch, auf der Hauptversammlung im Wiener Austria Center keine Antwort bekommen. Kommt Österreichs größter Stromerzeuger unters Dach der Staatsholding ÖIAG oder zerschlagen sich diese Pläne in der Zielgeraden?

Mit dem Umbau der ÖIAG zu einer starken Holding für die Beteiligungen der Republik sollte der Stromkonzern als eines der ersten Unternehmen neu eingegliedert werden. Darüber war sich die Regierung grundsätzlich einig.

Während Finanzminister und ÖVP-Chef Michael Spindelegger und die Staatsholding davon nicht abrücken wollen, sind die Meinungen in der SPÖ gespalten. Vor allem AK-Direktor Werner Muhm, enger wirtschaftspolitischer Berater von Kanzler Werner Faymann, soll Bedenken haben. Durchaus möglich, dass Faymann und Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der für die SPÖ die Gespräche führt, die Verhandlungen demnächst für beendet erklären. "Die Gesamtlösung hängt derzeit in der Luft", bestätigen involvierte Beobachter.

Spekulationen, dass sich die Republik die 51 Prozent am Verbund von der ÖIAG mit bis zu drei Milliarden Euro abkaufen lassen will und Spindelegger damit das Budget retten könnte, werden allerdings von allen Beteiligten als "Schwachsinn" abgetan. Das wäre nichts anderes, als das Geld von einer Tasche in die andere zu schaufeln, Spindelegger würde dafür zu Recht öffentlich massiv kritisiert. Und die EU schätzt solche Taschenspielertricks gar nicht.

Sollte der Verbund tatsächlich nicht zur ÖIAG kommen, hätte sich auch das Konzept einer aufgewerteten Staatsholding erledigt. Denn dann bliebe nur noch der Drittel-Anteil der Nationalbank-Tochter Münze an den Casinos Austria. Zu wenig, um groß eine ÖIAG neu zu konstruieren.

Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg wird sich für die Hauptversammlung warm anziehen müssen. Der Wasserkraft-Konzern ist stark unter Druck. Das operative Ergebnis stürzte schwer ab und nur der Ausstieg aus der Türkei rettete den Gewinn. Trotzdem wird an die Aktionäre eine großzügige Dividende von einem Euro ausgeschüttet. Diese findet Anlegervertreter Wilhelm Rasinger ja noch in Ordnung, warnt aber davor, sich "falschen Illusionen hinzugeben". 2014 und 2015 sei "bestenfalls eine Schmalspur-Dividende" möglich. Aktionäre werden am Mittwoch vermutlich auch das Engagement von Verbund-Aufsichtsrat Alfred Heinzel hinterfragen. Der Papier-Industrielle war 2013 bei keiner einzigen Sitzung dabei. "Was hat Heinzel denn sonst für das Unternehmen getan?", fragen kritische Aktionäre. Sie erwarten, dass Heinzel freiwillig auf seine Aufsichtsratsvergütung verzichtet. Man darf gespannt sein.

Rasinger fordert außerdem eine "schonungslose Aufklärung des unappetitlichen Korruptionsskandals" um den Ex-Begas-Chef Rudolf Simandl, SP, und die "Praxis der Postenbesetzungen" bei der Begas. Der KURIER berichtete über ein an Burgenlands SP-Landeshauptmann Hans Niessl adressiertes Schreiben von Simandl. Darin listet der gefeuerte Begas-Bonze penibel die Parteizugehörigkeit von Mitarbeitern auf und freut sich, bei den Besetzungen ein "Verhältnis von 8 (SPÖ) zu 1 (ÖVP)" erzielt zu haben. Rasinger: "Unglaublich, das empört alle Aktionäre."

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