Wirtschaft 17.04.2012

Streit um Österreich-Aufschlag im Einkaufskorb

Schlagabtausch: Konsumentenschützer und Händler streiten um gerechte Preise im Handel.

Wenn die Arbeiterkammer die Preisunterschiede von Lebensmitteln in Wien und Berlin veröffentlicht, steigt den Händlern regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht. In Österreich seien die Preise höher, Händler würden sich ein Körberlgeld verdienen, so der immer wiederkehrende Vorwurf der Konsumentenschützer.

Die Vergleiche seien zumindest teilweise unseriös, weil unterschiedliche Produkte und Marken miteinander verglichen werden, holt Bettina Lorentschitsch, Handelsobfrau in der Wirtschaftskammer Österreich, zum Gegenschlag aus. So würden beispielsweise die 30 preiswertesten Artikel in einem deutschen und einem österreichischen Markt verglichen – allerdings ohne Rücksicht auf unterschiedliche Inhaltsstoffe und Rezepturen. Dazu komme, dass es weder in Österreich noch in Deutschland einheitliche Preise gebe. Würde man also beispielsweise den Warenkorb bei M-Preis statt bei Billa einkaufen, könnte das Ergebnis ganz anders aussehen, ärgert sie sich über die Willkür bei der Auswahl der Läden.

Überhaupt hinke der Ländervergleich. In Österreich seien die Lohnnebenkosten um rund neun Prozent, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel um drei Prozent höher als im Nachbarland. "Dazu kommt, das Deutschland zehn Mal so groß ist wie Österreich. Händler bestellen größere Mengen und bekommen daher auch höhere Rabatte", argumentiert sie.

Logistik

Auch die Logistikkosten seien in Österreich höher, weil viele kleine Nahversorger auch im hintersten Tal beliefert werden müssen.

Ein Argument, dass AK-Wien-Direktor Werner Muhm nicht gelten lässt: "Die Topografie Bayerns ist mit der Österreichs vergleichbar." Seiner Meinung nach sind die Preise in Österreich auch höher, weil Händler Preiserhöhungen schneller an Konsumenten weitergeben. Wegen der hohen Marktkonzentration: In Österreich teilen sich Rewe, Spar und Hofer mehr als 80 Prozent des Marktes. In Deutschland kommen die größten vier Anbieter auf 66 Prozent Marktanteil.

Fest steht, dass Österreich eine kleiner strukturierte Landwirtschaft hat, die teurer produziert als die ausländische Konkurrenz und speziellen Qualitätsprogrammen unterliegt. Preisunterschiede sind damit auch auf Qualitätsunterschiede zurückzuführen, argumentieren Händler.

Die AK fordert, dass die Bundeswettbewerbsbehörde die Gründe prüft. René Tritscher, Geschäftsführer der Sparte Handel, meint aber nicht, dass es etwas aufzudecken gebe: "Der Lebensmittelhandel ist eine der bestuntersuchten Branchen in Österreich. Einen Nachweis von Absprachen hat es aber nie gegeben."

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( Kurier ) Erstellt am 17.04.2012