Stream & Dream: Neue Chancen für Anleger in Hollywood

Anleger könnten von der Warner Brothers-Übernahme durch Paramount profitieren.
The Warner Bros. studio lot in California

Das monatelange Gezerre um den Unterhaltungskonzern Warner Bros Discovery (WBD) hatte Ende Februar seinen Schlusspunkt: Konkurrent Paramount setzte sich mit einem 110 Milliarden Dollar (94,0 Mrd. Euro) schweren Angebot gegen Netflix durch. Netflix bot knapp 83 Milliarden Dollar nur für das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner Brothers. Die TV-Sender (u.a. CNN, TLC, Eurosport) sollten in eine neue Firma abgespalten werden.

Die US-Medienaufsicht FCC wird sich der geplanten Übernahme wohl nicht in den Weg stellen. Sowohl demokratische als auch republikanische Politiker äußerten Bedenken wegen dieser Konzentration von Marktmacht. Liberale befürchten zudem, dass CNN durch Tech-Milliardär Larry Ellison, dem Mehrheitseigentümer von Paramount und ein enger Vertrauter von Donald Trump, völlig neu positioniert wird. Kinobetreiber wiederum sorgen sich um einen Rückgang der Filmstarts.

Auf Aktionäre der beteiligten Konzerne sowie des Mitbewerbs hat der Deal, der im dritten Quartal abgeschlossen werden soll, unterschiedliche Folgen:

Warner Bros. Die Aktie hat seit Anfang 2025 um rund 150 Prozent zugelegt, den Höhepunkt erreichte der Titel im Dezember des Vorjahres. Die Entscheidung für Paramount hat den Kurs nicht mehr weiter beflügeln können. Aktuell sehen die Analysten den Titel im Durchschnitt um sieben Prozent unterbewertet.

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Paramount „Im Gegensatz zu Netflix könnte Paramount einen kräftigen Impuls gut gebrauchen, um die nötige Größe zu erreichen“, sagte Matthew Dolgin, leitender Analyst bei Morningstar. Das fusionierte Unternehmen soll jährlich mindestens 30 Kinofilme produzieren und gleichzeitig sowohl die Warner-Bros.- als auch die Paramount-Studios weiterführen. 

Das Angebot von Paramount ist vollständig finanziert, einschließlich 47 Milliarden Dollar Eigenkapital von der Ellison-Familie und RedBird Capital Partners sowie zusätzlichen Fremdfinanzierungszusagen in Höhe von 54 Milliarden Dollar von Bank of America, Citigroup und Apollo Global Management. 

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„Die Folgen liegen auf der Hand: Stellenabbau und ein kleineres Angebot könnten kurzfristig die Margen steigern, aber die Moral beeinträchtigen, Entscheidungsprozesse verlangsamen und die Kreativität einschränken – was letztlich die Wettbewerbsfähigkeit schwächt“, sagt Paolo Pescatore, Analyst bei PP Foresight. Die Paramount-Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten 22 Prozent an Wert. Bei Bekanntgabe des Deals zog die Aktie steil nach oben, verlor aber seitdem deutlich mehr, wohl auch infolge des Iran-Kriegs.

Netflix Die meisten Analysten sehen den Ausstieg der Nummer eins am Markt, Netflix, aus dem Bieterrennen positiv. So bewertet die Citigroup den Titel mit einem Kursziel von 115 Dollar (aktuell rund 95 Dollar) und einer Kaufempfehlung. Netflix könnte den operativen Ergebnisausblick (Ebit) erhöhen und mit den Margen heuer über den Schätzungen landen, schrieb Analyst Jason Bazinet. 

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Zudem rechnet er im Schlussquartal mit einer Anhebung der Abopreise. Mangels größerer Übernahmen steige auch das Potenzial für die Renditen der Aktionäre. JP Morgan sieht das Kursziel sogar bei 120 Dollar. „Wir sind der Ansicht, dass Netflix  weiterhin eine gesunde, organische Wachstumsstory bleibt, angetrieben durch eine Kombination aus starkem Content, globalem Abonnentenwachstum, anhaltender Preissetzungsmacht und einem noch in der Anfangsphase befindlichen bzw. unter monetarisierten Werbeangebot“, heißt es.

Disney+ Josh D'Amaro ist seit der Vorwoche  CEO von The Walt Disney Company, zu der auch der Streamingdienst Disney+ zählt. Dessen Wachstum ist nach wie vor ein Treiber für das Gesamtgeschäft, auch wenn die Profitabilität angesichts hoher Investitionen in Inhalte noch hinter jener der  Studios oder Freizeitparks liegt. 

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Die Sparte trägt rund ein Viertel des Gesamtumsatzes bei und liefert inzwischen auch positive operative Ergebnisse. Die Disney-Aktie liegt seit Jahresbeginn acht Prozent im Minus.

RTL+ Noch ein Blick nach Deutschland: Im Streaminggeschäft drosselte RTL den Verlust auf 47 Mio. Euro und will hier heuer mit 25 bis 50 Mio. Euro erstmals schwarze Zahlen schreiben. „Streaming wird der wichtigste Treiber für weiteres Gewinnwachstum in den kommenden Jahren sein“, so Chef Thomas Rabe. Die Aktie ist seit Jahresbeginn fünf Prozent im Plus.

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