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Wirtschaft
01/09/2019

Strafzölle ließen Chinas Autoverkäufe einbrechen

Erstmals seit gut 20 Jahren rückläufige Verkaufszahlen im größten Markt. USA-EU-Deal im Zollstreit bleibt in weiter Ferne.

Erneut stimmen Zahlen aus China nachdenklich. 2018 wurden im größten Absatzmarkt der Welt weniger Autos verkauft als im Jahr davor – erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Laut Branchenverband Passenger Car Association (PCA) ging der Absatz von Personenwagen in China um sechs Prozent auf 22,7 Millionen Fahrzeuge zurück. Und das nach zweistelligen Wachstumsraten.

Importzölle

Einer der Hauptgründe ist der Handelsstreit. Als Reaktion auf US-Importzölle hatte China die eigenen Tarife drastisch hochgefahren: Ab Sommer 2018 wurde für Fahrzeuge aus US-Produktion ein Aufschlag von 40 Prozent fällig. Erst Mitte Dezember wurde dieser wieder aufs „Normalmaß“ von 15 Prozent gesenkt.

(Zum Vergleich: Die USA verlangen für herkömmliche Pkw nur 2,5 Prozent Zoll, dafür aber für die in den Staaten überaus beliebten Pickup-Trucks 25 Prozent. In der EU sind 10 Prozent fällig.)

Ein PCA-Sprecher nannte noch andere Gründe wie den schweren Druck auf Chinas Immobilienmarkt, hohe Verschuldung, Abwärtsdruck für die Wirtschaft und fehlende Verbraucherzuversicht.

Damoklesschwert

Über der EU-Autoindustrie schwebt indes weiter das Damoklesschwert eines US-Zollaufschlags von 25 Prozent. Diesen hatte Präsident Trump vorerst ausgesetzt, solange über ein Industrie-Zollabkommen verhandelt wird.

Laut EU-Kommissarin Cecilia Malmström, die am Mittwoch in Washington war, treten diese Gespräche aber auf der Stelle. Man sei noch nicht einmal einig, über welche Sektoren verhandelt werden soll. Agrarprodukte will die EU jedenfalls ausklammern.

USA–China

Auch Verhandlungen einer US-Delegation in Peking endeten am Mittwoch. Laut Washingtoner Angaben hat China versprochen, mehr Agrarprodukte, Energie und Services aus den USA zu kaufen, um das US-Handelsdefizit zu verringern.

Zudem sei es um mehr Fairness und Ausgewogenheit gegangen: Speziell Chinas Umgang mit erzwungenem Technologie-Transfer, geistigem Eigentum und Handelsbarrieren sei ein Thema gewesen. Unkonkret ist freilich geblieben, wie sich die chinesische Seite strukturell ändern und wie dieser Fortschritt überwacht werden soll.