Steirische ams will deutschen Beleuchtungsriesen Osram schlucken

Hat ein Auge auf Osram geworfen: AMS-Chef Alexander Everke
Neuer Anlauf, nachdem ein erstes Angebot gescheitert war. Die Deutschen geben sich reserviert, ein US-Investor bietet mit

Das Unternehmen ams versucht es noch einmal: Der steirische Sensor-und Chiphersteller unternimmt einen zweiten Anlauf zur Übernahme des angeschlagenen Münchner Beleuchtungsherstellers Osram. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz kündigte am Sonntagabend ein rund 4,2 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für Osram an.

Der deutsche Konzern gab sich vorerst reserviert: „Wir haben die Ankündigung zur Kenntnis genommen, uns liegt aber noch nichts dazu vor“, sagte ein Sprecher. Deshalb könne Osram dazu zunächst nicht Stellung nehmen. Es hängt nun erst einmal am Osram-Vorstand um Olaf Berlien, ob ams überhaupt zum Zug kommen kann. Denn dazu müsste er ein Stillhalteabkommen aufheben, das die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart hatten und das ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot verbietet.

ams möchte Antwort bis Donnerstag

Steirische ams will deutschen Beleuchtungsriesen Osram schlucken

Die ams-Zentrale in Premstätten bei Graz

Die Steirer wollen bis zum Donnerstag eine Antwort aus München haben. Sie hatten schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht – wohl, weil die Finanzierung nicht stand. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung „keine ausreichende Basis“ für eine Fortsetzung der Gespräche. Inzwischen aber wollen die Banken HSBC und UBS 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will ams später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

ams-Chef Alexander Everke, ein ehemaliger Siemens-Manager, warb um Berliens Zustimmung: „Gemeinsam können wir uns mit unseren erstklassigen Mitarbeitern, Produkten und Technologien als ein weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren und unseren Kunden erhebliche Vorteile bieten.“ Das Unternehmen erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. „Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können.“

US-Angebot stößt auf wenig Gegenliebe

Die in der Schweiz börsennotierte ams bietet 38,50 Euro je Osram-Aktie – und übertrifft damit das bereits vorliegende, mit dem Osram-Vorstand abgestimmte, Offert der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle um zehn Prozent. Ein Sprecher von Bain und Carlyle wollte sich zu dem drohenden Gegenangebot nicht äußern. Das vier Milliarden Euro schwere Angebot der beiden Finanzinvestoren, zu dem sie sich nach monatelanger Prüfung durchgerungen hatten, ist bis jetzt auf wenig Gegenliebe gestoßen: Der größte Osram-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, hatte die 35 Euro als zu gering bezeichnet und angekündigt, die Offerte nicht anzunehmen.

Am Freitag hatte außerdem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ein Übernahmeangebot abgelehnt. Die Interessenvertretung der Kleinaktionäre hält den gebotenen Preis von 35 Euro je Aktie für zu niedrig: „Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK jedoch nicht angemessen“, hieß es in der Stellungnahme.Damit schwanden die Chancen, auf 70 Prozent an Osram zu kommen. Auch für ams gilt als Bedingung für die Übernahme, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

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Osram leidet seit rund eineinhalb Jahren unter dem schwierigen Marktumfeld

Abhängigkeit von Apple

Analysten machen sich seit Längerem über die zu starke Abhängigkeit von ams vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von ams. Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von „Front-End-LEDs“ dort gebündelt wird, und sind auch zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit. Am Osram-Sitz in München sollten „wichtige Funktionen“ erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von ams aber verkauft werden.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller. Dass in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, hat den Beleuchtungshersteller hart getroffen.

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