Standard & Poor´s Chef geht

Die Ratingagentur Standard & Poor´s bekommt einen neuen Präsidenten.
Foto: EPA/JUSTIN LANE

Deven Sharma tritt als Präsident der Ratingagentur S&P zurück. Der Rücktritt soll nichts mit dem umstrittenen Downgrade der USA zu tun haben.

Wenige Wochen nach der umstrittenen Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch Standard & Poor's tritt der Präsident der Ratingagentur zurück. Deven Sharma werde seinen Stuhl zum 12. September räumen und Platz für Douglas Peterson machen, den bisherigen Geschäftsführer der Citibank, teilte der S&P-Mutterkonzern McGraw-Hill am Dienstag mit. Das Unternehmen habe seit Ende vergangenen Jahres nach einem neuen Chef gesucht.

Die Financial Times berichtete unter Berufung auf Insider, der Abgang von Sharma stehe in keinem Zusammenhang mit der jüngsten Herabstufung der US-Staatsanleihen durch S&P. Auch die Berichte über Ermittlungen der US-Justizbehörden gegen die Ratingagentur im Zuge der Hypothekenkrise seien nicht ausschlaggebend für den Rücktritt gewesen.

US-Regierung nimmt sich S&P zur Brust

Die US-Regierung nimmt die Rating-Praktiken der Agentur Standard & Poor's unter die Lupe, berichtete die New York Times. Die Rating-Agentur hatte vor drei Wochen in einer historischen Entscheidung die US-Kreditwürdigkeit herabgestuft, die USA hatten damit ihre Topbonität verloren. Das Justizministerium untersucht nun, ob S&P im Vorfeld der Finanzkrise Dutzende von hypothekenbesicherten Wertpapieren bewusst "unangemessen" bewertete.

Demnach prüft Washington, ob Analysten des Rating-Riesen Wertpapiere niedriger einstufen wollten, aber von anderen Managern überstimmt wurden. Standard & Poor's war früheren Berichten zufolge bereits in das Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten. Grund waren Anschuldigungen aus der US-Regierung, dass S&P bei der Berechnung einer Fehlkalkulation aufgesessen sei. Die Regierung hatte der Agentur vorgeworfen, sich in ihren langfristigen Schuldenprojektionen um zwei Billionen Dollar (1,4 Bill. Euro) verkalkuliert zu haben.

Das Unternehmen selbst hat stets erklärt, dass seine Analysten bei ihren Bewertungen unabhängig von eigenen Geschäftsinteressen handelten. Sollte sich der Verdacht der Regierung im Zuge der Ermittlungen bestätigen, könnte das die Glaubwürdigkeit des Unternehmens untergraben.

In den Boom-Jahren vor der Finanzkrise hatten S&P und andere Ratingagenturen mit ihren Höchstnoten für hypothekenbesicherte Wertpapiere Riesenprofite eingestrichen. Die Immobilienkredite erschienen durch die Topbewertung weniger riskant und somit wertvoller. Als der Häusermarkt zusammenbrach, rutschten die Preise für die Wertpapiere in den Keller - der Hauptauslöser der Finanzkrise.

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(apa, rts, dpa / js) Erstellt am
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