Media Quarter Marx.

© KURIER/Reinhard Vogel

Großprojekt
07/17/2015

Stadt Wien bleibt auf Media Quarter sitzen

Der Verkaufsprozess wurde abgebrochen, Aliyev-Diskussion verschreckte Käufer.

von Andrea Hodoschek

Die Wirtschaftsagentur der Stadt Wien und die privaten Mehrheitseigentümer bleiben auf ihrem 40-prozentigen Anteil am Media Quarter Marx 3 (MQM3) sitzen. Der Mitte 2014 gestartete Verkaufsprozess für den zentralen Bestandteil des Medienclusters im Stadtentwicklungsgebiet auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs St. Marx wurde jetzt abgebrochen.

"Wir haben kein Angebot bekommen, das alle unsere Kriterien erfüllt hätte", begründet Gerhard Hirczi, Chef der Wirtschaftsagentur, gegenüber dem KURIER. Der Verkauf des Großprojekts scheiterte am Preis. Zuletzt wurde mit einem deutschen Immobilienfonds verhandelt, der allerdings eine Garantie für eine hundertprozentige Vermietung wollte. Andernfalls wäre eine hohe Pönale fällig geworden. Das MQM ist derzeit nur zu 90 Prozent ausgelastet. Was der Rechnungshof kritisierte, Hirczi für ein Stadtentwicklungsprojekt aber ganz gut findet.

Das MQM ist ein PPP-Modell zwischen der Stadt (40 Prozent) und dem kasachischen Ex-Botschafter Rakhat Aliyev, der im Februar tot in seiner Zelle in der Haftanstalt Josefsstadt aufgefunden wurde. Aliyev hielt über ein international verschachteltes Firmenkonstrukt 60 Prozent. Zuletzt schien seine Frau als Eigentümerin auf. Als erster Partner der Stadt trat der ehemalige SPÖ-Nationalbankpräsident Adolf Wala auf, der jedoch kurz nach der Gründung ausstieg.

Hirczi vermutet, dass die jahrelangen öffentlichen Diskussionen über Aliyev potenzielle Käufer verschreckt haben könnten: "Die öffentliche Diskussion hat den Verkaufsprozess sicher belastet. Andernfalls hätten wir mehr Interessenten gehabt und einen höheren Preis bekommen." Vielleicht aber waren die Vorstellungen der Verkäufer einfach zu hoch.

Aliyev brachte über seine Firma VBM 6,78 Millionen Euro Eigenkapital auf, die Stadt Wien 4,52 Millionen. Bisher wurden gemeinsam 64 Millionen Euro über Fremdkapital investiert. Als Kaufpreis hatte man sich die Investitionssumme plus einem kräftigen Zuschlag vorgestellt. Das Angebot der Deutschen lag jedoch um einige Millionen darunter.

Der Immobilienentwickler EHL, der das Verkaufsverfahren begleitete, empfahl, mit einem neuerlichen Versuch einige Zeit abzuwarten.

Startups als Alterntive

Der Abbruch der Verkaufsverhandlungen sei keine "besonders schwere Entscheidung gewesen. Wir haben eine gute Alternative", tröstet sich Hirczi. Das MQM soll im Rahmen des neuen Gesamtkonzepts für St. Marx ("Neu Marx Reloaded") als Standort für Startups weiter entwickelt werden.

Wird spannend, ob dieses Strategie aufgeht. Denn das Media Quarter sollte eigentlich schon längst auch eine Plattform für Startups sein. Hirczi setzt große Hoffnung auf die INiTS, den Startup-Inkubator der Stadt Wien, der ins MQM übersiedeln soll.

Der Rechnungshof, der das MQM erst nach heftigem politischen Hickhack prüfen durfte, kritisierte Intransparenz, den hohen kumulierten Bilanzverlust und die Auslastung. Ein Geschäft für die Stadt wird das Media Quarter, in dem derzeit 850 Mitarbeiter beschäftigt sind, noch lange nicht. Der Business-Plan, mit den Mieteinnahmen die Annuitäten zu tilgen, funktioniere, betont Hirczi. Bis dato wurden aber erst 1,5 Millionen Euro zurück bezahlt.

Für die Rathaus-Opposition ist der Verkaufsstopp ein neuer Skandalfall. FPÖ, ÖVP und Neos kritisieren heftig und sprechen vom Scheitern des Prestige-Projekts.

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