Novum in einem Staatsunternehmen: Die neue ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer räumt gleich zu Beginn mit den Privilegien auf

© APA/HERBERT NEUBAUER

Privilegien
08/25/2015

Staatsholding ÖBIB: Die neue Chefin greift durch

Weniger Mitarbeiter, keine Bereichsleiter mehr, niedrigere Gehälter. Auch bei Beratungskosten wird gespart.

von Andrea Hodoschek

Schon bei der Bundesfinanzierungsagentur hatte Martha Oberndorfer ein Image als resolute Managerin. Im Juni von der Regierung zur Chefin bestellt, greift Oberndorfer jetzt bei der neuen ÖBIB durch. Die VP-nahe Managerin ist beinhart entschlossen, mit den Privilegien bei der Staatsholding aufzuräumen. Dass eine neue Chefin gleich am Anfang hart eingreift, hat in österreichischen Staatsunternehmen Seltenheitswert.

Die Personal- und Beratungskosten der Vorgängergesellschaft ÖIAG sorgten immer wieder für heftige Kritik. Unter den umstrittenen Chefs Peter Michaelis und dem glücklosen, vorzeitig gegangenen Rudolf Kemler hatte sich die Staatsholding vor den Augen des von Schüssel/Grasser installierten, sich selbst erneuernden Aufsichtsrates zum Privilegienstadl ausgewachsen. Die Holding managt die wichtigsten Beteiligungen der Republik ÖsterreichTelekom Austria, OMV, Post und neuerdings auch Casinos Austria.

Höhere Durchschnittsgehälter als die Nationalbank

Das durchschnittliche Gehaltsniveau pro Mitarbeiter lag im Vorjahr, ohne Berücksichtigung der 500.000 Euro Gage für Kemler, bei fast 140.000 Euro. Dazu summieren sich noch die Kosten für Betriebspensionen. Zum Vergleich: Im Privilegienparadies Nationalbank kommen die Beschäftigten auf eine Durchschnittsgage von 98.400 Euro.

Bei 17 Mitarbeitern leistete sich die ÖIAG sechs Bereichsleiter und fünf Prokuristen. Die aufgeblasene Struktur mit drei Ebenen stammt aus den 80-er Jahren, als die Holding mehr als hundert Mitarbeiter hatte. Abgeschlankt wurde allerdings nie. Im Gegenteil. Vor seinem unfreiwilligen Abgang legte Kemler der Regierung noch schnell ein teures Ei und besserte Dienstverträge für Getreue finanziell kräftig auf.

Sechs Bereichsleiter bei 17 Mitarbeitern

Derzeit hat die ÖBIB 15 Beschäftigte. Ein Bereichsleiter ging von sich aus. Während sich Kemler und seine Vorgänger vom Chauffeur durch die Gegend kutschieren ließen, verzichtet Oberndorfer auf einen Fahrer. Dass sie den Chauffeur kündigte, der 110.000 Euro verdiente, sorgt für böses Blut bei Gewerkschaft, der Betriebgsrat schäumt.

Oberndorfer streicht alle Bereichsleiter-Funktionen und reduziert die Zahl der Prokuristen. Vier Mitarbeiter werden gekündigt. Sie werden mit Sicherheit keine Sozialfälle. Da alle Beschäftigten lange in der Firma sind, dürfen sich die Betroffenen großzügige Lösungen erwarten.

Außerdem erlaubt sich Oberndorfer, die Gehaltsbänder in Zusammenhang mit der Neustrukturierung der Funktionen neu zu definieren. De facto werden damit die Gehälter nach unten korrigiert. Die studierte Ökonomin hat sich auch, was in der Belegschaft gar nicht goutiert wurde, die Zeitlisten vorlegen lassen. Wenige Tage vor seinem Abschied unterschrieb Kemler noch eine Betriebsvereinbarung, die den Mitarbeitern sehr viel Freiheit bei Arbeitszeit und Arbeitsort erlaubt.

Beraterhonorare

Auch bei den hohen Beratungskosten will Oberndorfer den Sparstift ansetzen. Die ÖIAG galt als Cash-Cow für Berater und Anwaltskanzleien. Oberndorfer will bei Ausschreibungen für Beratungsleistungen mit der Bundesbeschaffungsagentur zusammen arbeiten.

Im KURIER-Gespräch argumentiert Oberndorfer mit dem Auftrag der Regierung und des ÖBIB-Gesetzes, die Staatsholding neu zu gestalten. "Die ÖBIB rückt näher an den Bund und berät die Regierung und den Finanzminister als Eigentümervertreter". Sie sehe sich "nicht als Aufräumerin, sondern als jemand, der die Beteiligungen exzellent verwaltet und schonungslos Optionen aufzeigt. Dazu gehört auch eine schlanke und effiziente Struktur". Schließlich plane sie "nicht aufs nächste Vierteljahr hin, sondern aufs nächste Vierteljahrhundert. Im Interesse der Steuerzahler".

Die ÖBIB liefert Know-how und strategische Informationen für Entscheidungen, vergleicht die Beteiligungen mit internationalen Mitbewerbern (Peer Groups) und analysiert. Die alte ÖIAG dagegen war näher an den beteiligten Unternehmen, der ÖIAG-Chef traditionell immer deren Aufsichtsratsvorsitzender. Die aufwendige Infrastruktur, die dafür in der Holding benötigt wurde, fällt nun weg.

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