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Wirtschaft
12/05/2011

Spion brauchte nur USB-Stick

So einfach ist Industriespionage: geheime, betriebsinterne Daten auf einen USB-Stick laden und per eMail verschicken.

von Brigitta Luchscheider

So geschehen im Klagenfurter Industriebetrieb Windtec, der sich sein Geld mit Entwicklungen und Know-how im Bereich der Windenergie verdient. Abnehmer war die chinesische Firma Sinovel, Hauptkunde und Mitbewerber des Kärntner Unternehmens. Als "Spion" agierte ein Diplomingenieur aus Serbien, 38, der bei Windtec die Entwicklungsabteilung leitete, zu seinem Leidwesen aber in die Kundenbetreuung versetzt wurde.

Mit Sinovel hatte der studierte Elektrotechniker durch seine Arbeit mehrfach Kontakt. Und die Chinesen verstanden es, den frustrierten Entwickler zu umgarnen: ein Arbeitsvertrag von 1,26 Millionen Euro für sechs Jahre, ein "Spionagelohn" von 15.000 Euro und "soziale Kontakte" in Form bezaubernder Kolleginnen. Die Kommunikation erfolgte per eMail und Skype-Telefonie.

Auch nach seiner Kündigung im März 2011 blieb der Serbe auf Wunsch von Windtec, wo man natürlich nichts vom Deal mit den Chinesen wusste, drei Monate länger und hatte damit weiterhin Zugang zu Codes, Daten und Programmen.

"Betrügerischer Datenverarbeitungsmissbrauch und Auskundschaftung eines Betriebsgeheimnisses zugunsten des Auslands" nannte es Staatsanwalt Thomas Liensberger beim Prozess am Freitag in Klagenfurt. Martin Fischer, Geschäftsführer der Firma Windtec, bezifferte als Zeuge den dadurch entstandenen Schaden mit zumindest 7,5 Millionen Euro: "Das waren die Entwicklungskosten für das Programm." Geschätzt wird der Gesamtschaden auf 185 Millionen Euro - für entgangene Euro und den Verkauf von Lizenzen.

Der Datentransfer hatte gravierende Folgen: Windtec verlor seinen Hauptkunden und der Aktienkurs des Mutterkonzerns AMSC fiel innerhalb eines halben Jahres dramatisch. In der
Folge wurden weltweit 150 von 600 Stellen abgebaut, in Klagenfurt verloren 40 von 160 Mitarbeitern ihren Job.

Reue

"Es war der größte Fehler meines Lebens und es tut mir unendlich leid, was ich angerichtet habe", sagte der Angeklagte. Mit diesen Folgen habe er nicht gerechnet. Der Schöffensenat verhängte drei Jahre Haft, eines davon unbedingt, sowie eine Teilschadenszahlung an Windtec von 200.000 Euro. Weitere Forderungen sollen im Zivilrechtsweg geklärt werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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