Wirtschaft
27.08.2018

Spezialmilch A2: Ist teurer auch besser?

Neues Lebensmittel. Die Milch von Kühen mit einer besonderen Genetik soll Verdauungsbeschwerden vorbeugen.

„A2-Milch ist eine natürliche, aber auch eine besondere Form von Kuhmilch. “ Gerhard Reingruber ist Milchbauer aus Inzersdorf im Kremstal (Oberösterreich). Er verkauft ein Produkt, das bisher in Österreich so nicht angeboten wurde. Es geht um Milch von Kühen mit einer besonderen Genetik. Während die Genetik der meisten Kühe durch eine natürliche Mutation verändert wurde, ist die Genetik einer kleineren Gruppe unverändert geblieben. Deren spezielle A2-Milch soll auch für Menschen verträglich sein, die sonst auf den Konsum verzichten, weil sie Probleme mit dem Magen-Darm-Bereich bekommen.

„Man könnte sagen, bei A2-Milch stimmt die Chemie“, bewirbt Fritz Wallner, Milchbauer aus Scharnstein im Almtal ( Oberösterreich), sein Produkt. Die beiden Bauern beliefern Rewe. Seit Anfang des Jahres gibt es A2-Milch in insgesamt 972 Shops von Billa, Merkur und Adeg in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Oberösterreich.

Der Hype um das Spezialprodukt kommt aus Neuseeland. Die dort im Jahr 2000 gegründete a2 Milk Company kommt mittlerweile auf einen Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro.

Höherer Preis

Die Bauern können für A2-Milch mehr Geld verlangen. In Österreich kostet ein Liter im Lebensmitteleinzelhandel derzeit 1,99 Euro. Laut den A2-Bauern ist das Milchgeld um etwa 20 Cent je Liter höher als bei konventioneller Milch. Dies hänge aber auch von den aktuellen Kosten für die Marketingaktionen ab.

Reingruber hat ein klares Ziel. Er will von den am Milchmarkt üblichen deutlichen Schwankungen der Erzeugerpreise wegkommen. Deshalb habe er sich für ein Spezialprodukt entschieden. In seinem Stall stehen nur ausgesuchte Kühe mit unveränderter Genetik.

A2- Milch hat eine andere chemische Zusammensetzung als normale Milch. Kuhmilch besteht überwiegend aus Eiweiß, Fett, Laktose und Wasser. Ein Drittel des Eiweißes sind sogenannte beta-Caseine. Häufigsten Varianten sind das A1 und das A2 beta-Casein. Die meisten europäischen und amerikanischen Milchviehrassen produzieren eine Gemisch aus A1 und A2 beta-Caseine.

Von Natur aus

Es gibt auch Tiere, in deren Milch nur A2 beta-Caseine vorkommen. Daher heißt es am Tetra-Pack: „A2 Vollmilch von A2 Milchkühen ist von Natur aus frei von A1 beta-Casein“. Dieses Eiweiß soll für Magenprobleme verantwortlich sein. Von gesundheitlichen Vorteilen ist auf der Verpackung für A2-Milch jedoch nichts zu lesen. Bei der Frage der Bekömmlichkeit gehen die Meinungen auseinander. Mit gesundheitlichen Vorteilen darf nur dann geworben werden, wenn es klare wissenschaftliche Beweise gibt.

Bislang wurden Studien publiziert, die einen Zusammenhang zwischen Bekömmlichkeit und A2-Milch nahelegen, aber deren Relevanz ist umstritten. Kritisiert wird etwa die geringe Teilnehmerzahl und das Eigeninteresse des Auftraggebers, eines A2-Milch-Produzenten, an den Ergebnissen.

Ein Team von Wissenschaftlern hat für die Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) den Stand der Forschung zusammengefasst. „Nach den vorliegenden Ergebnissen zu Verdauungsbeschwerden durch A1-haltige Milch kann reine A2-Milch ein interessantes Produkt für den asiatischen Raum werden. Ob die Ergebnisse für den europäischen Markt irgendeine Relevanz besitzen, kann im Moment noch nicht gesagt werden.“

Neue Forschung

Im Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Bayern läuft dazu ein Forschungsprojekt. A1-Milch könnte „die Darmpassage der Nahrung etwas verlängern“, erklärt Lebenmittelchemikerin Simone Hörrlein. Dadurch hätten Bakterien mehr Zeit, die Laktose zu vergären, was zu verstärkten Symptomen führen könnte. Es sei möglich, dass beim Konsum von reiner A2-Milch die Symptome einer Laktoseunverträglichkeit etwas weniger spürbar sind. „Das ist aber nur eine Hypothese, die noch wissenschaftlich durch Humanstudien untermauert werden muss“, betont Hörrlein. Der Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Niederösterreich, Leopold Gruber-Doberer, sieht vorerst keinen Handlungsbedarf: „Wir beobachten aufmerksam die Entwicklung.“

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Milch ist nicht gleich Milch

Spezialprodukte

Neben der konventionellen Milch wird in Österreich silofreie Heumilch sowie Biomilch erzeugt. Nun ist auch A2-Milch dazugekommen. Für  diese Produkte bekommen die Bauern ein etwas höheres Milchgeld.

Liefermengen

Wenn die  Milchpreise hoch sind, steigen die Liefermengen an die Molkereien. Wegen des guten Angebots fallen die Preise nach einiger Zeit und es wird wieder weniger Milch produziert. Der weltgrößte Milchlieferant ist Neuseeland, der größte Milchimporteur ist China