ams-Osram: Sanierungskurs kostet weitere 2.000 Arbeitsplätze

Stellenabbau in Deutschland und Asien soll den Chip- und Sensorhersteller wieder auf Kurs bringen.
++ THEMENBILD ++ AMS OSRAM IN UNTERPREMSTÄTTEN

Mit einem weiteren Sparprogramm versucht der angeschlagene deutsch-österreichische Sensor- und Halbleiterkonzern ams-Osram wieder zurück auf den Wachstumspfad zu gelangen. Erst in der Vorwoche gab ams-Osram den Verkauf seiner nicht-optischen Sensorsparte an Infineon bekannt, um mit den Erlösen Schulden abzubauen. 230 Mitarbeiter, davon 70 am Standort Premstätten bei Graz, wechseln zu Infineon. Am Dienstag erfolgte der nächste Schritt. 

Im Rahmen des Programmes "Simplify" sollen bis 2028 weitere 200 Mio. Euro eingespart und 2.000 Stellen abgebaut werden. Jeweils die Hälfte der Stellen fallen in Europa, vor allem in Deutschland, und in Asien weg.  Allein am deutschen Osram-Standort in Regensberg mit 2.700 Beschäftigten ist ein Personalabbau mittleren dreistelligen Bereich vorgesehen. Ein Teil der Produktion soll nach Malaysia verlagert werden. Österreich ist von diesem neuerlichen Stellenabbau nicht betroffen. 

Zunehmender Preisdruck am Markt

Grund für die Personalkürzungen sei der zunehmende Preisdruck am Markt für optische Halbleiter durch neue Wettbewerber aus Asien, erläuterte  Ams-Osram-CEO Aldo Kamper die Sparmaßnahme. Man müsse daher die Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten anpassen. „Die Optimierung unserer Kosten ist ein wichtiger Baustein, um unsere Transformation zu einem fokussierten, wettbewerbsfähigen Photonik-Unternehmen mit langfristig profitablem Wachstum sicherzustellen“, so Kamper. 

Die Umsetzung soll für die Betroffenen „so verantwortungsvoll und sozialverträglich wie möglich“ erfolgen. Mittelfristig gebe es am Standort Regensburg die Chance, Kapazitäten für neue Produktlinien sowie für weitere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für anspruchsvolle Technologien zu erschließen. Zusätzlich zu den Maßnahmen in Regensburg passt ams-Osram seine Produktionskapazitäten in der Lampentechnik am Standort Herbrechtingen an. Der Standort Schwabmünchen soll wie bereits angekündigt bis Ende 2027 geschlossen werden. 

Fokus auf Kernbereiche

Kamper betonte erneut, durch die eingeleiteten Maßnahmen Komplexität aus dem Unternehmen zu nehmen und sich künftig voll auf den Bereich "Digital Photonic" konzentrieren zu wollen. Der Bereich umfasst intelligente optische Halbleiter für Lichtemission und Sensorik, einfach gesagt, Technologien zur Erkennung von Licht. Konkrete Anwendungen sind etwa Micro-LED-Lampen in Autoscheinwerfern für eine bessere Ausleuchtung der Straße, MicroLED-Array-Technologie in AR-Brillen oder optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren. 

Rote Zahlen im abgelaufene Geschäftsjahr 

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat ams-Osram erneut rote Zahlen geschrieben. Unter dem Strich stand 2025 ein Nettoverlust von 129 Mio. Euro, nach einem Fehlbetrag von 785 Mio. Euro im Jahr davor. Der Umsatz ging im Jahresvergleich leicht um 3 Prozent auf 3,32 Mrd. Euro zurück, was das Unternehmen unter anderem mit dem schwächeren US-Dollar und dem Auslaufen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten begründete. 

Gedämpfte Erwartungen

Für das erste Quartal 2026 dämpft das Management die Erwartungen. Aufgrund saisonaler Effekte und der Verkäufe von Unternehmensteilen wird mit einem Umsatzrückgang auf 710 bis 810 Mio. Euro gerechnet. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei rund 15 Prozent liegen. Mittelfristig peilt ams-Osram im Halbleitergeschäft wieder ein einstelliges Wachstum und Margen von über 25 Prozent an.

Operativ lief es besser: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 6 Prozent auf 608 Mio. Euro, die entsprechende Marge kletterte auf 18,3 Prozent.

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