ams-Osram-Deal: Wie es mit dem Werk in Premstätten weitergeht

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Teilverkauf an Infineon weckt Sorgen um die Zukunft des Standortes. Der Konzernchef ist um Beruhigung bemüht.

Der Verkauf des nichtoptischen Sensorgeschäftes des österreichisch-deutschen Chip- und Sensorherstellers ams-Osram an Infineon weckt Sorgen um die Zukunft des Werkes in Premstätten bei Graz. Wie am Dienstagabend bekannt wurde, wechselt der Geschäftsbereich um 570 Mio. Euro zum deutschen Halbleiterkonzern Infineon. Zur Sparte gehören  Positions- und Berührungssensoren für die Industrie und für Medizinanwendungen. 

Im Rahmen der Transaktion sollen rund 230 Beschäftigte mit Expertise in den Bereichen Forschung und Entwicklung und Management zu Infineon wechseln, davon rund 70 Mitarbeitende zum bereits bestehenden Infineon-Standort Graz. 

Werk in Premstätten bleibt bei ams-Osram

Die Produktion in Premstätten mit 1.300 Beschäftigten verbleibt bei ams-Osram, stellte Konzernchef Aldo Kamper bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch klar. Ein mehrjähriges Lieferabkommen ermögliche ein "sanftes Auslaufen der Produktion", so Kamper weiter. Die Auslastung des Standorts in Premstätten sei daher gesichert, denn zeitgleich würden andere Bereiche gestärkt: "Wir werden massiv in unsere 180-Nanometer-Fähigkeiten investieren und diverse Produkte wie etwa die Treiber für unsere Multipixel-LED-Eviyos künftig selber herstellen."

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ams-Werk Premstätten bei Graz

Auch das Equipment verbleibe für eine Nachnutzung im Unternehmen. Es werde zwar Anpassungen geben müssen, diese seien aber sehr überschaubar. "Der Standort wird stabil bleiben mit temporären Anpassungen nach oben und unten. Die Mitarbeiteranzahl wird sich nicht groß ändern“, sagte Kamper.

Er verwies auch auf die öffentlichen Fördergelder für die Erweiterung des Werkes in Premstätten im Rahmen des EU-Chips-Actes. Bis 2030 investiert das Unternehmen rund 500 Mio. Euro am Standort Premstätten, die Hälfte davon wird gefördert. Daher gebe es Commitment, dass der Standort wächst. 

Standort- und Beschäftigungsgarantie gefordert

Sowohl Infrastrukturminister Peter Hanke als auch die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA forderten in einer ersten Reaktion eine Standort- und Beschäftigungsgarantie. "Ich gehe davon aus, dass sich dies nicht als leere Worthülsen erweisen wird", wird Hanke in einer Aussendung zitiert. „Arbeitsplätze, Technologie und Know-how müssen weiter erhalten werden. Wir werden genau beobachten, wie es in Premstätten weitergeht“, betonten die beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA).

Aus Sicht der Gewerkschaften zeige das Beispiel ams-Osram, dass es künftig notwendig ist, öffentliche Förderungen noch stärker an Arbeitsplätze zu knüpfen. „Für jede Million aus Steuergeldern muss es eine klare Beschäftigungsgarantie geben“, so Binder und Teiber.

"Starten neues Wachstumskapitel"

Das veräußerte Geschäft erwirtschaftete 2025 laut Unternehmensangaben rund 220 Mio. Euro Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von etwa 60 Mio. Euro. Ist also durchaus profitabel. ams-Osram könne mit dem Teilverkauf seine Verschuldung deutlich schneller als geplant reduzieren und ein führender Anbieter in Digital Photonics werden, führte Kamper weiter aus. "Wir starten ein neues Wachstumskapitel".  Schon zuvor hatte ams-Osram sein Speziallampen-Geschäft für 114 Millionen Euro an den japanischen Rivalen Ushio verkauft. 

Digitale Lichttechnologien

Der Bereich "Digital Photonics" umfasst intelligente optische Halbleiter für Lichtemission und Sensorik, einfach gesagt, Technologien zur Erkennung von Licht. Darunter fallen digitale Ansteuerungen für  Front- und Signalbeleuchtung, Heimkino-Projektion, Herzfrequenzmesser, Materialbehandlung sowie Drohnen- oder Robotik-Sensorik. Konkrete Anwendungen sind etwa Micro-LED-Lampen in Autoscheinwerfern für eine bessere Ausleuchtung der Straße, MicroLED-Array-Technologie in AR-Brillen oder optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren. Das Automobil-Lampengeschäft inklusive des Ersatzlampengeschäfts bleibt weiter im Konzern.

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