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Wirtschaft
06/11/2020

Sparpaket bei Lufthansa: 22.000 Jobs wackeln

Bis 22. Juni will sich die deutsche Fluglinie, Mutterkonzern der AUA, mit der Gewerkschaft einigen

Bei der schwer angeschlagenen AUA-Mutter Lufthansa stehen 22.000 Vollzeitstellen auf der Kippe, die HĂ€lfte davon in Deutschland. Eine "signifikante Senkung der Personalkosten" sei nötig, erklĂ€rte die Lufthansa am Mittwochabend nach einem Treffen mit Gewerkschaftsvertretern. Betriebsbedingte KĂŒndigungen will die Fluggesellschaft durch Kurzarbeit und Krisenvereinbarungen aber möglichst vermeiden.

Die Lufthansa ist von der Coronakrise schwer getroffen; Konzernchef Carsten Spohr rechnet erst in mehreren Jahren mit einer Normalisierung des Angebots und hat bereits eine tiefgreifende Umstrukturierung angekĂŒndigt. "Wir gehen davon aus, dass die Flotte der Lufthansa Group nach der Krise rund 100 Flugzeuge weniger zĂ€hlen wird", erklĂ€rte der Konzern am Mittwochabend - entsprechend weniger Piloten und Flugbegleiter werden gebraucht. Hinzu kĂ€men ÜberhĂ€nge in der Verwaltung und im DrittkundengeschĂ€ft der Servicegesellschaften.

Der Staat hilft der Airline mit einem Rettungspaket im Umfang von neun Milliarden Euro, dem die AktionĂ€re aber noch zustimmen mĂŒssen. Die Hauptversammlung ist am 25. Juni.

Bis zum 22. Juni wollen die Tarifpartner daher "konkrete, personalkostensenkende Maßnahmen" vereinbaren, um "den Weg fĂŒr den Erhalt möglichst vieler ArbeitsplĂ€tze" zu ebnen, wie die Lufthansa mitteilte. Am zweiten sogenannten Tarifgipfel am Mittwochabend hatten Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sowie der UnabhĂ€ngigen Flugbegleiter Organisation (UFO) teilgenommen.

UFO-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Nicoley Baublies erklĂ€rte nach dem Treffen, die 22.000 Vollzeitstellen entsprĂ€chen 26.000 ArbeitsplĂ€tzen im Konzern. Dies könne "niemandem gefallen". Die Gewerkschaft werde "weiterhin alles versuchen, um bis zur außerordentlichen Hauptversammlung eine Lösung erreichen zu können", versicherte er. Die Lufthansa mĂŒsse im Gegenzug "umschalten". Bisher "erleben wir noch keinen partnerschaftlichen Weg", kritisierte Baublies. Er forderte einen KĂŒndigungsschutz fĂŒr die Mitarbeiter aller Airlines des Konzerns. Das sind rund 138.000 BeschĂ€ftigte.

Die Pilotengewerkschaft VC hatte am Mittwoch vor dem Treffen ihr Angebot bekrÀftigt, die Piloten könnten auf bis zu 45 Prozent ihres Gehalts verzichten. Das bedeute Kosteneinsparungen von etwa 350 Mio. Euro. VC-PrÀsident Markus Wahl erklÀrte nach dem Treffen, das GesprÀch habe gezeigt, "dass wir gemeinsam eine Lösung finden wollen und werden". Wahl mahnte, eine Auslagerung von ArbeitsplÀtzen zu schlechteren Bedingungen "wÀre völlig inakzeptabel".

Die Linke hat die geplanten Staatshilfen fĂŒr das Unternehmen scharf kritisiert. Diese seien ein einziger Skandal, schrieb Parteichef Bernd Riexinger am Donnerstag bei Twitter. "9 Milliarden fĂŒr ein Unternehmen, das 4 Milliarden wert ist und Verzicht auf jede Mitsprache. Wenn die Lufthansa 22.000 ArbeitsplĂ€tze streichen sollte, ist die Bundesregierung verantwortlich!"

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