Spar verkauft Sporthandelskette Hervis
Hervis-Logo auf einer Filiale des Sportartikelhändlers.
Zusammenfassung
- Spar verkauft die defizitäre Sporthandelskette Hervis an Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, alle 134 Standorte und Mitarbeiter bleiben erhalten.
- Die neuen Eigentümer wollen Hervis neu positionieren und das Angebot an veränderte Kundenbedürfnisse und neue Sporttrends anpassen.
- Für Kunden ändert sich vorerst nichts: Geschäftsbetrieb, Gutscheine und Services laufen wie gewohnt weiter.
Die Spar AG hat seine Sporthandelskette Hervis verkauft. Die neuen Eigentümer sind der Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin. Mit übernommen werden alle Hervis-Mitarbeiter:innen und alle 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern. Die neuen Eigentümer wollen die Marke Hervis erhalten und als Sporthändler neu positionieren. Signing und Closing des Deals fanden am 23.1.2026 statt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Hervis war defizitäre Tochter von Spar
Mit dem Verkauf zieht Spar die Reißleine bei der defizitären Tochter. In den Jahren 2023 und 2024 hatte Hervis Verluste von über 100 Mio. Euro angehäuft. Allein 2023 belief sich der Abgang inklusive Abschreibungen auf 64 Mio. Euro, 2024 waren es 43 Mio. Euro. Auch der Umsatz war zuletzt rückläufig und sank von 261 auf 253 Mio. Euro. Spar-Chef Hans Reisch hatte bereits Ende 2025 "weitere Entscheidungen" bezüglich der Zukunft des Sporthändlers angekündigt.
Hervis soll neu positioniert werden
Hervis sei über 50 Jahre lang ein wesentlicher Teil der Spar Österreich-Gruppe gewesen und sei heute eine bestens eingeführte Marke mit hoher Bekanntheit, heißt es in einer Presseaussendung von Spar. Der Lebensmittelhändler begründet den Verkauf mit einer Konzentration auf das Kerngeschäft und einer notwendigen Neupositionierung von Hervis in einem deutlich veränderten Marktumfeld.
Klassische Sportarten verlieren an Zuspruch, während "neue Sport- und Bewegungsformen" in den vergangenen Jahren "spürbar an Bedeutung gewonnen haben." Auch neue Lebensstile wie der Longevity-Trend würden Chancen für eine strategische Neuausrichtung eröffnen. Die Käufer versichern, diese Chance nutzen zu wollen.
"Wollen Angebot an geänderte Bedürfnisse anpassen"
"Wir werden Hervis im ersten Schritt ins Jahr 2026 führen und das Geschäftsmodell im Sporthandel neu positionieren. Nur so können wir die Chancen von heute und morgen erfolgreich nutzen. Ziel ist es, das Angebot an die geänderten Kundenbedürfnisse der heutigen Zeit anzupassen und Hervis damit wieder erfolgreich zu machen", erklärt der neue Hervis-Eigentümer Sven Voth. Er ist in der Branche kein Unbekannter. Er gründete 1998 die Streetwear-Kette Snipes, an der sich später Deichmann beteiligte.
In den kommenden Monaten wollen die neuen Eigentümer Voth und Schloemer das Geschäftsmodell von Hervis weiterentwickeln. Im Fokus sollen dabei Fragen wie die Zukunft des Sporthandels, die Nutzung von Digitalisierungspotenzialen, sowie die Relevanz künftiger Sortimente und Sportarten für Konsumenten stehen. Die Ergebnisse dieser Evaluierung sollen transparent kommuniziert werden.
Für Kunden läuft alles weiter wie bisher
Hervis-Kunden hätten durch den Verkauf jedenfalls keine Einschränkungen zu befürchten. Der Geschäftsbetrieb wird vollständig übernommen. Hervis-Gutscheine behalten ihre Gültigkeit, Online-Bestellungen und laufende Abwicklungen werden erfüllt. Auch Servicefälle werden weiter bearbeitet.
Hervis ist einer der größten Sportfachmärkte
Die Marke Hervis wurde von Spar entwickelt, nachdem der Lebensmittelhändler 1970 Geschäfte des deutschen Modekaufmanns Hermann Visser (der Name Hervis geht auf ihn zurück) übernommen hatte. Spar baute das Sportfachmarkt-Konzept auf. Hervis expandierte kräftig und ist war neben Österreich auch in sechs weiteren Ländern tätig. Ende 2025 betrieb Hervis in Österreich 91 Filialen und weitere 43 in Slowenien, Kroatien und Bayern.
Wettbewerb im Sporthandel ist hart
Die Übernahme fällt in eine schwierige Phase für den österreichischen Sporthandel. Nach einem "Sonder-Umsatzboom" während der Pandemie führten Konsumzurückhaltung und hohe Lagerbestände ab 2022 zu Problemen in der gesamten Branche. Der Markt wird von Intersport und Sport 2000 dominiert, Hervis liegt laut RegioData auf Platz drei. Der Konkurrenzdruck hatte zuletzt bereits das "Österreich-Abenteuer" des norwegischen Händlers XXL Sports beendet, während der französische Diskonter Decathlon seine Präsenz seit 2018 stetig ausbaut.
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