Spar: „Bei uns gibt es keine Mogelpackungen und wird es auch keine geben“

Spar-Vize-Chef Kaser kritisiert "Überbürokratisierung" durch die Regierung, mit viel Aufwand und wenig Nutzen. Eine Margenkontrolle wäre ein Eingriff, der der gesamten Volkswirtschaft schaden würde.
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Sehr zufrieden mit der Umsatz- und Marktanteilsentwicklung in seinem Unternehmen zeigt sich der stellvertretende Vorstandschef bei Spar, Markus Kaser. Weniger zufrieden ist er mit diversen neuen Regelungen, die den Handel betreffen.

Kaser lobt zwar, dass die Bundesregierung „ausgleichend gegen politische Extreme“ wirke, nicht permanent streite und die Lohn-Preis-Spirale durchbrochen habe. Doch viele Dinge „geschehen zu schnell und unüberlegt“. Betroffene gehörten früher und stärker eingebunden.

Anlass für Kasers Kritik war ein „Foodsalon“ von Spar, der sich am Dienstag vorrangig um Ernährungstrends und neue Produkte der Handelskette drehte. Streckenweise wurde es aber ziemlich politisch.

Speziell die „Überbürokratisierung“ mache dem Marktführer unter Österreichs Supermarktketten zu schaffen. Dazu zählt Kaser das neue Preisauszeichnungsgesetz oder die „undurchdachte“ Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel. Zwei Millionen Euro koste die Umstellung auf die niedrigere Steuer. Kaser: „Der Aufwand steht in keiner Relation zum Nutzen. Diese Dinge braucht kein Mensch.“

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Markus Kaser

Auch, dass viele Probleme dem Handel umgehängt werden, obwohl er in der Wertschöpfungskette erst zum Schluss komme, gefällt dem Manager gar nicht. Als Beispiel nannte er das Anti-Mogelpackungs-Gesetz, das die „Shrinkflation“ (weniger Inhalt bei gleichem oder sogar höherem Preis) bekämpfen soll. Der Spar-Vize sieht hier vor allem die Industrie in der Pflicht, man selbst werde solche Produkte, mit denen Kunden getäuscht werden, selbstverständlich auslisten. „Bei uns gibt es keine Mogelpackungen und wird es auch keine geben.“

Billigere Produkte

Kaser nannte demgegenüber zwei Produkte – ein Bio-Joghurt und ein Mousse au Chocolat, wo der Inhalt produktionsbedingt mehr wird – bei gleichbleibendem Preis.

Auch die oft geäußerte Behauptung, der Lebensmittelhandel sei Hauptverursacher der Inflation, stößt ihm sauer auf. „Die Diskussion ist viel zu eindimensional. Die Regierung sollte lieber die Senkung der Energiepreise angehen. Das wäre für alle – Industrie, Handel und Haushalte – ein großer Vorteil.“

Der Irankrieg werde, wenn er länger andauere, die Lebensmittelpreise nach oben treiben, doch es gebe auch dämpfende Faktoren – wie die Überproduktion z. B. bei Milch. Es gelte momentan die Entwicklung abzuwarten. 

Renditen von ein bis zwei Prozent

Eine Margenkontrolle, wie von der Regierung im Kampf gegen vermeintliche Übergewinne angedacht, lehnt Kaser mit Hinweis auf die Renditen bei Spar von „ein bis zwei Prozent“ kategorisch ab. „Das wäre ein Eingriff in die Marktwirtschaft, der der gesamten Volkswirtschaft sehr schaden würde.“

Abgesehen von Polemik und Kritik hat Spar freilich ein erfolgreiches Jahr hinter sich. In Österreich legte der Umsatz wie berichtet um 4,5 Prozent auf 10,82 Milliarden Euro zu. Der Marktanteil stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 36,2 Prozent. Es gibt bereits 1.514 Filialen.

Das sagt Kaser zur Erpressung bei Hipp Babynahrung

Für den Spar-Vize-Vorstandschef liegt der Ball in der Causa Hipp-Erpressung nun eindeutig bei Polizei und Ermittlungsbehörden. Man selbst habe am Wochenende, als bekannt wurde, dass Hipp-Babynahrung mit Rattengift versetzt wurde, „sehr schnell, sehr umfassend und auch vorsorglich reagiert“, indem man das gesamte Hipp-Sortiment aus den Regalen entfernt habe, noch bevor überhaupt wirklich klar war, was dahinter steckt.

Kaser sagte vor Journalisten: „Das haben wir deshalb sofort veranlasst, weil uns die Themen Sicherheit und 100-Prozent-Verlässlichkeit so wichtig sind. Es war uns auch von der ersten Sekunde an klar, wenn der Kunde oder die Kundin zu uns ins Geschäft kommt, egal welches Produkt von Hipp, egal wo gekauft, kann er das bei uns zurückgeben. Ohne Kassazettel, ohne irgendeinen bürokratischen Aufwand, gibt es sofort das Geld zurück.“

Erst wenn 100prozentige Klarheit darüber herrsche, was eigentlich in diesem Fall passiert sei und die Sicherheit auch wieder vollständig gegeben sei, werde man die Produkte des deutschen Unternehmens wieder einlisten, sagte der Manager. Aber, so Kaser: „Wir wollen keine Panik verbreiten, das bringt auch nichts.“
 

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