SpaceX fliegt Richtung Börse und plant KI-Rechenzentren im All

Das Unternehmen SpaceX dominiert das US-Raumfahrtprogramm, im zivilen wie im militärischen Bereich. Jetzt geht es um den Wettlauf um KI-Rechenleistung im Weltraum.
Musk bei der SpaceX Starbase in Brownsville, Texas

Er ist zweifellos einer der umstrittensten Unternehmer weltweit. Seine Kritiker werfen ihm regelrechte Weltherrschaftsfantasien vor.

Doch wie es aussieht, reicht das einem Getriebenen wie Elon Musk nicht. Reichster Mensch auf Erden mit einem aktuell auf 824 Milliarden Dollar (715 Mrd. Euro) geschätzten Vermögen ist er längst. Jetzt strebt Musk, der sich in seiner Jugend besonders stark für Science-Fiction interessierte, auch die Herrschaft über den Weltraum an.

Schon im Jänner hat die Financial Times erstmals von Plänen berichtet, Musks Weltraumunternehmen SpaceX an die Börse zu bringen, um Geld für die weitere Expansion einzusammeln. Im Juni oder Juli soll es soweit sein.

Nach allen bisherigen Informationen wird es nicht nur der größte Börsegang der Wirtschaftsgeschichte, sondern dürfte auch die Vormachtstellung von Musks Satellitennetzwerk Starlink, das 50 bis 80 Prozent des Umsatzes von SpaceX beisteuert, festigen.

Rekordeinnahmen

Die Zahlen dahinter sind durchaus beeindruckend und strotzen wie immer bei Musk vor Superlativen: Der bisher größte Börsegang war jener von Saudi Aramco im Jahr 2019, bei dem der staatliche saudische Ölgigant 25,6 Mrd. Dollar bei Investoren einsammelte. Schafft es SpaceX trotz Irankrieg und Börsenturbulenzen tatsächlich an die Wall Street, wird mit einem Emissionserlös von 50 bis 75 Milliarden Dollar gerechnet, da vorerst nur ein kleiner Aktienanteil verkauft werden soll. Das Unternehmen, an dem Musk rund 43 Prozent hält, wird nämlich mit bis zu 1.750 Milliarden Dollar bewertet und rangiert damit hinter US-Tech-Giganten wie Nvidia, Microsoft oder Apple unter den wertvollsten Unternehmen der Welt. Musks Elektro-Auto-Pionier Tesla ist deutlich weniger wert, und zwar rund 1.200 Milliarden Dollar.

Die Börsenstory bei SpaceX, die Anleger in aller Welt begeistern soll, ist simpel wie visionär: Schon heute spielt SpaceX mit seinen Raketen eine Schlüsselrolle für das amerikanische Raumfahrtprogramm, sowohl in der zivilen als auch in der militärischen Nutzung. Längerfristig geht es um neuartige Rechenzentren für Künstliche Intelligenz im All. Der Vorteil: die Nähe zur Sonne zur Deckung des enormen Energiehungers solcher Rechenzentren. Zusätzlich gibt es im Orbit keine negativen Einflüsse etwa durch Wetter, Atmosphäre oder begrenzte Flächen.

Der Wettbewerb um Rechenleistung verlagert sich also zunehmend ins All. Denn auch Musks schärfster Konkurrent, Amazon-Gründer Jeff Bezos, treibt mit seinem Weltraum-Unternehmen Blue Origin ähnliche Pläne voran.

50.000 vs. 1 Million

Einem kürzlich veröffentlichten Antrag von Blue Origin zufolge will das Unternehmen in seinem „Projekt Sunrise“ mit bis zu 51.600 Satelliten Weltraum-Rechenzentren in Umlaufbahnen zwischen 500 und 1.800 Kilometern Höhe aufbauen.

Kurze Zeit später beantragte auch SpaceX bei den US-Behörden die Genehmigung für ein System mit bis zu einer Million Satelliten.

Dies sei „der erste Schritt in Richtung einer Zivilisation, die die gesamte Energie der Sonne nutzen kann“, fabulierte Musk einmal mehr vom Leben im All.

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