© APA/AFP/dpa/DANIEL BOCKWOLDT

Wirtschaft
03/12/2019

So will die Post Amazon auf Distanz halten

Die Österreichische Post versucht sich durch die Übernahme des DHL-Österreich-Geschäfts in eine gute Position zu bringen.

Mit der Übernahme des Zustellgeschäfts von DHL in Österreich möchte die Österreichische Post Fakten schaffen. Sie will damit sämtliche Ambitionen des Online-Handelsriesen Amazon, hierzulande am Zustellungsmarkt Fuß zu fassen, im Keim ersticken. Ob die Strategie aufgeht, ist trotz der künftig größeren Marktmacht offen.

Die Österreichische Post würde durch die Übernahme der Nummer zwei in Österreich ihren Marktanteil am Paketmarkt von 47 auf 74 Prozent steigern und damit drei von vier Paketen befördern, meint Andreas Kreutzer, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kreutzer Fischer & Partner.

Lauerstellung

Die große Frage sei, was Amazon in Österreich vorhabe. Derzeit befindet sich der US-Konzern in Lauerstellung. Amazon liefert nämlich nicht über eigene Infrastruktur, sondern über Partnerunternehmen aus. „Amazon schaut sich die Logistik an, ohne Geld reinzustecken“, sagt Kreutzer. Sollten sie Chancen in Österreich sehen, könnten sie selbst an den Start gehen. „Das ist aber nicht einfach. Man verdient mit dem Paketgeschäft nicht viel, wenn es nicht das Kerngeschäft ist“, so Kreutzer.

Zunächst ist jedoch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Zug. Grundsätzlich wird im Kartellrecht in Österreich ab 30 Prozent Marktanteil von einer marktbeherrschenden Stellung ausgegangen. In der Vergangenheit hat die BWB bei Zusammenschlüssen mit hohen Marktanteilen Marktbefragungen durchgeführt, was laut BWB-Chef Theodor Thanner auch in diesem Fall erwogen wird. Laut Brancheninsidern wäre es denkbar, dass die Post Teile des DHL-Geschäfts abgeben muss.

 

 

Konkurrenz hätte die Post künftig noch durch Hermes, mit knapp zwölf und DPD mit zehn Prozent Marktanteil. Post-Chef Georg Pölzl sieht kein Wettbewerbsproblem. Durch den Einstieg von Amazon würden sich die Marktanteile deutlich verschieben. Amazon kam 2018 in Österreich laut Kreutzers Hochrechnung auf zwei Prozent. Würde das Unternehmen wie geplant die Auslieferung flächendeckend ausrollen, würde es auf zehn Prozent kommen.

Zukunftsgeschäft

Der Kuchen, um den es geht, ist groß und wächst dank Internethandels rasant. Im Geschäftskundensegment stieg das Volumen 2018 um 2,1 Prozent auf 95 Millionen Stück, im Konsumentengeschäft sogar um 14,6 Prozent auf 133 Millionen Stück. Die Retouren legten um 16 Prozent auf 28 Millionen zu. Die Zahl der von der Post ohne DHL ausgelieferten Pakete soll laut Prognosen von derzeit 108 Millionen bis 2022 auf 150 Millionen steigen.

Die Börse reagierte auf die Ankündigung, dass die Post 2020 den Großteil des Zustellgeschäfts von DHL in Österreich übernehmen will, erfreut. Die Postaktie legte gestern Mittag gegenüber dem Vortag um 3,25 Prozent auf 35,56 Euro je Aktie zu.

Für Post-Chef Georg Pölzl ist das nach Rückschlägen, wie die bisher erfolglose Suche nach einem Finanzpartner als Ersatz für die Bawag, die Aufregung über die Datensammlung durch die Post und hartnäckige Gerüchte, dass die Handelsplattform Shöpping nicht nach Wunsch läuft, ein wahrer Coup.