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Wirtschaft
01/16/2020

Skoda-Vorstand: „Die meisten sind sofort von Elektroautos begeistert“

Die VW-Tochter steigt nun in den E-Markt ein. Vertriebschef Alain Favey sieht keine Gefahr der Kannibalisierung mit Schwestermarke VW.

von Robert Kleedorfer

Skoda-Vertriebsvorstand Alain Favey am Rande der Autoshow über die Zukunft der erfolgreichen VW-Tochter und die Bedeutung von Probefahrten mit E-Autos.

KURIER: Skoda hat 2019 erstmals nach langer Zeit weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor. Wie konnte das passieren?

Alain Favey: Während wir in Europa und Russland Rekordergebnisse erzielen konnten, haben wir vor allem auf unserem größten Einzelmarkt China gelitten. Dort ist der Markt sieben Prozent rückgängig und wir haben 59.000 Fahrzeuge weniger verkauft. Das war schwierig zu kompensieren, wir konnten aber unterm Strich das Minus auf 0,9 Prozent reduzieren.

Woran lag der Einbruch in China?

 

Das hat vielfältige Gründe. Der Handelskonflikt mit den USA spielt sicher eine große Rolle. Bis dato gab es nie Rückgänge in China und 30 Jahre ging es nur nach oben. Die dort gut etablierten Marken konnten in der Krise besser bestehen. Wir sind noch nicht so lange in China und aktuell die Nummer 23 auf dem Markt. Wir haben konkrete Maßnahmen definiert, mit denen wir den Trend umkehren wollen.

In Europa ist Skoda hingegen etabliert.

In Europa sind wir die Nummer 8 und sehr zufrieden mit der Entwicklung. Unser Marktanteil ist auf 4,8 Prozent gestiegen. Österreich ist unser neuntgrößter Markt. Mit rund 27.300 verkauften Einheiten und einem Marktanteil von 8,3 Prozent sind wir stabile Nummer zwei.

Auf Kosten der Konzernschwester VW.

Auf keinen Fall. Wir gewinnen vor allem von Konkurrenten außerhalb des Konzerns.

Aber der Octavia hat nach 40 Jahren den Golf als Nummer eins abgelöst.

Wir freuen uns über den Erfolg des Octavia und bringen mit der neuen Generation ein Fahrzeug mit viel Potenzial auf den Markt. Es war sicher niemals unser Ziel, den Golf zu übertreffen. Und Sie werden sehen, VW wird mit dem neuen Golf 8 sehr erfolgreich sein.

 

Kannibalisieren sich Skoda und VW nicht zum Teil?

 

Im VW-Konzern sind alle Marken klar positioniert. Wir sprechen unterschiedliche Kundengruppen mit verschiedenen Marken an.

Es gab, so war zu lesen, im Konzern Überlegungen, Skoda als Billigmarke zu positionieren.

Wir sind und werden sicher nie eine Low-Cost-Marke sein. Wir haben eine klare Marken- und Produktstrategie. Wir stehen für „Smart Understatement“ und das schätzen unsere Kunden.

Die Elektro-Offensive macht auch vor Skoda nicht Halt.

2020 ist für Skoda ein wichtiges Jahr. Mit dem Citigo e IV bringen wir unser erstes voll elektrisches Fahrzeug auf den Markt und mit dem Superb iV einen Plug-In-Hybrid. Ende des Jahres kommt unser erster elektrischer SUV auf Grundlage des modularen Elektrobaukastens des Konzerns. Klar ist, wir arbeiten weiter konsequent an der Elektrifizierung unserer Modellpalette.

Es gibt aber unter vielen Autofahrern große Vorbehalte gegenüber E-Autos.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten, die zum ersten Mal ein E-Auto fahren, sofort begeistert sind. Insofern werden Probefahrten einen ganz wichtigen Überzeugungsfaktor darstellen. Die Ladeinfrastruktur sehe ich hier nicht so problematisch. Gerade in Österreich gibt es ein ziemlich ausgebautes Netz an Schnellladestationen.

Wie viel müssen Sie beim Citigo zuschießen?

Gar nichts.

Bleiben Elektroautos vorerst etwas für die Stadt?

Am Anfang sind sie eher der Zweitwagen für das urbane Umfeld. Aber unser erster elektrischer SUV wird beispielsweise eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben.

Bleibt uns der SUV-Boom erhalten?

Im Moment ist kein Ende in Sicht. Die Kunden fragen diese Art von Auto nach und in Europa macht dieses Segment rund 40 Prozent der Neuzulassungen aus. Die Kritik an den Modellen ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Ein großer Teil sind City-SUVs.klee