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Wirtschaft
02/25/2019

Skiverkauf: Österreich holt Silber

Weltweit rangiert Österreich auf Platz zwei, nur in den USA werden noch mehr Ski verkauft.

von Thomas Pressberger

Nicht nur Österreichs Skifahrer sind Weltklasse, auch beim Skiabsatz zählt die kleine Alpenrepublik in absoluten Zahlen zu den Spitzenreitern. In der Saison 2017/’18 wurden knapp 400.000 Paar Ski verkauft, um zehn Prozent mehr als in der Saison davor. Damit hat Österreich Frankreich vom zweiten Platz verdrängt. Nur in einem Land werden weltweit mehr Ski verkauft als in Österreich – in den USA mit knapp 530.000 Paaren. Damit wird allein in Österreich ein Achtel der 3,1 Millionen weltweit produzierten Paar Ski verkauft, der Marktanteil liegt bei exakt 12,9 Prozent.

 

Das starke Absatzwachstum hat mehrere Gründe, sagt Gernot Kellermayr, Präsident des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportartikelausrüster Österreichs (VSSÖ). Der Winter 2017/’18 und die Nachfrage der Ski-Verleiher seien gut gewesen. Außerdem werde es den Skifahrern immer leichter gemacht, die passenden Verleihski zu finden. Das und andere Innovationen würden eine breitere Masse an Skifahrern, sogenannte Genussfahrer und Wiedereinsteiger, ansprechen. Die Top-Infrastruktur in Österreich – wie beheizte Sessellifte – täten ihr Übriges.

Marcel-Hirscher-Effekt

Österreich ist die Wiege des alpinen Skisports. Diesen Vorsprung haben wir nie abgegeben und, wie man bei diesen Zahlen sieht, auch auf die Piste gebracht“, sagt Kellermayr.

Österreich habe den Ruf, die besten Skifahrer, Rennläufer und Skilehrer zu haben. Das sei ein Grund, warum viele Gäste aus dem Ausland nach Österreich und nicht nach Südtirol oder in die Schweiz fahren würden. Er nennt das den Marcel-Hirscher-Effekt. „Da Österreich gute Skifahrer hat, kann man dort gut Skifahren und gut Skifahren lernen“, erklärt Kellermayr die Logik der Gäste.

Auch wenn die meisten heimischen Marken nicht mehr in österreichischer Hand sind, stammt laut Branchenschätzungen die Hälfte der weltweit verkauften Ski von ihnen. Fischer ist als einziges Traditionsunternehmen noch in Familienhand und produziert in Ried im Innkreis. Atomic gehört zum finnischen Amer-Konzern und produziert in Altenmarkt und Bulgarien. Head gehört dem britischen Investor Johan Eliasch und stellt seine Ski im Vorarlberger Kennelbach und in Tschechien her, Blizzard wurde von der italienischen Tecnica-Gruppe übernommen und hat sein Werk in Mittersil.

Delle durch Schneemassen

Die in Österreich verkauften 400.000 Paar Ski (laut dem Verband der Europäischen Sportartikelhersteller FESI sind es 392.043, da aber einige kleinere Marken ihren Absatz nicht melden, geht der VSSÖ von 400.000 aus) bedeuten einen Umsatz von 164 Millionen Euro. Zählt man Skischuhe, Helme, Stecken, Rodeln, Bobs etc. dazu, sind es 340 Millionen Euro. Die Skiindustrie beschäftigt in Österreich laut Schätzungen 2500 Mitarbeiter.

Für die Saison 2018/’19 ist Kellermayr optimistisch, dass etwas mehr als 400.000 Stück verkauft werden. Die Schneemassen im Jänner hätten zwar für eine Delle gesorgt, die gute Schneelage sollte das aber bis Saisonende mehr als kompensieren.

Ski-Verleih im Fünf-Sekunden-Takt

Dass das Skiausleihen einfacher geworden ist, hat den Absatz ebenso angekurbelt. Was früher ein mühsames Anprobieren von Skischuhen und Einstellen von Skiern war, erledigt heute bei modernen Skiverleihen ein Scanner in fünf Sekunden. Der Kunde stellt sich auf ein Gerät, das Fußform, Gewicht und Größe registriert. Damit ist die Arbeit für den Kunden erledigt.

Das System sucht in der Folge den passenden Skischuh und die entsprechenden Ski heraus und berechnet die passende Einstellung der Bindung. „Dass Skischuhe heute wehtun, ist nicht nötig“, heißt es seitens Skiverleihern. Wenn der Schuh drücke, habe man keine oder eine schlechte Beratung gehabt.

Mittlerweile wird nicht nur der Innenschuh, sondern das ganze System individuell auf den Fuß und das Fahrverhalten des Kunden angepasst.
Individualisierung wird in der Branche immer wichtiger. Sie soll für mehr Einfachheit und Komfort sorgen und mehr Skifahrer auf die Pisten locken.

Lebensdauer variiert

Betrachtet man die Zahlen, so scheint die Strategie aufzugehen, denn mittlerweile werden deutlich mehr als die Hälfte der rund 400.000 in Österreich abgesetzten Paar Ski von Skiverleihern gekauft. Die Zahl ist im Steigen, Experten rechnen damit, dass es bald bei 60 Prozent sein könnten. Nur Renn- und Tourenski sind im Verleih kaum zu finden.

Die Lebensdauer der Verleihski hängt stark von der Schneelage ab. Liegt viel Schnee, halten sie zwei bis drei Saisonen. Nach schneearmen Wintern müssen sie in der Regel gleich ausgemustert werden.