ARCHIV - Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher spricht am 23.01.2013 während einer Pressekonferenz vor Beginn der Hauptversammlung in München (Bayern). Foto: Peter Kneffel/dpa (zu dpa: "Aus für Siemens-Chef Löscher - Kaeser soll Nachfolger werden" vom 28.07.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Peter Kneffel

Löscher-Abgang
07/30/2013

Siemens sucht einvernehmliche Lösung

Mit einer einvernehmlichen Trennung würde sich der Aufsichtsrat die Abwahl von Peter Löscher ersparen.

Der vor der Ablösung stehende Siemens-Chef Peter Löscher verhandelt nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung mit dem Unternehmen über eine "einvernehmliche Trennung". Das würde dem Aufsichtsrat die für diesen Mittwoch vorgesehene Abwahl des gebürtigen Österreichers ersparen, hieß es in dem Bericht (Dienstag). Siemens wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Löscher war nach einer Reihe von Misserfolgen und zuletzt einer neuerlichen Gewinnwarnung massiv unter Druck geraten. Am Wochenende verständigte sich der Siemens-Aufsichtsrat mehrheitlich auf seine Ablösung. Sein Nachfolger wird nach aller Voraussicht Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser.

Zwist im Aufsichtsrat

Die geplante Ablösung von Löscher hat nach Informationen von Spiegel Online zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und seinem Stellvertreter, Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, geführt. Dieser habe sich am vergangenen Samstag vehement gegen eine Empfehlung des Aufsichtsratspräsidiums zur Absetzung Löschers gestemmt, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Montagabend auf seiner Website unter Berufung auf Insider.

Laut Spiegel Online hatte Cromme ursprünglich geplant, schon am vergangenen Wochenende einen Konsens über die Ablösung Löschers herbeizuführen. Ackermann habe sich jedoch quergestellt. Er und zwei weitere Mitglieder der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat fänden die Hau-Ruck-Verabschiedung von Löscher "würdelos", zitiert Spiegel Online aus dem Umfeld Ackermanns. Möglicherweise würden sie daher Kaeser am Mittwoch ihre Stimme verweigern.

Dem Bericht zufolge wird auch spekuliert, dass Ackermann Ambitionen auf den Posten als Aufsichtsrats-Chef haben soll. Anstelle von Kaeser favorisiere Ackermann unter anderen Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld als obersten Konzernlenker, heißt es unter Berufung auf Konzernkreise.

Ein Sprecher Ackermanns sagte dagegen Spiegel Online, der frühere Deutsche-Bank-Chef habe noch nicht entschieden, wie er bei der Abstimmung des Aufsichtsrats über einen neuen Vorstandschef am Mittwoch votieren werde.

Millionengehälter nur bei Spitzenleistungen

370.000 Arbeitnehmer, dazu Anleger und Geschäftspartner weltweit blicken fassungslos nach München. Siemens, einer der wichtigsten Konzerne der deutschen Wirtschaft, macht Schlagzeilen mit ungeschickter, öffentlich ausgetragener Personalpolitik. Kanzlerin Angela Merkel hofft, dass „Siemens wieder in ruhiges Fahrwasser kommt“, ein Fondsmanager meint:„Gute Governance sieht anders aus.“

Die Siemens-Krise macht eine massive Schwäche der deutschen Wirtschaft offenkundig: Ein Netzwerk aus wenigen Managern dominiert die Aufsichtsräte der großen Aktiengesellschaften, sie schieben Jobs herum und verteilen untereinander großzügig Millionen. Die eigentlichen Eigentümer der Unternehmen, die vielen Aktionäre, können auf Hauptversammlungen protestieren oder resignierend auf bessere Zeiten hoffen.

Siemens-Oberaufseher Gerhard Cromme ist ein typischer Vertreter dieses Old-Boy-Clubs. Seine Kontakte sind besser als seine Managementfähigkeiten. Er hat erst vor zwei Jahren den Vertrag von Siemens-Chef Peter Löscher verlängert, jetzt lässt er ihm rund neun Millionen Euro arbeitsloses Einkommen überweisen.

Hohe Managergehälter sind gerechtfertigt, wenn außergewöhnliche Leistungen erbracht werden. Aber das ist oft erst Jahre danach deutlich, also sollten Boni auch erst viel später bezahlt werden.

Spitzenmanager sehen sich gerne als Unternehmer. Diese aber agieren mit eigenem Geld und fühlen sich zumindest für die nächste Generation verantwortlich. Genau dieses nachhaltige Handeln müssen Manager, die nur an die vierteljährlichen Börse-Reports denken, wieder lernen. Auch bei Gehältern und Bonuszahlungen.

Der Weltkonzern schrumpft

Bilanz
Siemens setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 370.000 Mitarbeitern weltweit 78,3 Milliarden Euro um. Für heuer wird ein leichtes Minus erwartet.

Gewinnwarnung
Wegen zahlreicher Projektpannen musste das Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr – zwischen 4,5 bis 5 Milliarden Euro – nach unten korrigiert werden. Der Aktienkurs rutschte um sechs Prozent auf 78,62 Euro ab. Am kommenden Donnerstag werden die Zahlen für das dritte Quartal präsentiert.

Sparprogramm
Das umstrittene Milliarden-Sparprogramm „Siemens 2014“ sieht den Abbau von rund 10.000 Stellen und die Aufgabe unrentabler Geschäftsbereiche vor. Selbst das China-Geschäft steht auf den Prüfstand.

Mitbewerb
Während Siemens schrumpft und um eine Strategie ringt, rechnet Rivale General Electric (GE) heuer mit einem Gewinnwachstum. Auch die Schweizer ABB ist auf Wachstumskurs und geht fleißig auf Einkaufstour.

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