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Wirtschaft
12/17/2018

Seit 2009: Der unendliche Graben-Kampf

Meinl und der Immobilien-Investor Benko streiten schon seit 2009 um die Miete.

Der „Meinl am Graben“ in der Wiener Innenstadt ist nach wie vor Österreichs exklusivstes Delikatessen-Imperium. Noch kann der Gourmet-Palast der Familie Meinl gegen die großen Handelsketten bestehen: Mehr als 17.000 Artikel aus 100 Ländern, Einpacken an den Kassen, ein Restaurant mit Blick über den Graben, ein bestens sortierter Weinkeller und mehr als 200 gut geschulte Mitarbeiter.

Die Geschäftsführung will noch nicht beurteilen, wie stark ein neuer Luxus-Supermarkt in der ehemaligen Creditanstalt am nahen Schottenring das Geschäft am Graben konkurrenzieren würde.

Doch das Gourmet-Imperium hat noch ein ganz anderes Problem. Der Rechtsstreit mit einer Firma der Signa Prime Selektion des Immobilien-Milliardärs René Benko geht 2019 ins zehnte Jahr. Signa will eine deutliche Mieterhöhung, Meinl wehrte sich bis jetzt erfolgreich dagegen. Der Rechtsstreit ging durch die Instanzen und ist wieder zurück in der ersten Instanz. Die letzte Tagsatzung war vor rund drei Monaten, seitdem warten beide Seiten auf die Ausfertigung des Urteils. Der Instanzenzug könnte dann wieder von vorne beginnen, ein Ende ist nicht abzusehen. Die Streitparteien wollen das laufende Verfahren nicht kommentieren.

Das Delikatessen-Reich erstreckt sich über zwei Gebäude. Signa übernahm 2009 die Hausnummer 19 von der Bank Austria. Meinl zahlt noch eine Altmiete aus den 50-er Jahren von angeblich 30.000 Euro plus im Monat, Benko will wesentlich mehr. 180 bis 300 Euro pro Quadratmeter sind bei einer Neuvermietung in dieser Top-Lage durchaus drin. Das wären einige Millionen Euro im Jahr und das würde das Aus für das Traditionsunternehmen bedeuten. Im Portfolio der Signa Prime Selection wird die Immobilie als typischer Altbau mit einem „hohen Mietsteigerungspotenzial für die Zukunft“ beschrieben.

Reich wird die Familie Meinl am Graben ohnehin nicht. Bei zuletzt 21,8 Umsatzmillionen fiel 2017 ein Gewinn von 236.00 Euro an.