Wirtschaft
05.12.2011

"Schweine-Gipfel" soll Polit-Zwist lösen

Nach sechs Monaten Streit um die Kastenstandhaltung von Schweinen soll ein Gipfel Klarheit bringen.

Wenig beschäftigt die heimische Agrarbranche aktuell so heftig wie der Streit um die Käfighaltung von Mutterschweinen. Volksanwaltschaft und Tierschützer wollen den Kastenstand abschaffen, die Agrarbranche will keinen Cent in neue Ställe investieren: "Wenn das abgeschafft wird, wirft das die ganze Branche um 30 Jahre zurück", klagt ein Bauer dem KURIER.

Der Streit hat mittlerweile die obersten Instanzen erreicht: Agrarminister Niki Berlakovich und Gesundheitsminister Alois Stöger werfen sich gegenseitig Blockadehaltung vor. Weil keine Einigung in Sicht ist, droht die Volksanwaltschaft, noch heuer beim Verfassungsgerichtshof Klage einzureichen. Am Dienstag findet nun ein neuer "Schweine-Gipfel" bei Stöger statt.

Rentabilität

Die Volksanwaltschaft sei eingeschritten, weil die Gesetzeslage offenbar verfassungswidrig ist, erklärt Stöger-Sprecher Fabian Fußeis. "Wir haben die Verordnung überarbeitet und am 3. März in Begutachtung geschickt." Der Vorschlag: "Wir wollen die Haltedauer im Kastenstand auf 30 Tage pro Jahr beschränken." Damit die Verordnung geändert werden kann, muss Agrarminister Berlakovich zustimmen. Der wehrt sich vehement dagegen: "Das sind absolut überzogene und realitätsfremde Auflagen, die die Branche ins Mark treffen würden." Viele Kleinbauern würden durch die Umbauten zur Aufgabe gezwungen. Er fordert einen Kompromiss zwischen Branche und Stöger, vorher gäbe es keine Zustimmung.

Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch fürchtet um die Rentabilität der Betriebe: "Wir wollen diese Ferkelschutzkörbe weiter haben, sonst werden jährlich 500.000 Ferkel von den Muttersauen erdrückt." Und er schießt scharf gegen die SPÖ: "Ständig jammern, die Lebensmittel sind zu teuer, die Förderungen sind zu hoch, gleichzeitig sollen Steuern und Produktionsstandards erhöht werden - das ist verantwortungslose Politik."

Kastenstand: So leben Muttersauen

Käfighaltung Im Moment können Zuchtsäue in Österreich im Schnitt 140 bis zu 365 Tage im Jahr in Kastenständen ohne jegliche Bewegungsmöglichkeit gehalten werden. Durch die körperenge Haltung soll verhindert werden, dass sie ihre Ferkel erdrücken.

Gesetz Laut dem Tierschutzgesetz muss jedem Tier ein "angemessener Platz" zustehen. Die 1. Tierhaltungsverordnung erlaubt aber Kastenstände.