Megaprojekt in Wien: Lindt-Chef verrät Details zur World of Chocolate
Der historische Kursalon Hübner wird ab dem Frühjahr 2027 zur „Lindt World of Chocolate“. Ali Kulein, Österreich-Chef des Schweizer Schokokonzerns, verspricht offene Erlebniswelten für Wiener und Touristen und 200 neue Arbeitsplätze, rechnet aber auch mit kritischen Stimmen. Im KURIER-Interview verrät er auch, warum jetzt Preise wieder gesenkt und Verpackungsgrößen geschrumpft werden.
KURIER: Wie wirken sich Hitzetage auf das Schokogeschäft aus?
Ali Kulein: Die Hitze mögen wir nicht, da geht die Schokolaune runter, das sind herausfordernde Tage für uns. Aber wir sind ziemlich flexibel mit unserem Sortiment und bieten etwa Softeis. Und wir haben natürlich Kühltaschen.
Mitbewerber wie Ferrero schränken im Sommer hitzebedingt ihr Sortiment ein. Ist das auch ein Thema bei Lindt?
Nein, wir bieten unser Sortiment zum Großteil das ganze Jahr an. Wir wollen unseren Kunden die kleinen Genussmomente auch im Sommer anbieten.
Lindt kämpfte im ersten Halbjahr in Europa mit schwacher Nachfrage. Wie lief es in Österreich?
Wir sehen ebenfalls eine leichte Kaufzurückhaltung wegen der Hitze und geopolitischer Krisen. Das ist derzeit kein schokofreundliches Umfeld. Da spielt auch der Preis mit. Wir mussten wegen der gestiegenen Kosten die Preise anpassen.
Lindt-CEO Ali Kulein im Gespräch mit Wirtschaftsredakteurin Anita Staudacher
Gruppenweit wurde Lindt-Schokolade um 11,9 Prozent teurer, was die Nachfrage gebremst hat. Jetzt rudert man zurück… um wie viel werden die Preise gesenkt?
Zurückrudern würde ich das nicht nennen. Wir geben die wieder gesunkenen Kakaopreise an die Kunden verantwortungsvoll weiter, das ist positiv, nicht negativ. Anfang August haben wir auch in Österreich bei diversen Produkten die Preise um bis zu 25 Prozent gesenkt. Nochmal: Das ist kein Zurückrudern, Premium-Schokolade hat auch ihren Preis. Aber wir verstehen, dass der Konsument in Zeiten wie diesen sehr preissensibel ist und reagieren darauf.
Wie?
Neben Preissenkungen mit neuen, kleineren Grammaturen, also Verpackungsgrößen. Wir werden Ende August zu den 200- und 500-Gramm-Packungen Lindor-Kugel auch eine 137- und 337-Gramm-Packung anbieten.
Die so genannte Shrinkflation stößt aber auf viel Kritik bei Konsumenten…
Das ist keine Shrinkflation. Wenn wir eine Verpackung verkleinern, geht parallel auch der Preis, den wir dem Handel empfehlen, auch runter. Für uns ist entscheidend, dass Größenveränderungen immer transparent kommuniziert werden und sich auch im Preis widerspiegeln. Es geht nicht darum, Konsumenten in die Irre zu führen, sondern ihnen unterschiedliche Preispunkte und Packungsgrößen anzubieten.
Wird auch bei den Rezepturen gespart?
Nein, es gibt ein positives Tabu bei Lindt, das sind die Rezepturen, hier wird nichts geändert.
Österreich ist ein strategisch ganz wichtiger Markt für die Gruppe.
Wie entwickeln sich die Kakaopreise?
Das Preisniveau ist zwar deutlich unter dem des Vorjahres, aber immer noch mehr als zwei Mal so hoch wie vor vier Jahren. Kritisch wird, wie der El-Niño-Effekt heuer die Kakaoernte beeinflusst. Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Wie wichtig ist Österreich für Lindt & Sprüngli?
Es ist ein strategisch ganz wichtiger Markt für die Gruppe und wir haben hier ja auch eine Produktion in Gloggnitz/NÖ, die andere Lindt-Standorte mit speziellen Produkten wie etwa den Mozartkugeln versorgt. Die Österreicher konsumieren viel Schoggi, so 8 bis 9 Kilo jährlich pro Kopf, und sie greifen dabei zu guter Schokolade.
Sie investieren in Wien und eröffnen 2027 die „Lindt World of Chocolate“ im Kursalon Hübner. Können Sie schon Details verraten?
Es ist das bisher größte Projekt in Österreich und das erste Markenerlebnishaus der gesamten Gruppe. Es gibt zwar mit dem Home of Chocolate schon eine Schokoladenerlebniswelt in Zürich, wovon wir inspiriert wurden, aber dort ist es eher ein neutrales Museum in Kooperation mit einer Stiftung. In Wien wird es zu 100 Prozent ein Lindt-Markenhaus sein, das so noch nicht existiert.
Was wird geboten?
Der Kursalon Hübner hat 5.000 m2 Innen- und 9.000 m2 Außenfläche, die wir bespielen. Unser Projekt besteht aus einem Museum, einem Restaurant, einem Schoko-Geschäft samt Workshop-Bereich, in dem man seine eigene Schokolade verzieren kann. Im Lannersaal werden wir bis 18 Uhr eine immersive Show anbieten und danach zweimal in der Woche klassische Konzerte. Musik wird auf alle Fälle Teil des Konzepts. Das wird eine tolle Aufwertung für die Stadt Wien. Die Eröffnung ist für Frühjahr 2027 geplant.
Das wird eine tolle Aufwertung für die Stadt.
Das Konzept richtet sich vornehmlich an Touristen?
Wir wollen damit sowohl Touristen als auch die einheimische Bevölkerung ansprechen und alle Altersgruppen. Ein Ticket wird man nur für das Schoko-Museum benötigen, alle anderen Bereiche werden frei zugänglich sein, auch die Außenbereiche. Unser Ziel ist es, den Kursalon für die Wienerinnen und Wiener zu öffnen. Daher begrenzen wir das wunderschöne Kulturerbe nicht nur auf Partys und Events.
Ein Schweizer Konzern als Touristenmagnet in der Wiener City, das könnte manch Wiener missfallen. Rechnen Sie mit Widerstand?
Wir werden bestimmt Reaktionen haben, aber wir bemühen uns aufrichtig, ein ausgewogenes Konzept umzusetzen, das sowohl die Wiener als auch die Touristen anspricht.
Wie viel Geld nehmen Sie dafür in die Hand und wie viele Arbeitsplätze entstehen?
Zum Investment kann ich keine Zahl nennen, aber es ist eine Summe, die zeigt, dass Österreich für die Lindt-Gruppe ein äußerst wichtiger Markt ist. Wir haben das Gebäude von der Familie Hübner für mehrere Jahre gepachtet und haben eine gute Zusammenarbeit. Wir gehen davon aus, dass wir bis zu 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen werden, von der Gastronomie über Museumsguides bis zu Maître Chocolatiers für die Workshops.
Lindt-CEO Ali Kulein im Shop in Wien-Hietzing
Lange Historie
Lindt & Sprüngli mit Sitz in Kilchberg am Zürichsee zählt seit mehr als 180 Jahren zu den weltweit führenden Herstellern von Premium-Schokolade. Das Unternehmen produziert an 12 Standorten in Europa (auch Österreich) und den USA und vertreibt seine Produkte über 41 Tochtergesellschaften, rund 100 Distributoren sowie 650 eigene Shops weltweit.
15.500 Mitarbeiter
Mit rund 15.500 Mitarbeitenden erzielte die Gruppe im Vorjahr einen Umsatz von 5,92 Mrd. Franken. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz dank Preiserhöhungen gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent auf 2,33 Mrd. Franken (2,49 Mrd. Euro). Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich leicht auf 260,2 Millionen Franken.
Lindt Österreich
In Österreich beschäftigt Lindt rund 400 Mitarbeiter, einen Großteil davon in der Schokoladefabrik in Gloggnitz/Niederösterreich. Der Standort der Wiener Traditionsmarke Hofbauer wurde 1994 von Lindt erworben. Dort werden spezielle Schokoladeprodukte wie die Küfferle Schokoschirme, Mozartkugeln oder Dubai-Schokolade erzeugt.
Ali Kulein
Ali Kulein verantwortet seit 2022 das Österreich-Geschäft. Er begann seine Karriere bei SC Johnson und verfügt über internationale Managementerfahrung in der Türkei, Deutschland, Neuseeland und Russland. Bei Lindt ist er seit 2016.
Sie betreiben derzeit zehn eigene Shops in Österreich. Sind weitere geplant und wie wichtig sind eigene Shops?
Wir sind mit der Performance unserer zehn Stores sehr zufrieden, aber wir evaluieren immer wieder neue Locations. Wir werden nicht bei zehn stoppen. Der Verkaufskanal wird bedeutender und ist für uns eine Möglichkeit, unsere Marke näher zu den Kunden zu bringen. Der Lebensmittelhandel ist aber natürlich unser wichtigster Umsatzbringer.
Geht der Zuckerfrei- und Vegan-Trend bei Schokolade weiter?
Das Segment ist noch klein, aber es wächst.
Bleibt die Dubai-Schokolade?
Ja, der Hype ist zwar abgeflaut, aber die Rezeptur wird auf alle Fälle bleiben. Die Dubai-Praline produzieren wir hier in Gloggnitz.
Kommentare