Diskonter preschen vor: Schokolade wird wieder billiger
Von Anita Staudacher und Jasmin Sharma
Schokoladefans dürfen sich freuen: Nach den Preisschocks in den vergangenen zwei Jahren geht es an der Preisfront wieder bergab. Grund ist der starke Preisverfall beim Rohkakao an der Börse, der zuletzt auf ein Zwei-Jahres-Tief gesunken ist.
In Deutschland haben die Lebensmitteldiskonter bereits reagiert und schon Anfang des Jahres diverse Schokolade-Produkte deutlich verbilligt. Auch in Österreich preschen nun die Diskonter Hofer und Lidl vor. „Wir freuen uns, die aktuelle Entspannung auf den Beschaffungsmärkten nutzen und diesen Vorteil direkt an unsere Kunden in Form von vergünstigten Preisen bei Schokolade weitergeben zu können“, bestätigt Hofer auf Anfrage des KURIER. Beispielsweise wurde die Hofer-Eigenmarke Choceur Vollmilchschokolade 100g von 0,99 auf 0,89 Euro reduziert, der Choceur Nussknacker von 1,49 auf 1,29 Euro. Bei Lidl bewegen sich die Preissenkungen zwischen 10 und 50 Cent. So kostet etwa eine Tafel der Eigenmarke Fin Carré Weiße 100g jetzt 0,99 statt 1,49 Euro.
Die Rohkakaopreise an den Rohstoffbörsen sind zuletzt erneut deutlich gefallen. Der von der internationalen Kakaoorganisation (ICCO) ermittelte Tagespreis lag zuletzt unter 4.000 Dollar pro Tonne, so niedrig wie seit November 2023 nicht mehr. 2024 war der Preis sogar auf über 10.000 Dollar hinaufgeschnellt. Ursache für den Rückgang ist ein wachsendes Angebot: Die Ernten in der Elfenbeinküste und Ghana fielen höher aus als erwartet, ebenso die Exportmengen, was die Preise drückte. Zusätzlich steigt das Kakao-Angebot aus Ländern wie Ecuador.
Rohkakao
Höhere Konsumentenpreise, aber auch ein geändertes Gesundheitsbewusstsein führten in den vergangenen Jahren dazu, dass die Nachfrage zurückging. Einer YouGov-Umfrage zufolge, kauft jeder zweite Konsument heute deutlich oder etwas weniger Schokolade als vor zwei Jahren. In Deutschland ging die Zahl der verkauften Packungen im Vorjahr um 5,8 Prozent zurück, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent.
Das spüren auch die Hersteller, die zugleich unter gestiegenen Kosten stöhnen und daher zögern, den Preisverfall beim Rohkakao weiterzugeben. So teilte der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli kürzlich mit, die Preise derzeit nicht senken zu können. Kakao werde langfristig eingekauft, zudem lägen die Preise immer noch über dem Niveau vergangener Jahre.
Ritter Sport in roten Zahlen
Der deutsche Premium-Hersteller Ritter Sport schrieb im Vorjahr trotz höherer Umsätze rote Zahlen. Der Grund dafür sind Absatzrückgänge und die gestiegenen Rohstoffkosten. In Österreich ist aufgrund der höheren Preise zwar der Umsatz um 21 Prozent gestiegen, der Absatz dürfte aber laut Geschäftsführer Wolfgang Stöhr um circa fünf Prozent geschrumpft sein.
Die quadratische Ritter Sport Schokolade dürfte im Supermarkt nicht günstiger werden, deutet Stöhr an. Die endgültige Preisentscheidung läge „in der Hoheit des Handels“, spielt er den Ball weiter. Zur Versorgungssicherheit gebe es langjährige Lieferverträge. Um die Margen zu verbessern, setzt Ritter Sport wie auch andere Markenhersteller auf kleinere 75-Gramm-Verpackungsgrößen und neuen Sorten wie Protein-Schokolade mit jeweils 13,5 Gramm Protein aus Milch- und Mandeleiweiß. Die verkleinerte Packung sei keine „Shrinkflation“ betonte Stöhr, sondern liege an den Protein-Chips. Würde man diese in die klassische 100-Gramm-Tafel pressen, wäre sie „nicht mehr beißbar“.
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