Schokolade-Sommelier: Das ist die beste Art, Schokolade zu essen
Schokoladen-Sommelier Matthias Spacek erklärt, wie Herkunft, Lage oder Fermentation das Endprodukt beeinflussen. Plus: Alle Infos zum Schokolade-Fest in Wien und Graz.
Kann man Schokolade mit Wein vergleichen? Ja, sagt Matthias Spacek. „Sie ist mit knapp 600 Aromen so vielfältig wie Wein. “ Der Wiener ist Schokoladen-Sommelier, und seine Tätigkeit gleicht nicht von ungefähr ein wenig jener von Wein-, Brot- oder Käse-Sommeliers. „Wichtig ist immer, dass ein Sommelier in der Sensorik geschult ist und viel Hintergrundwissen besitzt.“ Rund 300 verschiedene Schokoladensorten hat er während seiner Ausbildung verkostet.
Sich sensorisch intensiv mit Schokolade auseinanderzusetzen, liegt für den ausgebildeten Konditor und Teilhaber der Schokoladenmanufaktur „28lots“ auf der Hand. Seit den 1990er-Jahren verändert sich die Sichtweise auf das Produkt. Vielen Konsumenten werde bewusst, dass Schokolade im Grunde ein Natur- und Genussprodukt ist; nicht nur eine Süßigkeit, die stets im Supermarkt erhältlich ist.
Infos: Schokaladefest in Wien und Graz
Wien
Das Schokoladefest findet heuer vom 23. bis 25. Jänner 2026 zum dritten Mal statt. In der Marx-Halle werden rund 70 heimische und internationale Aussteller erwartet, darunter einige ausgezeichnete. Dazu kommen Workshops, Live-Koch- und Patissiershows. Eintritt: Erwachsene 13 €, bis 18 Jahre 8 €, Kinder bis sechs Jahre frei.
Graz
Hier macht das Schokoladefest heuer zum 2. Mal Station. Vom 6. bis 8. März steht die Messe Graz (Halle A) im Zeichen des Genusses.
Dieses Umdenken schlugen sich auch in der Produktion nieder, findet Spacek. Die Unterschiede zwischen Sorten, Regionen und Herstellung wird er heuer wieder beim Schokoladefest vermitteln. „Es macht einen Unterschied, ob man ein Massenprodukt isst, bei dem andere Fette oder weniger Kakaobutter verwendet wird. Das passt aber nicht mit einem Naturprodukt zusammen.“ Schließlich wachse die Kakaobohne ja an einem bestimmten Ort – und Bedingungen wie Niederschlag, Lage, Ernte und Verarbeitung habe enormen Einfluss. „Das ist dann einzigartig für das jeweilige Jahr. Im nächsten Jahr schaut es dann wieder ganz anders aus.“
Regionale Geschmacksprofile
Was ihn im KURIER-Gespräch wieder zum Vergleich mit Wein bringt. „Wir haben bei Kakao zwar noch nicht derart genaue Gebietsbezeichnungen wie etwa Hanglagen oder Rieden beim Wein. Aber in Ansätzen entwickelt sich das bereits.“ Mittlerweile gebe es etwa Schokoladen aus bestimmten Ländern mit ihren speziellen Geschmacksprofilen. „Neben derartigen landeseigenen Schokoladen gibt es auch schon Produkte von Einzelplantagen. Der Trend geht zu Highend-Schokoladen, die spezifische Nuancen zeigen.“ Es lohne, diese bewusst zu erschmecken. Überhaupt hat Sommelier Spacek einen einfachen Tipp: „Schokolade verkostet man immer mit allen fünf Sinnen.“
Wie man Schokolade mit allen 5 Sinnen verkostet
Hören.
Es beginnt bereits beim Klang der Schokolade: „Sie sollte einen schönen Knack beim Brechen machen“, sagt Spacek. Das verrät, ob viel Kakaobutter verarbeitet wurde. „Je mehr, desto hochwertiger. Je mehr Zucker, desto dumpfer.“
Riechen.
Die Nase bringt viele Informationen: „Kakao- und Gewürznoten offenbaren sich. Es sollte nichts unangenehm riechen.“ Zu alte, weiße Schokolade könne zum Beispiel ranzig riechen, wenn das Milchpulver schlecht geworden ist.“
Fühlen.
Ein Stück zwischen den Fingern reiben: „Es verrät einiges über die Struktur, ob sie glatt oder eher grieselig ist, weist auf die Qualität hin.“
Sehen.
Der Blick offenbart die allgemeine Optik. „Das zeigt, ob das Produkt einen schönen Glanz hat.“
Schmecken.
Am wichtigsten: niemals kauen! „Man legt ein Stück auf die Zunge und lässt es anschmelzen. Kakaobutter schmilzt bei Körpertemperatur – und dann schmeckt man die Aromen.“
Fermentieren: Ein wichtiger Verarbeitungsschritt
In der Produktion ist aber ein wesentlicher Verarbeitungsschritt zwischen Ernte und Trocknen essenziell: die Fermentation der frischen Bohnen, für die es je nach Anbauregion typische, zum Großteil überlieferte, Techniken gibt. Denn erst dabei entstehen dank der Arbeit von Mikroorganismen, die vielfältigen Aromen der Kakaobohnen, die über ihre Qualität entscheiden. „Es gibt Schokoladen, deren Geschmacksprofil sich komplett anders zeigt, weil die Fermentation in zwei oder in drei Stufen durchgeführt wurde“, erklärt Spacek. „Wir sind erst am Anfang, solche Unterschiede herauszuarbeiten. Daher investieren immer mehr Hersteller in Kakaobauern und Infrastruktur.“
Diese Unterschiede eröffnen kleinen Produzenten aus seiner Sicht zukünftig noch mehr Möglichkeiten. „Wenn ich zum Beispiel tolle Bohnen aus Nicaragua bekomme, kann ich anhand der Röstungsdauer das Aromenprofil variieren.“ Daraus Produkte mit einem Anteil von 70 Prozent Schokolade und mehr zu produzieren, zeige die Vielschichtigkeit am besten, findet der Experte. „Eine hochprozentige, reine Schokolade aus dem Supermarkt schmeckt für viele bitter.“ Der Grund liege darin, dass große Hersteller den gleichen Geschmack garantieren müssten und daher eher auf eine stärkere Röstung setzen.
Konditorin Melanie Kröpf über vegane Schokolade: Ohne Milch, aber mit Geschmack
Lange galt sie als Nischenprodukt, die „echter“ Schokolade im Geschmack nicht gerecht wurde. Mittlerweile sind vegane Varianten fixer Teil des Schokoladen-Sortiments geworden.
Längst haben sich auch hier Lieblingssorten herauskristallisiert, weiß Konditorin Melanie Kröpfl, die in ihrer Konditorei NomNom by Melli ausschließlich vegan arbeitet. „Schokolade in Form von Biskuit oder Ganache zählt noch immer zu den beliebtesten Sorten. Das zeigt sich bei Geburtstagstorten ebenso wie bei Verkostungen für Hochzeitstorten.“
Kröpfl arbeitet mit Zartbitterkuvertüre, und „diese ist oft zufällig vegan“. Sie gebe dank der enthaltenen Kakaobutter, Geschmeidigkeit und Glanz, die für viele ihrer Rezepte unerlässlich seien. Für einen milderen Geschmack wie bei Milchschokolade fügt sie selbst gemachten Vanillezucker oder Milchalternativen dazu. Als Ausgangsprodukt bevorzugt sie jedoch reine, dunkle Kuvertüre mit 60 bis 70 Prozent Kakaoanteil von nachhaltig arbeitenden Produzenten. „Ich kann sie beliebig anpassen und sie hat einfach den intensivsten Schokoladengeschmack.“
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