Wieso es im Supermarkt jetzt schon Schoko-Osterhasen zu kaufen gibt

Viele goldene Schokoladenhasen mit aufgemalten Gesichtern stehen dicht nebeneinander.
Dass die Osterware in Österreich teils schon Anfang des Jahres verkauft wird ist keine unüberlegte Entscheidung, sondern eine gezielte Verkaufsstrategie.

von Jasmin Sharma

Ostern liegt noch fast zwei Monate entfernt. Trotzdem finden sich in den heimischen Supermarktregalen bereits seit Wochen Schoko-Osterhasen, -Eier und Co. Und der Verkauf der Süßigkeiten für das Fest im Frühling beginnt jedes Jahr früher. Die Supermärkte wollen dadurch das Ostergeschäft voll auskosten, erklärt Josef Sawetz, Kommunikations- und Marketingpsychologe an der Universität Wien, dem KURIER. 

Denn: Menschen fiebern auf Anlässe zum Schenken und Beschenkt-werden hin. Wenn Weihnachten und Neujahr vorbei sind, ist das nächste große Fest Ostern. Auch wenn die Osterwoche erst im April ist. Diese Chance wird von den Supermärkten gekonnt aufgegriffen. 

Wo es die Osterware schon zu kaufen gibt

„Schoko-Osterhasen werden stark nachgefragt, nicht nur in den letzten Wochen und Tagen vor dem Fest. Daher bieten wir unseren Kunden bereits frühzeitig Saisonware an“, so die Rewe-Gruppe (Billa, Penny, Adeg) betreibt. Während bei Billa die Schoko-Hasen schon neben den herzförmigen Pralinenschachteln für den Valentinstag ausgestellt sind, füllt Mitbewerber Spar die Regale erst später mit der Osterware. Erst ab dem Aschermittwoch, dem 18. Februar, werden die Hasen und Eier angeboten, erzählt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann auf KURIER-Anfrage.

Auch wenn sie noch nicht zum Verkauf angeboten werden, produziert sind die Süßwaren schon. Die lila Osterhasen von Milka werden schon mit Beginn des Jahres ausgeliefert. In Produktion sind sie also wahrscheinlich schon, während in den Supermarktregalen noch Schoko-Nikolo stehen. Der Mythos, dass nicht verkaufte Weihnachtsmänner eingeschmolzen und zu Osterhasen weiterverarbeitet werden, stimmt übrigens nicht.

Lindt & Sprüngli stellt jährlich mehr als 150 Millionen goldene Osterhasen her: Die Produktion wird schon Monate vor Ostern vorbereitet und die Planungsprozesse hätten sich über die Jahre angepasst, so eine Sprecherin des Schweizer Schokoladen-Herstellers.

Karin Leschanz, die zusammen mit ihrem Mann das Geschäft „Wiener Schokoladen König“ führt, empfindet Schoko-Osterhasen im Jänner als „furchtbar“, wie sie dem KURIER sagt. Während sich die Supermarktregale schon Ende Jänner mit den Feiertagsprodukten füllen, fängt der kleine Schokoladenhersteller erst an, zu produzieren. Die schokoladigen Kaninchen kommen bei ihnen erst Ende Februar oder Anfang März in die Regale ihres Shops in der Wiener Innenstadt. Somit soll laut dem Unternehmen ein möglichst frisches Produkt gewährleistet sein. Ostern sei nach Weihnachten die zweiwichtigste Verkaufsperiode für kleine Hersteller wie Leschanz.

Lange Verkaufszeit erhöht Druck auf Kunden

Die Kunden, die sowieso jedes Jahr Osterhasen kaufen, würden das auch tun, wenn es sie nur ein Monat lang gäbe, so Sawetz. Hinzu komme eine andere Zielgruppe. Die Menschen, die nicht unbedingt mit Osterbräuchen aufgewachsen sind. Genau diese Kunden werden durch die lange Verkaufszeit und das große Sortiment angesprochen. Auch mediale Aufmerksamkeit verleite sie zum Kauf von saisonalen Produkten. „Menschen sind soziale Wesen, die an der Gesellschaft teilhaben wollen“, so der Marketingpsychologe.

Jedes Mal, wenn sie durch den Supermarkt gehen, würden sie die lila und goldenen Hasen sehen. Dadurch baue sich ein Druck auf, Teil dieser Tradition zu sein. Auch wenn diese teuer sein kann: „Für saisonale Produkte wie Schoko-Osterhasen und gefärbte Ostereier sind wir weniger preissensibel und bereit mehr zu zahlen, als wir es für Normalware bereit wären“, sagt Sawetz. Eine weitere Eigenschaft von Osterware ist, dass sie limitiert ist. Die kurze Verfügbarkeit reize Konsumenten mehr zu kaufen.

Für die Händler hat der fast nahtlose Übergang vom Nikolo zum Osterhasen auch logistische Vorteile. Etwa weil so leere Regale verhindert werden. Denn Fläche ist Kapital und nur gefüllte Regale bringen Supermarktketten Einnahmen. 

Kommentare