Kreislaufwirtschaft aus OÖ: Maden als effektive Reste-Verwerter

Zahlreiche Fliegenmaden in einem Behälter
Das junge Unternehmen Reploid aus OÖ baut Mastzuchtanlagen für Fliegenmaden, hat international Erfolg und will bald an die Börse.

Dass Insekten auf vielen Ebenen Wunderwuzzis sind, ist bekannt. Dass sie allerdings das System einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft effektiv abbilden könnten, ist noch relativ neu.

Vor sechs Jahren rief der Oberösterreicher Philip Pauer mit einer Idee ein Start-up ins Leben. Diese Idee hat sich zu einem Unternehmen ausgewachsen, das ein enormes Wachstum hingelegt hat.

Die Strategie und deren Umsetzung wurden adaptiert, der Grundgedanke ist gleich geblieben. Organische Reste der Lebensmittelindustrie sollen nicht vernichtet, sondern zurück in den Kreislauf gebracht werden.

Die Schwarze Soldatenfliege ist der Star in diesem Prozess von Reploid und eine Meisterin der Umwandlung: Organische Reststoffe verwertet sie in kürzester Zeit, produziert hochwertiges Protein und Fett. Das Insekt kann auf versiegelten und unfruchtbaren Flächen gezüchtet werden und stellt kein Risiko für Mensch und Natur dar.

1.200 Eier pro Weibchen

Die Schwarze Soldatenfliege, eine Fliegenart, die sonst am Äquator heimisch ist und hier nur unter speziellen Bedingungen überleben kann, wird in Leipzig gezüchtet. Wie es die Natur so will, paaren sich Männchen und Weibchen, zwischen 700 und 1.200 Eier werden pro Weibchen abgelegt und anschließend „geerntet“.

Schwarze Soldatenfliege

Die schwarze Soldatenfliege als Star der Kreislaufwirtschaft.

Die Fliegen selbst sagen leise „Servus“, sie sterben einige Tage nach der Paarung. Aus ihren Körpern wird Chitin hergestellt und in Chitosan umgewandelt. Dieses hat verschiedenste Anwendungsbereiche in Medizin, Pharmazie, Wasser- und Umwelttechnik, Material- und Textilwirtschaft sowie in der Landwirtschaft.

30 bis 50 Anlagen bis Jahresende

Die Eier werden danach gehegt und gepflegt, bis die Maden schlüpfen und groß genug für die Mast sind. Das ist auch der Moment, in dem die Tiere in die Mastzuchtfabriken übersiedeln. Drei an der Zahl betreibt das Unternehmen derzeit in Europa. Im Laufe des Jahres werden laufend neue Anlagen eröffnet, 30 bis 50 könnten es mit Jahresende sein.

Reploid verkauft die Anlagen: Das kleinste Modell ist rund 1.500 Quadratmeter groß, kostet ca. 4,7 Mio. Euro und ist auf die Verwertung von 40 Tonnen organischer Stoffe pro Tag ausgelegt. Es hat einen hohen Automatisierungsgrad und braucht nur eine Person für den laufenden Betrieb.

Maden in einer Zuchtanlage

Maden in einer Zuchtanlage

Hier kommen nun jene Lebensmittel ins Spiel, für deren Entsorgung oder Vernichtung Firmen normalerweise viel Geld zahlen müssten, die nun weiterverwendet werden können. Dieser Zugang wirkt sich zusätzlich positiv auf den ökologischen Fußabdruck und die Bilanzen aus.

Blut, Trester, Molke

Die Maden haben ein einziges Ziel: Fressen, fressen, fressen. Sie sind nicht wählerisch und verwerten alles, was das jeweilige Unternehmen loswerden will: Trester, Treber, Toastabschnitt, Molke, Schlachtblut, Chips- oder Nudelbruch.

Nach sieben bis acht Tagen sind die Maden fertig gemästet und werden „inaktiviert“ (Maden haben kein zentrales Nervensystem und kein Gehirn, können also keinen Schmerz empfinden). Diese Larven werden dann von Reploid wieder abgeholt und weiter zu Ölen und Fetten sowie zu Tierfuttermitteln, etwa für Geflügel, Fisch oder Schwein, verarbeitet.

Der Kot der Larven wird zu Dünger für die konventionelle und biologische Landwirtschaft. „Das ist nicht irgendein Dünger. Wir haben in vergangenen 18 Monaten mehr als 60 Tests damit gemacht. Eisbergsalat hat damit ein Mehrwachstum von 40 Prozent, bei Mais sind es 19 bis 18 Prozent“, erklärt Philip Pauer. Einige der Maden werden für die Reproduktion zurückgehalten, werden also tatsächlich zu Fliegen, die wieder Eier legen. So schließt sich der Kreis.

Weltweit ernähren sich schätzungsweise zwei Milliarden Menschen regelmäßig von Insekten, was etwa 25 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Sie gelten in vielen Kulturen, besonders in Asien, Afrika und Lateinamerika, als nahrhaftes Lebensmittel. Es liegt also nahe, zu fragen, ob Reploid hier künftig auch Entwicklungspotenzial sieht: „Das verneine ich. Das sehen wir nicht als unseren Auftrag.“

Mann mit schwarzem Anzug und blauer Krawatte

2020 noch alleine, jetzt mit 170 Mitarbeitenden: Philip Pauer.

"Für Börsengang muss alles passen"

Entwicklung. 40 Millionen Euro betrug der Umsatz von Reploid 2025. Da 2026 die Zahl der verkauften Mastzuchtanlagen von  drei auf 30 bis 50 bis Jahresende steigen soll, wird auch der Umsatz dementsprechend mitwachsen. „Wir haben in der Vergangenheit unseren Umsatz jedes Jahr verdrei- bis verfünffacht“, erklärt der Gründer und Kopf des Unternehmens, Philip Pauer.

Die Anlagen befinden sich derzeit in Österreich und Deutschland, bald auch in Frankreich und Griechenland. 16 Monate dauert es vom Erstgespräch bis zum Tag, an dem die Mastzuchtanlage in Betrieb geht.

Dass der Erfolg des oberösterreichischen Überfliegers nicht unbemerkt bleibt, war zu erwarten. Derzeit ist als Investor unter anderem die Premium Food Group (früher Tönnies Gruppe) an Bord. Außerdem sei er derzeit mit zwei großen, industriellen Familien und einer Industrieholding in Österreich im Gespräch, Details dürfe er noch nicht verraten, so Pauer. Den Börsengang denkt er für 2027 oder 2028 an: „Da muss alles passen, die Expandierung muss groß ausfallen. Das Ziel ist, dass wir 200 bis 600 Millionen Euro über die Börse holen“, sagt der Unternehmenschef. Reploid sei bereits jetzt auf diesem Gebiet der Kreislaufwirtschaft der Weltmarktführer.

Dem spielt in die Hände, dass der Bau der Anlagen derzeit in vielen Ländern stark subventioniert ist. „Wir reden hier von Förderungen zwischen 20 und 70 Prozent. Eine Region in Italien fördert sogar zu 100 Prozent. Regierungen nehmen Abfall mittlerweile als großes Problem wahr.“

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