Schlecker: Entscheidung bis Pfingsten

EPAepa03146084 Employees of drug store chain Schlecker demonstrate against the closing of numerous local Schlecker branches near Alexanderplatz in Berlin, Germany, 15 March 2012. Schlecker published a list with the local branches which are going to be clo
Foto: EPA Rund 12.000 Frauen verlieren im Zuge der Schlecker-Insolvenz in Deutschland ihren Arbeitsplatz

Für die insolvente Drogeriekette gibt es angeblich 20 Kauf-Interessenten. Das Geld für einen Sozialplan fehlt noch.

Es muss nicht gerade der Heilige Geist persönliche erscheinen, um Schlecker zu retten, aber ein ebenso zahlungskräftiger wie kühner Investor muss es schon sein. Bis zum Pfingstfest Ende Mai gibt sich Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz selbst noch Zeit, um den Fortbestand bzw. "Neuanfang" der seit Jänner insolventen Drogeriekette unter Dach und Fach zu bringen.

Mehr als 20 Kauf-Interessenten hätten sich bisher gemeldet, sagte Geiwitz der Wirtschaftswoche. "Aus dem Kreise werden wir in den nächsten Tagen eine Vorauswahl treffen, dann beginnen intensive Verhandlungen", kündigte Geiwitz an. Ein Investor mit Handelserfahrung sei natürlich von Vorteil, fügte er noch hinzu, so als könnte er groß Wünsche äußern.

Fakt ist, dass ein Investor nur dann einsteigen wird, wenn sämtliche Altlasten des Unternehmens beseitigt sind, also "der Laden aufgeräumt ist", wie es Geiwitz selbst formuliert. Doch davon ist er noch weit entfernt. Im Zuge der Insolvenz müssen 2200 der 5400 Filialen in Deutschland dicht gemacht werden. Die von der Schließung betroffenen knapp 12.000 Mitarbeiterinnen – es sind zu 80 Prozent Frauen – müssen irgendwie aufgefangen werden, doch Geld für einen Sozialplan samt Transfergesellschaften (eine Art Arbeitsstiftung) ist bekanntlich keines mehr da. Schlecker steht allein bei seinen Lieferanten mit 600 Millionen Euro in der Kreide und bei der Familie Schlecker ist nichts mehr zu holen. Gründer Anton Schlecker ist laut Umfrage mittlerweile der mit Abstand unbeliebteste Unternehmer in Deutschland.

Staatshilfe?

Also muss wohl Vater Staat einspringen und mit einem Kredit in Höhe von 71 Millionen Euro die am Wochenende mit der Gewerkschaft ausverhandelten Auffanggesellschaften finanzieren. Der Bund weigert sich jedoch zu zahlen. Erst am Sonntag wies Wirtschaftsminister Philip Rösler via Spiegel jede Verantwortung für die Schlecker-Pleite von sich und schob die Finanzierungsfrage den Ländern zu. Heute, Montag, gibt es dazu ein Gipfel-Gespräch mit den Ländervertretern in Berlin. Die endgültigen Kündigungslisten sollen am Dienstag feststehen. Die Zahl der wegfallenden Jobs werde aber unter 11.750 liegen, gab es nach den Verhandlungen am Wochenende auch einmal eine positive Schlecker-Nachricht.

In den Schließ-Filialen begann unterdessen der Räumungsverkauf, die Preise fast aller Produkte wurden um 30 Prozent reduziert. Betroffene Schlecker-Mitarbeiterinnen machten am Donnerstag mit diversen Kundgebungen auf ihr Los aufmerksam: "Wir lassen und nicht verramschen" oder "Schlecker-Frauen kämpfen um ihre Zukunft" schrieben sie auf die Transparente.

Österreich

Das Schicksal der nicht insolventen Österreich-Tochter mit knapp 3000 Beschäftigten in 930 Filialen hängt eng an der Fortführung in Deutschland, also damit auch an einer erfolgreichen Investorensuche bis Pfingsten. Eine eigene Schließungsliste wie in Deutschland gibt es in Österreich bis dato nicht, allerdings wolle man einige unrentable Standorte aufgeben, hieß es zuletzt.

(kurier) Erstellt am
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