Business-Metropole Pudong im Osten von Schanghai. Die neue Freiheit lässt auf sich warten.

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Finanzreformen
10/23/2014

Schanghai: "PR-Gag" Freihandelszone

Das Pilotprojekt Chinas zur Liberalisierung der Wirtschaft kommt nicht voran.

von Anita Staudacher

Weniger Steuern, weniger Z√∂lle, weniger B√ľrokratie und vor allem freies Internet: Vor einem Jahr startete das Experiment Freihandelszone Schanghai mit vollmundigen Versprechungen. Sogar von einem Pilotprojekt f√ľr weitreichende Finanzreformen bis hin zu einer Freigabe der Landesw√§hrung Yuan war die Rede. Tausende ausl√§ndische Investoren sollten damit in die 29 Quadratkilometer gro√üe Zone in Schanghais Prunk-Stadtteil Pudong gelockt werden.

Der Erfolg ist bisher ausgeblieben. Ausl√§ndische Firmen z√∂gern, sich in Schanghai anzusiedeln, da in vielen Branchen nach wie vor chinesische Partner zwingend vorgeschrieben sind. Von 10.000 neu registrierten Firmen kamen daher nach offiziellen Daten lediglich zw√∂lf Prozent aus dem Ausland. "Von der offiziellen Bekanntgabe bis zur Umsetzung kann es in China sehr lange dauern", wei√ü Oskar Andesner, bis vor Kurzem √Ėsterreichs Wirtschaftsdelegierter in China. Vor allem die vielen Durchf√ľhrungsbestimmungen lie√üen noch auf sich warten. Ende September k√ľndigte die Regierung an, die Bestimmungen in einigen Branchen wie f√ľr Hersteller von Flugzeugteilen oder Motorradbauer weiter zu lockern. Ausl√§ndische Beobachter sprechen von einem blo√üen "PR-Gag", viel sei von der neuen Freiheit noch nicht zu sehen.

Laut Medienberichten soll im Hintergrund ein heftiger Polit-Streit √ľber die weitere √Ėffnung toben. Das F√ľhrungsteam der Freihandelszone wurde erst vor drei Monaten mangels Erfolges ausgetauscht. Mitte September musste einer der Chefs aber schon wieder seinen Hut nehmen ‚Äď angeblich gab es Korruptionsvorw√ľrfe.

Wachstumsknick

Chinas Wirtschaftswachstum fiel im dritten Quartal auf den tiefsten Stand seit f√ľnf Jahren und lag mit 7,3 Prozent unter dem von der Regierung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent. Um das Wachstum anzukurbeln, wurden am Mittwoch neue Infrastrukturprojekte im Wert von 19 Mrd. Euro angek√ľndigt, darunter der Bau von f√ľnf Flugh√§fen und drei Eisenbahnprojekte. Dabei kommt auch Technologie aus Europa und √Ėsterreich zum Einsatz. "40 Prozent der Technologie in China kommt aus Europa, w√§hrend nur zehn Prozent aus den USA stammen", sagt Andesner. US-Unternehmen seien bez√ľglich Know-how-Transfer viel zur√ľckhaltender als europ√§ische. Durch √úbernahme ausl√§ndischer Firmen oder Anwerben von Spezialisten w√ľrde China aber bez√ľglich Technologie-Know-how rasch aufholen. "Die Chinesen werden laufend besser", so Andesner. Fortschritte sieht er auch bei der Bek√§mpfung von Produktpiraterie. Chinesische Gerichte w√ľrden inzwischen hohe Strafen verh√§ngen.

Drei Jahre war kein √∂sterreichisches Regierungsmitglied in China, seit Montag sind es daf√ľr gleich drei: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Au√üenminister Sebastian Kurz und Landwirtschaftsminister Andr√§ Rupprechter. Auch KURIER-Chefredakteur Helmut Brandst√§tter ist mit vor Ort und liefert Updates. Hier geht's zum Live-Blog.

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