"Idioten-Angebot": Ryanair-Chef nutzt Streit mit Elon Musk als Werbeaktion
Der verbale Schlagabtausch zwischen US-Techmilliardär Elon Musk und Ryanair-Chef Michael O'Leary bringt der Billigfluglinie ordentlich Aufmerksamkeit. Die Buchungen seien wegen des Streits in den vergangenen Tagen um zwei bis drei Prozent gestiegen, sagt O'Leary am Mittwoch in Dublin. Nun schießt der Ryanair-Chef mit einer Werbeaktion nach: Der Billigflieger bietet Musk und „allen anderen Idioten“ auf dem sozialen Netzwerk X ein „Idioten-Sonderangebot“ mit 100.000 Tickets für 16,99 Euro an.
Hintergrund des Streits war die Entscheidung von Ryanair, die Flugzeuge nicht für das Satelliten-Internetsystem Starlink auszurüsten. Dieses bietet Musks Raumfahrtfirma SpaceX an. Es soll durch Satelliten schnelles und zuverlässiges WLAN an Bord bieten.
Satelliten-Internet würde sich für Billigairline nicht auszahlen
O'Leary argumentierte, dass die Starlink-Antennen an den 600 Ryanair-Flugzeugen durch höheren Luftwiderstand Kerosin für bis zu 250 Millionen Dollar mehr verbrennen. Gleichzeitig würden die Kunden auf den Kurzstreckenflügen der Airline keinen Aufschlag für die Internetverbindung in der Luft bezahlen.
Ryanair sei seit einem Jahr in Gespräch mit Starlink. „Wir mögen das System“, sagte er, doch die Kosten seien zu hoch. Die Airline suche einen Betreiber, der die Installation selbst bezahlen würde.
Mehr als zwei Dutzend andere Fluglinien - etwa United Airlines oder die deutsche Lufthansa - machen ihre Maschinen gerade fit für Starlink. Analysten zufolge handelt es sich um ein Premiumprodukt, das sich vor allem für Langstreckenflüge lohnt.
Elon Musk ließ auf X über einen Kauf von Ryanair abstimmen
Die Folge der Entscheidung von Ryanair war ein medialer Schlagabtausch, in dem sich die Manager gegenseitig etwa als "Idiot" bezeichneten. Musk ließ auf seiner Online-Plattform X darüber abstimmen, ob er den Billigflieger kaufen sollte. Drei Viertel der Teilnehmer stimmten für einen Kauf.
Ryanair-Aktien reagierten darauf nicht. Das lässt darauf schließen, dass Anleger die per Abstimmung von Musk-Fans auf X unterstützte Übernahmeidee nicht ernst nehmen.
Elon Musk ließ auf seiner Plattform X (vormals Twitter) über den Kauf von Ryanair abstimmen.
Elon Musk darf Ryanair gar nicht vollständig übernehmen
„Wenn er in Ryanair investieren möchte, hielten wir das für ein sehr gutes Investment“, sagte O'Leary bei der Pressekonferenz, die eigens zum Thema „Elon Musks Twitter-Wutanfall“ angesetzt worden war.
Die Fluglinie wäre für Musk mit einem aktuellen Marktwert von rund 30 Milliarden Euro durchaus erschwinglich. Einer vollständigen Übernahme der irischen Billigairline würde aber eine EU-Regelung aus dem Jahr 2008 entgegenstehen. Denn demzufolge dürfen nur Europäer Mehrheitseigentümer von Fluggesellschaften in der Union sein.
Wie Musk ist auch O'Leary für medienwirsame Aktionen bekannt. Kürzlich bezeichnete er etwa Belgien als "dumm" und drohte damit, Tausende Flüge zu streichen, nachdem das Land die Steuern für Luftfahrt erhöht hat. Auch aus Wien zog Ryanair im vergangenen Jahr drei Flieger ab. Schuld war auch dort die "schädliche Luftverkehrssteuer", wie der Ire damals betonte.
Ryanair nutzt seine Marktmacht, um Politik zu machen
Dem KURIER bestätigte O'Leary damals, dass seine Airline die eigene Marktmacht bewusst nutze, um Politik zu machen: "Das ist genau das, was wir tun sollten. Wir nutzen unsere Marktposition und unsere Kunden profitieren durch unsere günstigen Preise.“
Der Ire führt Ryanair bereits seit mehr als 30 Jahren. In dieser Zeit hat er aus der regionalen Airline eine der größten Billigfluglinien Europas gemacht. Für seine Verdienste könnte O'Leary Medienberichten zufolge im Jahr 2028 ein Bonus von rund 111 Millionen Euro zustehen, nachdem bestimmte Leistungsziele erreicht wurden.
Damit würde er weiterhin mit großem Abstand hinter dem reichsten Mann der Welt, Elon Musk, zurückbleiben. Dessen Vermögen wird vom Finanzdienst Bloomberg aktuell auf 681 Milliarden US-Dollar geschätzt. Es besteht zum Großteil aus Aktien des von ihm geführten Elektroauto-Herstellers Tesla und seiner SpaceX-Beteiligung.
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