Musks KI zieht sogar die Mutter seines 13. Kindes aus

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Seit Wochen produziert Grok auf Befehl Anzügliches. Das erzählt viel über die Wertewelt und das krude Frauenbild des Milliardärs.

Ashley St. Clair und Elon Musk kennen einander von X, das sollte einen nicht überraschen. St. Clair ist Influencerin und Podcasterin, sie verachtet Wokeness und die Linke. Musk, der reichste Mann der Welt, schien das vor einigen Jahren anzuziehen: Er schrieb sie an, man traf sich, neun Monate später kam klein Romulus auf die Welt.

Mittlerweile führt St. Clair einen juristischen Feldzug gegen den Vater ihres Kindes. Zunächst ging es um die Vaterschaft, später ums Sorgerecht, mittlerweile hat der Zwist eine gesellschaftspolitische Dimension. Musks X-interne KI Grok hat es Usern ermöglicht, Nacktbilder von St. Clair zu generieren; darunter KI-Aufnahmen, die sie mit Sperma bedeckt oder als entkleidetes Kind zeigen. Dagegen hat die 27-Jährige nun geklagt.

Die Causa erzählt nicht nur etwas über Musks Privatleben, sondern auch viel über das Weltbild des reichsten Mannes der Welt. Seit drei Wochen schlägt ihm international Kritik entgegen, weil seine KI Grok per simplem Prompt Bilder anderer User in Nacktbilder verwandelt. Auch kinderpornografisches Material kann so erstellt werden kann.

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Ashley St. Clair, die ein Kind mit Elon Musk hat, klagt gegen dessen KI. 

Musk, der Pronatalist

Das ist kein Lapsus, sondern ein bewusst gewähltes Geschäftsmodell. X versucht so Nutzer zu gewinnen, denn alle anderen KI-Anbieter verbieten das explizit. Der Modus entspricht aber nicht nur Musks Vorstellung von grenzenloser Meinungsfreiheit, die ja auch bisher schon Strafbares ermöglichte, etwa Beleidigungen oder Diffamierungen. Er passt auch zum Frauenbild des reichsten Mannes der Welt, der sich selbst als Pronatalist versteht.

Die Bewegung, der auch viel andere Silicon-Valley-Milliardäre wie etwa Peter Thiel anhängen, fürchtet den Untergang der (westlichen) Welt durch den Geburtenrückgang. Musk versucht den in Eigenregie zu bekämpfen: Er hat darum 14 Kinder mit vier verschiedenen Müttern, manche davon per Leihmutterschaft ausgetragen.

Nur leise dazugesagt wird von den Proponenten der Bewegung, dass nur „die Richtigen“ zu wenige Kinder bekämen, sprich weiße, gebildete wohlhabende und traditionell-christliche Menschen, die die Menschheit in Summe „verbessern“ sollen. Manche Beobachter erinnert diese Selektion nicht zufällig an Eugenik und Rassenlehre.

Frauen spielen in diesem Weltbild eine untergeordnete Rolle, sie werden meist auf ihre Reproduktionsfähigkeit reduziert. Musk selbst schrieb dazu auf X einmal: „Man kann keinen Massenfeminismus und hohe Geburtenraten haben. Das sind gegenläufige Kräfte.“

Den Nacktbild-Modus hat Musk darum auch nur widerspenstig eingefangen. Zunächst reagierte er auf die Kritik nur mit Zynismus – er postete ein KI-Bild von sich selbst im Bikini –, am Mittwoch versprach er immerhin Limitierungen in jenen Regionen, in denen das Feature strafbar ist. Die sind aber noch immer ziemlich löchrig: Die Tech-NGOs AI Forensics und Bellingcat konnten noch immer freihändig Nacktbilder generieren.

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