Gewürzspezialist Erwin Kotányi weicht mit Teil der Russland-Produktion nach Serbien aus.

© Kotányi GmbH

Russland-Sanktionen
08/27/2014

Kotányi weicht nach Serbien aus

Heimische Exporteure suchen Wege, um die Russland-Sanktionen zu umgehen. Investments wackeln.

von Simone Hoepke

Gegen die Sanktionen von Wladimir Putin ist auch beim Gewürzspezialisten Kotányi kein Kraut gewachsen. Rund zwanzig Prozent des Unternehmensumsatzes – im Vorjahr 138 Millionen Euro bei einer Exportquote von 70 Prozent – erwirtschaftet das niederösterreichische Unternehmen in Russland.

Jetzt machen ihm die Sanktionen gegen EU-Lebensmittel einen Strich durch die Rechnung. Zumindest Kräutermischungen und Knoblauchgranulat darf Kotányi nicht aus Österreich liefern. Der Grund: Sie fallen unter dieselbe Zolltarifnummer wie Gemüse, das auf der Liste der vom Embargo betroffenen Waren steht.

Deswegen wird Kotányi diese künftig für den russischen Markt in Serbien produzieren und verpacken lassen. Firmenchef Erwin Kotányi zum KURIER: "Wir müssen schnell reagieren, in sechs bis acht Wochen ist unser Lager in Russland leer. Die Verkäufe in Russland laufen nämlich bisher ganz normal weiter." Mit dem Problem steht Kotányi nicht alleine da. "Es gibt unglaublich viele Firmen in der EU, die jetzt nach freien Verpackungskapazitäten in Serbien suchen", beobachtet Kotányi. Angenehmer Nebeneffekt: Die Ausfuhr der Waren nach Russland ist von Serbien aus zollfrei.

China-Ernte betroffen

Dabei ist die Situation mitunter skurril. Denn viele Kräuter, die unter Putins Einfuhrverbot fallen, sind gar nicht in Europa gewachsen. Majoran kommt fast ausschließlich aus Ägypten, Knoblauch fast nur aus China. Das sind nur zwei Beispiele von Importware, die in Österreich verarbeitet und verpackt wurde.

Großkonzerne, mit Tochtergesellschaften in mehreren Ländern, versuchen derzeit emsig, die wegfallenden Russland-Exporte aus der EU durch Tochtergesellschaften in anderen Ländern zu ersetzen. Niederlassungen in der Türkei kommen so mitunter zu einem Zusatzgeschäft.

In die Mühlen der Weltpolitik ist selbst die weltweit größte Fast-Food-Kette McDonald’s geraten. In Moskau mussten vier Filialen wegen angeblicher Hygienemängel schließen, in 70 weiteren Niederlassungen wurde kontrolliert.

"Die Lage ist überhaupt nicht einschätzbar", sagt Reinhold Schärf, Chef der burgenländischen Coffeeshop Company. Er ist gemeinsam mit einem russischen Partner mit 78 Standorten und einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro in Russland vertreten. "Wir hatten gerade einen Rollout auf 270 Standorte binnen acht Jahren beschlossen und wollten uns an unserem russischen Partner beteiligen." Er hofft, dass sich die Situation "nicht noch drastischer zuspitzt". Laut eigenen Angaben hat er gemeinsam mit den russischen Partnern für den Aufbau des russischen Marktes an die 20 Millionen Euro investiert.

Für heimische Apfelbauern kommt das Einfuhrverbot Russlands zur Unzeit. Heuer haben große Erzeugerländer wie Polen, Deutschland, Italien und Frankreich Rekordernten und bringen damit eine Überproduktion von bis zu zwei Millionen Tonnen Äpfeln auf den Markt. Dazu kommt, dass allein Polen auf bis zu 800.000 Tonnen Äpfeln sitzen bleibt, die Russland nun nicht abnimmt. "Mit den europaweiten Überkapazitäten kommen auch wir unter Druck", sagt Thomas Reiter, Geschäftsführer der Opst (Obst Partner Steiermark). Die Hälfte der Ernte, 60 Mio. Tonnen, geht in den Export.

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