Pferd statt Traktor zum Holzziehen: Das schont die Umwelt, weil es tiefe Räderspuren im Wald vermeidet

© /Schweighofer

Schweighofer
02/25/2016

Rumänien – wo Holz genug Stoff für einen Krimi hergibt

Der Industrielle ist Rumäniens größter Holzverarbeiter. Das stört Umweltschützer und Politiker.

von Irmgard Kischko

Mit wuchtigen Schlägen presst Ion einem gefällten Baumstamm nach dem anderen einen blauen Stempel auf. Nur dieser Stempel gilt für das Waldstück in Moldovita im Nordosten Rumäniens nahe der ukrainischen Grenze. Das ist das offizielle Siegel zum Nachweis der Herkunft des Baumes.

Wenn der Holz-Lkw die Werkstore der Schweighofer-Säge im nahe gelegenen Radauti passiert, wird wieder kontrolliert, gemessen, werden die Daten notiert und der zwölfstellige offizielle Code vom Lieferschein ins online-Forstsystem übertragen. "Die Bürokratie ist enorm und teuer, aber wichtig", sagt Gerald Schweighofer, Eigentümer der Säge. Denn trotz eines der strengsten Forstgesetze weltweit blüht in Rumänien der Holz-Schwarzmarkt.

Spricht man mit Einheimischen, werden viele beschuldigt: Verarmte Landbewohner, die mit Schwarz-Holz ihr krages Überleben sichern. Förster, die wenige Hundert Euro verdienen, aber dicke Autos fahren. Politiker, die Luxusvillen errichten. Seit wenigen Monaten fällt zum Thema illegales Holz aber meist ein Name: Schweighofer.

Der Industrielle hat es in den vergangenen zwölf Jahren in Rumänien zu einer beachtlichen Größe gebracht. Drei Säge-, zwei Plattenwerke, 3000 Mitarbeiter, 500 Mio. Euro Umsatz, 800 Millionen investiert, 1,3 Millionen an Sozialprojekte gespendet und allein 2014 rund 24 Mio. Euro an Steuern bezahlt. Das Geschäft in Rumänien blühte. Seit aber die US-Umweltagentur EIA Ende 2015, Schweighofer vorgeworfen hat, illegal geschlägertes Holz zu verarbeiten, ist es für den Industriellen schwierig geworden.

Unter Druck

Statt der 28 Holz-Transporter, die täglich die Werkstore der Schweighofer-Säge in Radauti passierten, kommen jetzt nur 18. "Die Lieferanten sind skeptisch geworden. Sie befürchten, in die Vorwürfe hineingezogen zu werden", sagt ein Mitarbeiter. Der Betrieb der Säge musste von sieben auf sechs Tage die Woche reduziert werden. Dabei sei keine einzige Anschuldigung der Umweltschützer richtig, betont Schweighofer, der nicht versteht, warum eine Studie über den rumänischen Holzmarkt ausgerechnet ihn und sonst niemanden als Übeltäter sieht. Denn die Kontrollen in seinen Werken seien so streng wie sonst kaum irgendwo. Mag sein, dass das Prüfsystem von Schweighofer nicht allen passt.

Der Regierung jedenfalls passt die schiere Größe des Holzbetriebs nicht, der knapp 30 Prozent der jährlichen Sägerundholz-Ernte verbraucht. Ein neues Gesetz beschränkt den Verbrauch pro Betrieb genau mit 30 Prozent. Schweighofer muss nun Holz importieren. Das Gesprächsklima mit der Regierung sei unter Ministerpräsident Viktor Ponta, der eine familiäre Nähe zum Forst hat und nach Korruptionsvorwürfen zurückgetreten ist, nicht vorhanden gewesen, bedauert Schweighofer. Er hofft, dass es nach den Wahlen im Herbst wieder besser wird.

Schweighofer-Gruppe

Das österreichische Familienunternehmen widmet sich seit Generationen der Holzwirtschaft. Nach dem Verkauf der Sägewerke in Österreich an Stora Enso ist Gerald Schweighofer 2003 nach Rumänien gegangen. Die Gruppe setzt dort mit drei Säge- und zwei Plattenwerken 500 Millionen Euro um.

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