Wirtschaft 27.06.2012

RH kritisiert: ZAMG zu teuer

Mehrfach hat der Rechnungshof empfohlen, die vier nationalen Wetterdienste aus Kostengründen zusammenzulegen. Der Ruf blieb bislang ungehört.

Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), flugmeteorologischer Dienst der Austro Control Österreich, Militärischer Wetterdienst und MeteoServe Wetterdienst GmbH (MeteoServe GmbH) - vier Wetterdienste liefern in Österreich meteorologische Daten. Vier Dienste, die zum Teil dieselben Aufgaben übernehmen, vier Dienste, die viel Geld verschlingen.

Im Jahr 1996 hat der Rechnungshof deshalb erstmals als Beitrag zur Budgetkonsolidierung die Zusammenführung der damals drei heimischen Wetterdienste empfohlen. Der Ruf des RH blieb ungehört, stattdessen gibt es seit 2006 mit der MeteoServe Wetterdienst GmbH einen vierten bundesweiten Wetterdienst.

Eine Arbeitsgruppe hat für den Zeitraum 2004 bis 2009 durch Zusammenlegung der beiden Wetterdienste ZAMG und Austro Control ein Einsparungspotenzial im Personalbereich in Höhe von rund 9,4 Millionen Euro ermittelt, bis 2011 könnten gar 16,2 Mio. gespart werden. Wie? Indem fachliche und administrative Doppelgleisigkeiten zwischen der Austro Control und der ZAMG wegfallen, das Personal von 316 (2004) auf 284 (2009) abgebaut werde.

Das Gegenteil trat ein: Die Mitarbeiterzahlen stiegen um rund 9 Prozent von 312 (2004) auf 339 (2009), 13,4 Mio. zusätzliche Kosten wurden dadurch verursacht. Das geplante Einsparungspotenzial wurde somit um rund 22,8 Mill. Euro verfehlt. Der gewünschte Effekt, Synergien zu nutzen, mündete laut RH ins Gegenteil: ZAMG und Austro Control treten als Konkurrenten auf. Und das obwohl ein schon 1986 abgeschlossenes Verwaltungsabkommen zur Zusammenarbeit aufrief. In bisher 99 Sitzungen gelang es aber nicht, Doppelgleisigkeiten abzubauen.

Anders beurteilt die Situation ZAMG-Direktor Michael Staudinger im Gespräch mit KURIER.at: "Eine Studie von Price, Waterhouse und Cooper hat gezeigt, dass es beim Aufgabenbereich der ZAMG und anderen Wetterdiensten nur in einigen wenigen Punkten Überschneidungen gibt. Ansonsten wurde uns Kooperation auf hohem Niveau bescheinigt." Die RH-Ansicht, dass Konkurrenz in Österreich höhere Kosten verursache als nötig, teilt Staudinger nicht: "Konkurrenz ist in unserem Fall etwas Gutes. Ohne Konkurrenz würden kommerzielle Produkte immer teurer werden, sprich: Der Einzelne hätte für eine Wetterprognose viel mehr zu zahlen."

Die ZAMG bekommt von ihrem Träger, dem Wissenschaftsministerium Bundesmittel: Mit dem Jahr 2003 sollten diese bei 12,9 Mio. Euro pro Jahr eingefroren werden. Daraus wurde nichts: 2004 flossen 14,7 Mio. Euro Steuergeld, 2006 gar schon 16,5 Mio. in den Wetterdienst. Weitere zusätzliche Bundesmittel flossen ab dem Jahr 2007 an die ZAMG im Rahmen ihrer Teilrechtsfähigkeit: 0,7 Mill. EUR im Jahr 2007, 2,1 Mill. EUR im Jahr 2008 und 1,6 Mill. EUR im Jahr 2009. Zudem fuhr der am Privatmarkt auftretende Teil der ZAMG Verluste ein - 1,2 Mio. im Jahr 2009.

Doch die Mehrkosten sind für ZAMG-Direktor Staudinger einfach zu erklären: "Einen Wetterdienst zu betreiben, ist in den letzten vergangenen zehn Jahren - und auf diesen Zeitraum beschränkt sich der RH-Bericht - teurer geworden. Satteliten der ersten Generation kosteten rund eine Million, heute kostet ein Satellit 2,5 Milliarden Euro. Die Technik wird komplexer, teurer."

Auch die steigenden Personalkosten sind nach Staudinger zu erklären: "Früher war das Personal von 9-17 Uhr im Dienst. Heute sind wir rund um die Uhr besetzt - ja, müssen es sein, weil die Leute und Behörden das brauchen." Außerdem würde sich jeder in die Meteorologie investierte Euro zehnfach rentieren, erklärt der ZAMG-Direktor: "Denke Sie an ein Hagelunwetter oder Sturmschäden. Ein mittlerer Hagel verursacht Schäden in Höhe von 200 bis 300 Millionen Euro. Natürlich lassen sich durch Warnungen Schäden nicht ganz verhindern, aber jeder Prozentpunkt weniger (Schaden, Anm.) spart fünf Millionen Euro - pro Ereignis. Oder vergleichen Sie Tschernobyl mit Fukushima - bei Tschernobyl konnten kaum verlässliche Prognosen abgegeben werden. Bei Fukushima hatten wir binnen Stunden ein exaktes Ausbreitungsmodell berechnet."

Die ZAMG ist eine Anstalt des Bundes in der Zuständigkeit des Wissenschaftsministerium, die Austro Control GmbH steht zu 100 % im Eigentum des Bundes, verwaltet vom Verkehrsministerium, die MeteoServe GmbH ist eine 100 %-Tochter der Austro Control GmbH, der Militärische Wetterdienst ist im Verteidigungsministerium angesiedelt.

Die ZAMG liefert Daten für alle zivilen Bereiche mit Ausnahme der zivilen Luftfahrt, der flugmeteorologische Dienst der Austro Control GmbH für die zivile Luftfahrt, die MeteoServe GmbH für kommerzielle Nachfrager, der Militärische Wetterdienst für Luft- und Bodenstreitkräfte.

( Kurier ) Erstellt am 27.06.2012