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Wirtschaft
08/02/2012

Retro-Trend im Handel "ein Mythos"

Nahversorger dayly: Schlecker wird es als moderner Greißler schwer haben, glauben Experten. Es drohen auch rechtliche Probleme.

von Anita Staudacher

Täglich alles: Das gab es früher einmal beim einzigen Kaufmann im Ort. Das soll es ab Herbst dann auch bei "dayly", bisher bekannt unter Schlecker, geben. Der neue Eigentümer Rudolf Haberleitner träumt von einem Revival des früheren Kaufmanns in Österreich. Er will neben einem Teil des bisherigen Drogeriesortiments auch Lebensmittel, Zeitschriften sowie Dienstleistungen aller Art anbieten – vom Copyshop über Post-Partnerschaft bis hin zu Putzerei und Autoverleih. "Alles was die Frau braucht", fasst Haberleitner zusammen. Auch Tchibo habe schon angeklopft, ist aber vorerst nicht mit an Bord. Weil er fest an das Konzept glaubt, sollen zu den 900 Filialen bis zu 250 weitere dazu kommen. Auch eine Expansion nach Deutschland ist schon fix geplant.

Aber ist in Österreich überhaupt Platz für eine Nahversorgerkette? Die Fakten sprechen dagegen. Mit knapp 6000 Lebensmittelgeschäften gilt das Land bereits jetzt als überversorgt, die Handelsketten sind längst überall dort, wo es sich lohnt.

"Ein Erfolg von dayly ist ausgesprochen unwahrscheinlich", prophezeit Wolfgang Richter vom Standortberater RegioPlan. Um ein Lebensmittelgeschäft profitabel zu führen, sei eine Verkaufsfläche von mindestens 300 nötig. Die meisten Schlecker-Filialen seien viel kleiner und obendrein in schlechten Lagen. Auch der Retro-Trend im Handel sei lediglich ein Mythos, der von den Lebensmittelkonzernen erfunden wurde. "Bio und Regionalität sind Verkaufsschlager." Für kleine, Inhaber-geführte Läden seien die wirtschaftlichen Bedingungen zuletzt sogar schlechter geworden.

Rechtliche Hürden

Schlecker könnte bei der Umwandlung in dayly auch auf rechtliche Hürden stoßen, glaubt Richter. Etwa bei der Flächenwidmung, die bestimmte Auflagen vorsieht, oder beim Gewerberecht. "Ich habe die nötigen Gewerbeberechtigungen, das ist kein Thema", kontert Haberleitner.

Für René Tritscher von der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer (WKÖ) kann daily zumindest in einigen Orten "ein Bestandteil der Nahversorgungskette" sein. Wesentlich werde aber die Sortimentsfrage sein. Für die bestehenden Greißler werde durch den neuen Mitbewerber der Wettbewerb noch härter, gibt er zu bedenken. Letztlich würden die Kunden entscheiden, wer überlebt. Gemeindebund-Sprecher Daniel Kosak sieht sehr wohl einen Trend zu Kombi-Geschäften am Land. "Da findet ein Umdenken statt. Die Leute werden älter, Spritpreise steigen, da wird die Nähe wieder geschätzt." Und Schlecker sei in manchen Orten der einzig verbliebene Händler.

Lebensmittelhandel: Überversorgung

Ketten Beim täglichen Lebensmitteleinkauf gilt Österreich als überversorgt. Laut RegioPlan gibt es in 70 Prozent aller Gemeinden zumindest eine Filiale einer Lebensmittelkette (Spar, Billa etc.), damit erreichen die Filialisten rund 92 Prozent der Bevölkerung. In 700 Gemeinden gibt es keinen Supermarkt.

Konzentration Auf die Händler mit mehr als fünf Standorten entfallen 98 Prozent des Branchenumsatzes. Die Zahl der von Inhabern geführten Einzelhändler ist seit Jahren rückläufig, während Filialisten ihr Netz optimieren und vor allem in kleinere Standorte (Tankstellen etc.) einziehen.

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