Wirtschaft
14.01.2019

Rennen um die Nationalbank-Jobs

28 Kandidaten haben sich beworben. Erwünscht sind Generationenwechsel und eine Frau.

Für Banker gibt es wesentlich besser bezahlte Jobs. Der Lockruf des Geldes ist es nicht, warum die Notenbank so begehrt ist. Die Gagen der Direktoren (Vorstände) sind gesetzlich geregelt. Der Gouverneur an der Spitze ist mit dem Gehalt des Bundeskanzlers (monatlich knapp 25.000 Euro) begrenzt. Der Vize liegt leicht darunter, die einfachen Direktoren bei rund 250.000 Euro im Jahr.

Es ist das hohe Prestige, das in der Finanzwelt die Hüter der Geldpolitik umgibt. Immer noch. Und das die Jobs so begehrenswert macht.

Die Notenbanker müssen politisch unabhängig agieren, die Chefs werden aber von der Regierung bestellt. Der Generalrat (Aufsichtsrat) macht die Hearings mit den Kandidaten und präsentiert für jeden Direktoriumsposten einen Dreier-Vorschlag. Die Regierung ist daran aber nicht gebunden. ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache machen sich die Bestellungen aus und können auch jemanden nominieren, der sich nicht beworben hat. Da dürfte auch Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) nicht viel mitzureden haben.

Proporzmäßige Besetzung

Die OeNB-Spitze wurde immer proporzmäßig besetzt. Der peinliche SMS-Irrläufer von Strache war für Insider keineswegs überraschend und machte nur das System transparent: Um in der Bank ein Gleichgewicht der Macht herzustellen, brauche es weiterhin vier Direktoren. Obwohl ein großer Teil der Bankenaufsicht zur FMA abwandert, bleiben es, Überraschung, vier Direktoren. Aus Rot-Schwarz wird natürlich Blau-Türkis. Ob Generalrats-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) und die blaue Vizepräsidentin Barbara Kolm dem Gremium bei der nächsten Sitzung am 29. Jänner bereits die Vorschläge präsentieren können, ist noch nicht fix. 28 Kandidaten haben sich beworben, die Hearings könnten länger dauern.

Mit 1. Mai muss die erste Neubesetzung fixiert sein, dann endet der Vertrag von Peter Mooslechner (SPÖ. Im Sommer laufen Andreas Ittner und Kurt Pribil aus, beide ÖVP. Ende August geht SPÖ-Gouverneur Ewald Nowotny geht in Pension. Ittner hat sich wieder beworben, doch ihm werden kaum Chancen attestiert. Er könnte stattdessen laut Presse Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank werden. Seit dem turnusmäßigen Abgang von Gertrude Tumpel-Gugerell (SPÖ) 2011 ist in der EZB kein Österreicher vertreten.

 

Fix scheint nur Ex-Weltbank-Direktor Robert Holzmann, 69, als Nowotny-Nachfolger. Der Ökonom, einst Freund von Jörg Haider, ist auch für die ÖVP präsentabel. Ursprünglich hätte Holzmann Vorsitzender des Generalrates werden sollen und Ex-Erste-Group-Chef Andreas Treichl Gouverneuer. Doch Treichl machte der ÖVP einen Strich durch die Rechnung und ging lieber in die Erste-Stiftung.

Das restliche Führungsteam soll verjüngt und weiblicher werden. Top-Kandidat für den Vize-Gouverneur ist der Präsident des Fiskalrates, Gottfried Haber, 46. Der Finanzwissenschaftler der Donau Uni Krems war schon in Diskussion für den Finanzminister und sitzt im Generalrat. Er gilt als fachlich bestens qualifiziert.

 

Beworben hat sich auch Münze-Chef Gerhard Starsich (ÖVP). Der Top-Manager führt die Nationalbank-Tochter Münze äußerst erfolgreich und kommt aus der Bank. Er wäre der Garant für die Stabilität im Direktorium.

An Bankerinnen hat die ÖVP keinen Mangel. Da wäre die 48-jährige Herta Stockbauer, Chefin der BKS (Bank für Kärnten und die Steiermark). Oder Gabriele Semmelrock-Werzer (45), Vorstandssprecherin der Kärntner Sparkasse.

Genannt wird auch Susanne Höllinger, 53. Sie trat überraschend mit Jahresbeginn 2019 auf eigenen Wunsch als Chefin der zu Raiffeisen gehörenden Kathrein Privatbank zurück. Im Namedropping erwähnt wird noch Eva Marchart (62), Ex-Chefin der Raiffeisen Centro Bank.

Bei der FPÖ sind die Chancen des Wiener Stadtrats Eduard Schock fraglich. Man sondiere im Ausland tätige österreichische Banker, hört man. andrea.hodoschek