Wirtschaft
11.03.2018

Reisetrend: Abenteuer abseits der Masse

Vom Luxus-Zelt aus in den Sternenhimmel schauen oder in einen Schiffscontainer einchecken.

Das Campingzelt auf den VW-Käfer geschnallt und ab in den Urlaub. So oder so ähnlich schaut der Traumurlaub der Millennials aus: Individuell, abseits der ausgetrampelten Touristenpfade, mitten in der Natur. Und das ganze bitte möglichst öko.

Liese Gritsch hat ihre wasser- und windfesten Leinenzelte am Travel Festival aufgeschlagen, das vergangenes Wochenende erstmals in Berlin über die Bühne gegangen ist – parallel zur weltgrößten Tourismusmesse, der ITB. Die Zielgruppe war klar definiert: Millennials auf Reisen. "Sie wollen zurück zur Natur und nicht mehr ins 5-Stern-Hotel", meint Liese. In ihrem Riesenzelt (sechs Meter Durchmesser) kann man nachts durchs Fenster in den Sternenhimmel schauen. "Glamping" heißt die neue Form des glamourösen Campings, die bisher vor allem in Australien und den USA Einzug gehalten hat. Dort gibt es immer mehr Glamping-Ressort, selbst Festivals setzen auf Öko-Tourismus mit entsprechenden Zeltstädten, sagt Liese, die mit ihrer "Glampingwelt" die entsprechende Ausstattung in Österreich verkauft und verleiht.

Urlaub im Container

Ein paar Meter weiter kann man ausprobieren, wie es sich in einem Schiffscontainer schläft. In die deutschen Ostee-Hafenstadt Warnemünde wurden 86 ausrangierte und upgecycelte Container gekarrt und zu Gästezimmern umfunktioniert. Das soll den Zeitgeist treffen: Die Container haben eine Geschichte, sind aufgrund der Zweitverwertung irgendwie auch ein wenig öko und vor allem eines: Kein 0815-Hotel. Das zieht – der moderne Gast will was erleben, er sucht das Besondere.

Schräg gegenüber des aufgeschütteten Ostseestrands stapeln sich die Stoffreste des Wiener Trachtenunternehmens Tostmann. Chefin Gexi Tostmann hat höchstpersönlich am Biertisch mit der Nähmaschine Platz genommen. Sie kommt gerade von der ITB und ist froh auf der Parallelveranstaltung gelandet zu sein. "Ich leide unter den Bildern der heilen Welt, die man auf der ITB verkaufen will. Hier ist das anders", sagt die Wiener Unternehmerin, die beim Travel Festival Nähworkshops anbietet und mit der Wiener Fernsehköchin Sarah Wiener eine Modeschau mit Designerstücken von Vivienne Westwood veranstaltet. Die drei Damen haben eines gemeinsam: Sie mögen das Regionale und sind gegen Verschwendung. Damit sind sie beim Tavel Festival genau richtig.

"Die Menschen suchen nicht die Märchenwelt, sondern das Echte", sagt ein junger Künstler, der am Bayern-Stand ausstellt. "Millennials stellen mehr Fragen, als ihre Eltern. Sie wollen wissen, woher Lebensmittel kommen oder welche Geschichte das Bauernhaus hat. Sie suchen authentische Erlebnisse."

Skifahren bei Ankara

Währenddessen nimmt auf dem Berliner Messegelände die traditionelle ITB mit ihren Hochglanzmagazinen und Folklore-Shows ihren Lauf. 10.000 Aussteller aus 186 Ländern wollen noch mehr Urlauber in ihre Region locken. Die Türkei füllt fast eine ganze Halle und hat auch überraschendes im Gepäck. "Wir wollen weg vom reinen Sun&Beach-Image", erklärt eine Mitarbeiterin auf die Frage, warum hier Plakate von Skipisten zu sehen sind. Rund um Ankara und Istanbul gibt es eine Reihe von Ski-Gebieten. "Aber noch nicht so entwickelt wie jene in Österreich", gesteht ein Kollege. Sein Wintersport-Ort hat nur einen Pistenkilometer.

Am Österreich ist heuer das ganze Jahr über Weihnachten. Zumindest was die Tourismuswerbung angeht. Vor 200 Jahren wurde "Stille Nacht" das erste Mal in Oberndorf bei Salzburg gesungen, Zillertaler Sänger haben es binnen weniger Jahre bis ins Ferne New York bekannt gemacht, heute wird es in mehr als 300 Sprachen und Dialekten gesungen. In Grönland unter anderem als Begräbnislied, weiß Leo Bauernberger, Chef des Salzburg Land Tourismus.