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Wirtschaft
05/09/2020

Reisen in Zeiten des Abstandhaltens

Kneissl Touristik: Die Chefin über geschlossene Reisebüros und fehlende Informationen des Außenministeriums.

von Simone Hoepke

Elisabeth Kneissl-Neumayer ist Geschäftsführerin von Kneissl Touristik und damit Chefin von 50 festangestellten Mitarbeitern. Der Reiseveranstalter Kneissl Touristik hat neben der Zentrale in Lambach mit 30 Mitarbeitern auch vier Reisebüros in Lambach, St. Pölten, Salzburg und Wien. Diese dürften laut Gesetz öffnen. Trotzdem hält Kneissl die Reisebüros noch bis 2. Juni geschlossen. Wie viele Branchenkollegen auch.

KURIER: Warum öffnen Sie ihre Reisebüros eigentlich erst so spät?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Weil wir derzeit kaum etwas zu verkaufen haben – und nicht absehbar ist, wann unsere StudienErlebnisReisen wieder durchführbar sind. Uns fehlt die Geschäftsgrundlage. Von der Politik kommen keine Signale, wann welche Länder wieder öffnen werden.

Fairnesshalber muss man sagen, dass solche Prognosen schwierig sind, oder?

Hinter den Kulissen wird eindeutig bereits bilateral verhandelt, aber es wird nichts davon publik. Uns wäre schon geholfen, wenn jemand sagt, dass man das Land xy voraussichtlich ab Juli oder August oder September wieder bereisen darf, wenn die Werte gleich gut bleiben. Dann könnten wir schon planen und wissen, dass davor nichts geht. Und es wüssten auch die Airlines, die ab Österreich fliegen, in welche Richtung man planen kann. Reiseziele ohne die entsprechende Airline funktionieren ja nicht.

Werden Gruppenreisen – Stichwort Abstandsregeln – überhaupt möglich sein?

Auch das ist unklar. Ab 29. Mai dürfen Private in österreichischen Hotels einchecken. Ob das auch für Gruppen mit 20 Leuten gilt, ist noch unklar.

Bieten Sie auch Studienreisen in Österreich an?

Natürlich haben wir diese nun aufgelegt: Zum Beispiel auf den Spuren der Babenberger, Gotik in Österreich, Wandern in Salzburg. Die Abstandsregeln im Bus wären aus meiner Sicht nicht das Problem, wenn 15 bis 20 Leute in einem Bus mit 40 Sitzen unterwegs sind.

Sie monieren, dass Sie zu wenig Informationen auf der Seite des Außenministeriums finden. Welche Infos bräuchten Sie denn?

Wir mussten zum Beispiel Reisen auf die Philippinen coronabedingt absagen und warten jetzt auf die Rückerstattung der bereits überwiesenen Gelder. Hier sind Informationen der Botschaften vor Ort sehr hilfreich, die normalerweise bei den Hinweisen aufgelistet werden. Es fehlt vor allem, dass man eine Reisewarnung evaluiert: Wie lange muss eine Reisewarnstufe 6 bei Portugal dauern? Ist diese Reisewarnstufe noch gerechtfertigt? Das fehlt ganz eindeutig. Und das betrifft doch einige Länder.

Akzeptieren Kunden bei abgesagten Reisen Gutscheine statt Geld zurück?

Natürlich ist Kunden das Geld lieber, aber es gibt treue Stammkunden, die sehr gerne wieder mit uns reisen wollen und daher einen Gutschein akzeptieren. Ich wünsche mir, dass auch in Österreich über Reisegutscheine als Ersatz für coronabedingte Reiseabsagen diskutiert wird. Das passiert ja in Italien, Frankreich, Belgien, Griechenland und Deutschland auch. Ich muss als Veranstalterin sehr wohl Gutscheine von italienischen und französischen Partnern akzeptieren, gleichzeitig aber das Geld der Kunden rückerstatten. Das kann sich nicht ausgehen.

Bekommen Sie als Reiseveranstalter bei abgesagten Flügen Geld von den Airlines zurück?

Bis vor Kurzem bin ich davon ausgegangen. Jetzt scheint die mächtige Airline-Lobby aber zu erreichen, dass in der EU wieder diskutiert wird, ob wir auch mit Gutscheinen abgespeist werden können.

Zur Reisebüro-Branche

Österreichische Reiseveranstalter und Reisebüros organisieren laut ihrem Branchenverband ÖRV in normalen Jahren 21,2 Millionen Urlaubsreisen und 3,3 Millionen Geschäftsreisen. Bei den Haupturlauben, vor allem wenn sie ins Ausland führen, bucht demnach jeder Dritte im Reisebüro. Der Branchenumsatz liegt bei 4,7 Milliarden Euro, davon kommt fast eine Milliarde aus dem Bereich Incoming.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Corona-Krise waren bereits 50 Prozent der Sommerurlaube gebucht. Da diese jetzt zu einem großen Teil ausfallen, verlangen viele Kunden ihre Anzahlungen zurück und bringen so  Reisebüros unter Druck.

Zu Kneissl

Elisabeth Kneissl-Neumayer ist Chefin der und Expertin für StudienErlebnisReisen. Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter. Zu Kneissl gehören neben der Zentrale in Lambach  auch vier Reisebüros in Lambach, St. Pölten, Salzburg und Wien.

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