RBI will Addiko-Bank kaufen, Russlandausstieg weiter Thema

Die Aktionäre der RBI zeigten sich auf der Hauptversammlung der Bank wegen der geplanten Übernahme skeptisch.
RBI-Chef Johann Strobl

Zusammenfassung

  • RBI plant den Kauf von über 75 Prozent der Addiko-Bank, um die Marktposition in Kroatien und Slowenien zu stärken.
  • Der Verkauf des Serbien-Geschäfts an die Alta Group und der niedrigere Angebotspreis im Vergleich zum Börsenwert sorgen für Skepsis.
  • Das Russland-Geschäft bleibt problematisch, der geplante Ausstieg ist wegen fehlender Genehmigungen schwierig und sorgt für Proteste.

Der geplante Kauf von über 75 Prozent der Addiko-Bank sorgte bei der Hauptversammlung der Raiffeisen Bank International (RBI) am Donnerstag in der Wiener Stadthalle für Gesprächsstoff. Die RBI will den Aktionären der ehemaligen Balkan-Töchter der Hypo Alpe Adria 23,05 Euro je Aktie bieten.  Die Bank würde damit mit rund 450 Mio. Euro bewertet. 

Die RBI will so ihre Marktposition in Kroatien stärken und auch den Wiedereinstieg in den slowenischen Markt schaffen. Das Geschäft in Serbien, Bosnien Herzegowina und Montenegro soll an die serbische Alta Group weitergereicht werden.  

„Komplexe Transaktion“

RBI-Chef Johann Strobl sprach von einer „komplexen Transaktion“. Denn wegen unklarer Eigentumsverhältnisse ist die Bank an eine Reihe von Auflagen gebunden. Die weitere Entwicklung werde dadurch erschwert, sagte Strobl. 

Bei  Aktionärsvertretern sorgte die geplante Transaktion für Skepsis. Prinzipiell mache der Kauf  Sinn, weil damit die Präsenz in den südosteuropäischen Märkten gestärkt werde, sagte Florian Beckermann vom Interessensverband der Anleger (IVA). Er wollte aber wissen, warum man durch den Weiterverkauf des Geschäfts in Serbien der Konkurrenz in die Hände spiele. Dass der Kauf tatsächlich über die Bühne geht, bezweifeln Aktionärsvertreter. Denn die RBI bietet den Addiko-Aktionären knapp drei Euro weniger, als ihre Papiere zuletzt an der Börse wert waren.

Teil der Strategie in Kernmärkten die Marktposition zu stärken ist auch der im März angekündigte Kauf der rumänischen Garanti-Bank. Strobl sprach von einer Gelegenheit, zusätzlich zum organischen Wachstum, Kunden zu gewinnen. 

Russlandfrage offen

Auf Trab hält die RBI  weiter die russische AO Raiffeisenbank. Zwar hat die Bank ihr Geschäft stark reduziert, der Verkauf der unliebsamen Tochter ist  aber nicht gelungen. Die RBI ist in dem Zusammenhang in Rechtsstreitigkeiten zwischen der Rasperia Trading, die dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska zugerechnet wurde, und der Strabag verwickelt. 

RBI-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder sprach von einer „Sisyphosaufgabe“. Strobl verwies erneut auf die für den Verkauf nötigen Genehmigungen. Nicht nur in Russland, sondern auch von der  EZB, der Finanzmarktaufsicht und der  US-Behörde OFAC, die Sanktionen durchsetzt.  

Raiffeisen-Holding-NÖ-Wien-Generaldirektor Michael Höllerer, der Strobl am 1. Juli an der Spitze der RBI ablösen wird, kündigte an, den Ausstieg weiter vorantreiben zu wollen. Auch beim Wiederaufbau der Ukraine wolle die Bank eine führende Rolle spielen.

Fragen und Zwischenrufe

Kritische Fragen und Zwischenrufe gab es zu dem Thema einige.  Max Hammer von der  Forschungsorganisation Banktrack, verwies darauf, dass die RBI in Russland mit dem Geschäft auch die Kriegsmaschinerie des Landes mitfinanziere. Unweit der  Stadthalle demonstrierte auch die Organisation Attac gegen das Russland-Engagement der Bank.

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