Banken-Kryptowährung soll im Sommer starten

Der Stablecoin von Qivalis befindet sich gerade im Lizenzierungsprozess. Die RBI plant erste Anwendungen im internationalen Zahlungsverkehr.
Kryptowährunge

Zusammenfassung

  • Das europäische Bankenkonsortium Qivalis plant die Einführung eines eigenen Stablecoins, der im Sommer nach Lizenzierung starten soll.
  • Die Kryptowährung soll zunächst im internationalen Zahlungsverkehr eingesetzt werden.
  • Mit dem Stablecoin wollen die Banken den von US-Anbietern dominierten Markt herausfordern und sich auf Zukunftsmärkte wie agentenbasierten Online-Handel ausrichten.

Im Herbst kündigte das europäische Bankenkonsortium Qivalis, dem neben der RBI acht weitere Banken, u. a. die niederländische ING und die italienische Bank-Austria-Mutter Unicredit angehören, eine eigene Kryptowährung an. Derzeit läuft der Lizenzierungsprozess des Stablecoins bei der niederländischen Finanzmarktaufsicht.

Voraussichtlich im Sommer soll er, die Erteilung der Lizenz vorausgesetzt, begeben werden, sagt Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships and Ecosystems bei der RBI.  

Einsatz im internationalen Zahlungsverkehr

Bei der RBI analysiert Anwendungsfälle im internationalen Zahlungsverkehr über verschiedene Währungsräume hinweg als erstes Einsatzgebiet, sagt Wolf. Über Tochterbanken in Zentral- und Osteuropa will die RBI auch in den Handel mit Kryptowährungen einsteigen. In Ländern außerhalb der Eurozone müssen noch regulatorische Fragen geklärt werden.

Interesse an Stablecoin gebe es auch von weiteren europäischen Banken, die dem Konsortium noch nicht angehören, sagt Wolf. Dabei spiele auch das Bestreben nach europäischer Unabhängigkeit eine Rolle.

US-Anbieter dominieren

Derzeit wird der rund 320 Mrd. Dollar schwere Stablecoin-Markt von US-Anbietern dominiert. Euro-Stablecoins sind mit einem Marktanteil von 0,2 Prozent ein Nischenprodukt. Der größte wird paradoxerweise vom US-Anbieter Circle herausgegeben. Über die beteiligten Banken geht man bei Qivalis davon aus, mit dem Angebot einen größeren Kundenstock ansprechen und signifikante Volumina erreichen zu können. Auf jeden Fall jenseits der 250 Mio. Euro, die der aktuelle Benchmark des größten Konkurrenten darstellen, sagt Wolf. 

Zukunftsmärkte im Visier

Mit den Stablecoins zielen die Banken auch auf Zukunftsmärkte ab, etwa beim agentenbasierten Handel. Beim Einsatz autonomer KI-Agenten im Online-Handel, die für Nutzer Produkte suchen, vergleichen und Käufe abschließen, brauche es auch die Möglichkeit automatisierter Transaktionen. Die Kryptowährungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie und Stablecoins als Zahlungsmittel würden sich dazu gut eignen, sagt Wolf. Das Feld will man auch nicht US-Zahlungsdienstleistern wie Mastercard überlassen, die bereits Pilotprojekte auf dem Gebiet umsetzen. 

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