Wirtschaft
03.10.2018

Preisschlacht und Rennen um die Jugend auf der Piste

Sport 2000. Die Einkaufsgenossenschaft baut ihr Händlernetzwerk aus und will Branchenprimus Intersport überholen.

Quereinsteiger sind im Wintersport ungefähr so exotisch wie jamaikanische Ski-Bobteams bei Olympischen Winterspielen. Wer nicht als Kind auf Skiern stand, kommt auch später nicht mehr auf die Idee, belegt auch eine market-Umfrage im Auftrag von Sport 2000. Während 30 Prozent der Läufer erst seit maximal drei Jahren regelmäßig ihre Laufschuhe anziehen, gibt es so gut wie keine Neo-Skifahrer (1 Prozent). Kurz: Der Nachwuchs bleibt aus – auch bei den Kindern, bei denen der Schulskikurs oft ausfällt.

„Bei dieser Entwicklung wird mir ganz schiach“, sagt der Schladminger Ex-Rennläufer Hans Knauß. Aus seiner Sicht gibt es „Wahnsinnsangebote, die aber trotzdem nicht angenommen werden“.

Ein Problem, dass auch die Händler beschäftigt. Der Einkaufsgenossenschaft Sport 2000 gehören österreichweit 350 Sporthandelsgeschäfte an, zwei Drittel davon in Skigebieten in Tirol, Salzburg und Vorarlberg. Um Sportler auf die Piste zu locken, verleihen die Händler Ski an Lehrer, die mit ihren Schülern noch auf Schulskiwoche fahren, erklärt Sport-2000-Chef Holger Schwarting. Familien bekommen die Ski für die Kinder oft gratis verliehen, um sie für den Sport zu erwärmen. Das Geschäft habe sich in den vergangenen 20 Jahren völlig geändert. „Bis zu 70 Prozent der Ski, die österreichweit verkauft werden, gehen heute in die Verleihstationen.“

Bewegte Zeiten

Auch sonst ist die Branche in Bewegung. Diskonter wie die norwegische XXL-Gruppe und Decathlon drängen mit Kampfpreisen in die Ballungsräume. Der ehemalige Branchenriese Eybl ist nach der Übernahme durch das britische Diskont-Format Sports Direct um mehr als die Hälfte geschrumpft. Branchenprimus ist laut RegioPlan Intersport (31 Prozent Marktanteil), gefolgt von den Sport 2000-Händlern. Deren Zahl ist im Vorjahr um 27 auf 250 (mit teils mehreren Geschäften) gestiegen, Ziel ist es Intersport zu überholen. „Wir spielen im Diskontmarkt, der auch im Internet angeheizt wird, nicht mit“, betont Schwarting. Er setzt seit eineinhalb Jahren verstärkt auf Spezialgeschäfte, etwa für Läufer und Radfahrer. „Der Tante-Emma-Laden hat ausgedient“, ist er überzeugt. Zuletzt haben vor allem E-Bikes den Branchenumsatz angekurbelt.