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Post-Chef erwartet „ordentlichen Dämpfer“ durch Paketsteuer

Post-Chef Walter Oblin über die „schlechte Idee“ der neuen Paketabgaben, seine weiteren Expansionspläne und warum er massiv auf E-Autos setzt.
Walter Oblin

Der oberste Postler des Landes sieht auch Arbeitsplätze in Gefahr und fordert nun endlich die „überfällige“ Reform des Postmarktgesetzes ein.

KURIER: Was schmerzt Sie mit Blick auf Ihr Paketgeschäft mehr? Die Paketabgabe der EU oder die zusätzliche nationale Paketsteuer?

Walter Oblin: In Summe reden wir von einer Kombination aus drei Abgaben innerhalb von fünf Monaten, die alle unterschiedliche Bemessungsgrundlagen haben, und am Ende das Paketgeschäft auch unterschiedlich treffen werden. Fest steht: Die Belastung von insgesamt sieben Euro für Nicht-EU-Pakete bzw. zwei Euro für Pakete im EU-Inland wird einen ordentlichen Dämpfer verursachen.

Kann die Paketabgabe eine Hilfe für den heimischen stationären Handel sein, der ja unter der Flut an Billig-Paketen aus China leidet?

Ich verstehe die Forderung des Handels nach einem Wettbewerb auf Augenhöhe mit chinesischen Händlern. Ich gehe aber davon aus, dass das zu keiner Unterstützung für den stationären Handel führen wird. Am Ende werden Einkäufe weiter im Onlinehandel getätigt werden. Und die chinesischen Händler werden andere Vertriebsformen finden, sie werden teilweise Lager in Europa errichten. Das wird sich also verschieben und es wird sicher kurzfristig einen Dämpfer geben. Aber langfristig wird das die Entwicklung von E-Commerce nicht brechen.

Ist es nicht irgendwo pervers, dass die Republik Österreich als Mehrheitseigentümerin der Post, ausgerechnet das boomende Paketgeschäft ihres eigenen Unternehmens schädigt?

Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich eine Paketabgabe für keine gute Idee halte. Pervers ist zu viel gesagt, denn auch ich muss natürlich akzeptieren, dass der Staat ein Budget aufstellen muss. Die Maßnahme dient ja zur Gegenfinanzierung der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel. Ich fürchte nur, der Konsument wird die Mehrwertsteuersenkung nicht wahrnehmen, aber sehr wohl eine neue Belastung auf der Rechnung für eine Ware, die er oder sie im Internet gekauft hat.

Die Gewerkschaft sieht Arbeitsplätze bei der Post in Gefahr. Sie auch?

Grundsätzlich nein. Wir sind stolz darauf, dass wir eine stabile Arbeitgeberin für 20.000 Menschen in einer Phase von mehreren Jahren Rezession und Stagnation sind. Aber weniger Pakete durch Abgaben heißt auch weniger Arbeit.

Wie verlief das erste Halbjahr 2026? Was erwarten Sie im Gesamtjahr?

Unser Paketgeschäft wächst im ersten Halbjahr im hohen einstelligen Prozentbereich, gleichzeitig schrumpft unser Briefgeschäft, auch im hohen einstelligen Prozentbereich, wie seit vielen Jahren – aktuell allerdings stark beschleunigt. Für das zweite Halbjahr gehen wir von einem Dämpfer im Paketgeschäft aus. Zusätzliche Belastungen helfen einfach nicht.

Sie fordern seit Längerem eine Reform des alten Postmarktgesetzes. Wird das heuer noch was?

Die Regierung hat sich viel vorgenommen und beispielsweise jetzt mit dem Doppelbudget auch einen wichtigen Fortschritt erzielt. Ich gehe davon aus, dass das Postmarktgesetz jetzt eine der nächsten Prioritäten ist. Für uns ist eine Reform überfällig. Denn, dass das stark rückläufige Briefgeschäft noch immer bis ins Kleinste preisreguliert ist, ist wirklich ein Anachronismus.

Sie haben heuer ein bulgarisches Unternehmen gekauft. Was wird der nächste Expansionsschritt sein?

Wir haben damit, aber auch mit unserem neuen Mobilfunkangebot Yelllow wichtige Wachstumsschritte gesetzt. Wir haben weitere konkrete Projekte im In- und Ausland in Arbeit, die wir Schritt für Schritt kommunizieren werden. Man darf über Akquisitionen erst sprechen, wenn sie abgeschlossen sind, sonst gefährdet man sie.

Wie ist Yelllow in den ersten drei Monaten angelaufen?

Sehr gut. Unsere Zielgruppe sind Menschen, die sich beim Handy Beratung wünschen. Also Qualität zu günstigen Preisen, aber mit Service. Das geht auf. In drei Jahren wollen wir die Gewinnschwelle erreichen.

In den Postfilialen gibt es Briefe, Pakete, Bank-Geschäfte, Versicherungen, Handys, Papierwaren, Getränke. Verkaufen Sie irgendwann auch Wurstsemmeln?

Lebensmittel sind definitiv nicht in Planung, da gibt es schon sehr viele performante Anbieter. Wir sehen die Zukunft eher in weiteren Dienstleistungen. Kurzfristig weitere Finanzdienstleistungen wie ein attraktives Wertpapierangebot über unsere Bank99, das wir in den nächsten Wochen auf den Markt bringen werden. Mittelfristig auch gerne Dienstleistungen für die öffentliche Hand. Zum Beispiel sich einen Auszug aus dem Melderegister holen. In Zeiten der Digitalisierung ist da sehr vieles denkbar.

Sie setzen massiv auf die Zustellung mit E-Autos. Interessiert die Kundschaft nicht ausschließlich, dass das Packerl rechtzeitig ankommt und weniger, wie es transportiert wird?

Es gibt drei Gründe, warum wir das machen. Erstens, wir spüren eine gesellschaftliche Verantwortung und wollen sie im Kampf gegen den Klimawandel auch wahrnehmen. Zweitens, wir machen es schon für unsere Kunden, sowohl für die Geschäfts- als auch für die Privatkunden. Da gibt es wie überall im Leben eine Bandbreite von Gleichgültigkeit bis ich kaufe nur ein, wenn etwas auch CO2-frei zugestellt wird. Und drittens rechnen sich E-Autos. Gerade im Postverkehr mit seinem häufigen Stop-and-Go sind die Instandhaltungskosten eines Verbrenners deutlich höher als die eines Elektro-Fahrzeugs.

Die Post feiert heuer ihren Börsengang vor 20 Jahren. Die Aktie stieg von damals 19 Euro auf jetzt 31,25 Euro. Das ist ein Kursanstieg um 64,5 Prozent oder rund 3,2 Prozent pro Jahr. Zufrieden?

Da müssen Sie schon auch die Dividenden dazurechnen, die wir Jahr für Jahr an unsere Aktionäre ausschütten. Nimmt man Kursentwicklung plus Dividende, kommt man auf einen Total-Return von mehr als 250 Prozent. Damit bin ich sehr zufrieden.

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