Wirtschaft
16.08.2018

Poolbauer Wallner: Die Familie, die Träume verkauft

Der Marktführer bei Polyester-Pools hat Hochsaison. Die Juniors sind mit dem Betrieb aufgewachsen

Bei der Firma Wallner in Auersthal, am Rande des idyllischen Weinviertels, ist Hochsaison. Die Hitzewelle kurbelt das ohnehin gut laufende Geschäft nochmals an. Steigen die Temperaturen über 30 Grad, wird die Sehnsucht nach einem Pool groß.

Das Unternehmen ist Marktführer bei Polyester-Pools und entspricht so ziemlich allen Vorstellungen eines erfolgreichen Familienbetriebs. Schon in der dritten Generation geführt, kaum Fluktuation bei den Mitarbeitern, etablierte, in Österreich erzeugte Qualitätsprodukte und langjährige Erfahrung, starke Service-Orientierung und Kundenbindung.

Wer das Sagen in der Firma hat, ist klar. Muss es auch sein, denn immer wieder scheitern Familienunternehmen, weil die Sippschaft heillos zerstritten ist.

„Der Boss bin ich“, sagt Kurt Wallner, 57. Die beiden Kinder, die 35-jährige Cornelia Widhalm-Wallner und ihr um vier Jahre jüngerer Bruder Andreas, haben damit kein Problem. „Jeder hat seine Stärken und seinen Bereich, da mische ich mich nicht ein“, beschreibt der Senior seinen Führungsstil. „Stimmt, der Vater lässt uns wirklich sehr viel Freiheit“, beteuern die Juniors.

Cornelia jobbte ursprünglich als Flugbegleiterin, um dann doch in das Unternehmen einzusteigen. Die zweifache Mutter ist zuständig für Marketing, Werbung und Verkauf. Bruder Andreas ist der Techniker und Planer. Er hat die HTL für Kunststofftechnik absolviert, entwickelt beispielsweise die Profile für die Poolüberdachungen und ist für die Kalkulationen zuständig. Die Kunststoff-Hallen sind neben den Pools das zweite Standbein des Unternehmens, das zu Österreichs Leitbetrieben gehört.

Freude am Geschäft

Beide Juniors strahlen viel Leidenschaft fürs Business und Spaß am Job aus. „Ein Pool ist ein Emotionskauf, wir verkaufen Träume. Da ist man selbst auch mit viel Freude dabei“, sagt die Tochter. Der Vater ist „froh, dass die Kinder im Betrieb sind“. Er könne sich nicht vorstellen, dass es mit einem Geschäftsführer und Manager auch so gut laufe. Selbst ist er bei den Kunden draußen, leitet den Verkauf, macht die Baubesprechungen. „Und ich fange alle Wickel ab“.

Gründer des Unternehmens war der Vater von Kurt Wallner mit einer Fassbinderei und dem Handel von Kellereimaschinen. Hin und wieder wurden einst Polyesterbottiche produziert. Als die Winzer-Kunden mit dem Weinskandal weniger wurden, begann der damalige Junior Kurt mit einem Partner mit der Erzeugung von Polyesterschwimmbecken.

Heute produziert der Partner nach wie vor die Becken. Wallner fertigt die Überdachungen, auch für Fremdpools, gearbeitet wird millimetergenau nach Maß. Man sei sozusagen Generalunternehmer, erklärt Andreas. Von der Planung, der Koordination mit der Baufirma für den Aushub bis zu Verrohrung, Filtertechnik und Inbetriebnahme. „Die Kunden schätzen es sehr, dass alles aus einer Hand kommt und sie einen Ansprechpartner haben. Auch, dass wir nach der Inbetriebnahme weiter Vollservice bieten und alle Reparaturen übernehmen“. Andreas ist neben dem Vater als Geschäftsführer eingetragen.

„Unsere Zielgruppe ist die Mittelschicht, die Kunden kommen meist über persönliche Empfehlungen und Mundpropaganda“, erklärt Kurt Wallner. Ein Becken samt Überdachung kann auf 40.000 bis 45.000 Euro kommen, die Bauarbeiten inkludiert. 250 Pool-Anlagen und bis zu 300 Überdachungen werden pro Jahr verkauft. Der Wettbewerb ist enorm, vor allem durch Billig-Becken aus Osteuropa bis hin nach Russland. Den Kellereibereich gibt es daneben nach wie vor.

Die Juniors sind mit dem Unternehmen aufgewachsen. „Wir hatten das Firmen-Telefon zu Hause und auch wir Kinder haben abgehoben“, erinnert sich Cornelia. Der Bruder fuhr während der Schulferien schon mit den Becken-Monteuren mit, alle Praktika in der HTL absolvierte er in der Firma.

12-Stunden-Tag

Die 44 Mitarbeiter sind großteils Stamm-Belegschaft. In der Hallen-Fertigung arbeiten Schlosser, für die Pools sind Installateure im Einsatz. Über den 12-Stunden-Tag ist Kurt Wallner „erleichtert. Wir sind ein Saisonbetrieb und brauchen Flexibilität. Mit einem starren 8-Stunden-Tag würde unser Geschäft nicht funktionieren“. Trotz der starken Saisonalität werden die Mitarbeiter das ganze Jahr beschäftigt. Fachkräfte seien schwierig zu finden, obwohl „der Bezirk Gänserndorf industriell schwach aufgestellt ist“.

Von der Politik würden sich die Wallners vor allem eines wünschen: Weniger Bürokratie und behördlichen Aufwand bei Bauverfahren. „Wir erweitern seit 15 Jahren ständig. Der Zubau einer Halle hat sich zuletzt um ein Jahr verzögert“, klagt der Junior.

Was möchte die Familie selbst noch verbessern?

„Ich würde mir wünschen, dass die Familie mehr miteinander redet. Jeder ist so eingespannt, dass wir uns viel zu wenig sehen“, sagt der Vater. Die Kinder nicken zustimmend.