Bundesimmobiliengesellschaft: Polit-Besetzung statt Top-Managerin

Warum die Aufsichtsrats-Vorsitzende der Bundesimmobilien BIG, Christine Catasta, demnächst gehen muss
Christine Catasta, Direktoren der ÖBAG

Zusammenfassung

  • Christine Catasta, eine hochqualifizierte Top-Managerin, muss den Vorsitz des BIG-Aufsichtsrats auf politischen Wunsch räumen.
  • Der Posten soll aus parteipolitischen Gründen neu besetzt werden, wobei noch unklar ist, ob ÖVP oder SPÖ zum Zug kommt.
  • Die BIG ist als GmbH besonders anfällig für politische Einflussnahme, was personelle Wechsel erleichtert.

Es gibt wenige Top-Managerinnen in Österreich mit dem Format von Christine Catasta. Die höchst angesehene Wirtschaftsfachfrau sitzt in den Aufsichtsräten internationaler und österreichischer Großunternehmen. Die Expertise der ehemaligen Chefin der Wirtschaftsprüfung PwC ist ob ihrer Qualifikation, Erfahrung und Zuverlässigkeit sehr gefragt.

Nur nicht von der türkis-rot-pinken Regierung.

Ziel der politischen Begehrlichkeit ist der Vorsitz der staatseigenen BIG, eine der größten Immo-Gruppen des Landes. Catasta ist seit Oktober 2021 Aufsichtsratschefin. Sie hatte das Mandat übernommen in ihrer Funktion als Kurzfrist-Vorständin der Staatsholding ÖBAG, zu der auch die BIG gehört. Nach dem Rauswurf von ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid (ÖVP) hatte Türkis-Grün unter Sebastian Kurz und Werner Kogler dringenden Handlungsbedarf. Catasta sprang ein und leitete die ÖBAG ein halbes Jahr bis zur Bestellung von Edith Hlawati.

Als ihr BIG-Mandat 2025 auslief, wurde Catasta nur noch um ein Jahr bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2026 verlängert. Man müsste meinen, jedes Unternehmen sollte froh sein, eine derartige Kapazität an Bord zu haben. Immerhin ist Catasta Vizepräsidentin der erfolgreichen Erste Group Bank mit 55.000 Mitarbeitern in acht Ländern. Und der rumänischen OMV Petrom, die gerade Europas größtes Gasvorkommen hebt.

Politik will den Job

Aus dem Kabinett des für die ÖBAG zuständigen ÖVP-Wirtschaftsministers Wolfgang Hattmannsdorfer wurde Catasta mitgeteilt, dass man ihren BIG-Job brauche und sie daher nur noch um ein Jahr verlängert werde. Offen ist derzeit noch, ob ÖVP oder SPÖ zum Zug kommen. Zuerst hieß es, der Job werde für die Roten benötigt, die mehr Einfluss in der ÖBAG und deren Unternehmen wollen. Jetzt hört man jedoch, die ÖVP werde das Mandat besetzen. Valide Namen kursieren noch nicht.

Nach außen halten sich alle Beteiligten bedeckt. Im Büro von Hattmannsdorfer möchte man gegenüber dem KURIER „die Personalie noch nicht kommentieren“. Ebenso nicht bei der ÖBAG, dort heißt es nur, „entscheidend ist die Qualifikation“. Ja eh. Auch Catasta will keinen Kommentar dazu abgeben.

Bei der BIG ist eine Polit-Besetzung wesentlich einfacher als in den anderen ÖBAG-Unternehmen. Denn trotz ihrer Größe ist die BIG eine GmbH. Der Eigentümer – der Wirtschaftsminister als Vertreter der Republik – kann dem Vorstand eine Weisung erteilen. Was bei einer Aktiengesellschaft formal ausgeschlossen ist.

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Die hundertprozentig staatliche BIG ist eine der größten Immobilien-Gruppen des Landes

ÖBAG-Chefin Hlawati, eine Schulfreundin von Catasta, betont zwar gerne, dass sie die Politik fernhalte. Doch die Noch-Alleinvorständin, deren Vertrag mit 1. Februar 2027 abläuft, duckte sich weg und überließ die Entscheidung dem Minister, hört man aus Insiderkreisen.

Auch bemerkenswert: Catasta, 66, musste vor ihrer Verlängerung ein Interview mit dem Headhunter der ÖBAG, Egon Zehnder, absolvieren. Dieser sollte prüfen, ob sie überhaupt geeignet ist. Was bei einer Kapazität wie Catasta lächerlich ist, aber zu den von Hlawati implementierten Governance-Regeln gehört.

Die Politik bedient sich gerne bei der BIG, sowohl personell als auch finanziell (siehe rechts). Im Vorjahr kam die Ex-SPÖ-Sekretärin Ilia Dib in den Aufsichtsrat, Managerin in der ÖBB-Infrastruktur. Die Staatsbahn ist stark vertreten, zweite Aufsichtsrätin ist Claudia Brey. Die ÖVP hat Ulrike Rauch-Keschmann hinein gehievt, Tourismus-Sektionsleiterin im Wirtschaftsministerium, und Ex-FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller, Chef der Hypo OÖ.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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