Piëch verfestigt die Macht bei VW

Ferdinand Piëchund seine Ehefrau Ursula
Foto: dpa/Peter Steffen Seit 1984 verheiratet , spielen künftig Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula auch im Aufsichtsrat von Volkswagen ein gemeinsames Spiel

Kurz vor seinem 75. Geburtstag regelt Ferdinand Piëch, graue Eminenz von VW, die Erbfolge. Seine Frau wird Aufsichtsrätin.

Die Anhebung der Frauenquote in Aufsichtsräten der börsenotierten Konzerne dürfte für Ferdinand Piëch mit seinem jüngsten Coup Nebensache gewesen sein. Vielmehr dient die Nominierung seiner Ehefrau Ursula für den Aufsichtsrat von Volkswagen der Weichenstellung für sein Erbe und dem Erhalt der Macht für die Familie Piëch. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kandidiert ebenfalls für eine weitere Amtszeit für das Gremium. Nach der Abgabe des Chefsessels im Vorstand übernahm er 2002 den Vorsitz im Aufsichtsrat. Nun will der 74-jährige weitere fünf Jahre diesen Posten bekleiden.

Die Wahl Ursula Piëchs bei der Hauptversammlung von Volkswagen im April gilt als sicher. Größter Aktionär bei den Wolfsburgern ist die Porsche Holding SE mit etwas mehr als 50 Prozent. Die SE wiederum wird von den Familien Piëch und Porsche kontrolliert. Weitere große VW-Aktionäre sind das Land Niedersachsen mit 20 Prozent und das Emirat Katar mit 17 Prozent.

Kindermädchen

Die Österreicherin war einst Kindermädchen der Familie Piëch, als Ferdinand noch mit Marlene Porsche liiert war. Ursula Piëch ist mehr als nur optischer Aufputz ihres mächtigen Mannes. Das Paar, das in Salzburg lebt, heiratete 1984. Sie schenkte ihm drei Kinder und gewann zunehmend auch Einfluss in geschäftlichen Entscheidungen. Deutsche Medien sprechen von der "VW-Regentin" oder "VW-Königin", in deren Händen die Zukunft des größten deutschen Autoimperiums mit mehr als 400.000 Mitarbeitern weltweit liegt.

Laufend begleitet sie ihren Mann zu offiziellen Anlässen wie Autoshows. Der lebenslustigen, gut gekleideten und eloquenten Frau wird von Insidern eine "hohe Affinität" zu Autos attestiert. Sie wisse, wie der VW-Konzern mit seinem komplizierten Geflecht tickt. Sie sei in all den Jahren natürlich geblieben und nicht abgehoben. Sie sei aber auch machtbewusst.

Laut Insidern vertraut der misstrauische Piëch nur VW-Chef Martin Winterkorn und seiner Frau. So sind auch nicht seine insgesamt zwölf Kinder von vier Frauen testamentarisch mit der Machtübernahme bedacht. Seine 55-jährige Frau soll nach seinem Tod die Kontrolle in den beiden österreichischen Stiftungen übernehmen. In diesen lagern unter anderen die Anteile an der Porsche Holding. In den Stiftungen ist Ursula Piëch bereits die Stellvertreterin ihres Mannes und hat damit direkten Einblick in die Geschäfte des Autokonzerns.

Ferdinand Piëch hat sich aber auch abgesichert. Für den Fall, dass seine Frau sich scheiden lässt oder nach seinem Tod erneut heiratet, hat sie in der Stiftung nichts mehr zu sagen. Ihr es in jedem Fall auch nicht möglich, die Stiftung so leicht zu verkaufen. Dafür müssen nicht nur Vorsitz und Beirat, sondern auch mindestens neun seiner Kinder zustimmen.

Die Dynastie Piëch-Porsche zählt mit einem geschätzten Vermögen von 30 Milliarden Euro zu den reichsten Familien im deutschen Sprachraum. Die beiden Familien lieferten sich Jahrzehnte einen Machtkampf, der 2009 im Übernahmeversuch von VW durch Porsche gipfelte. Dieser scheiterte und VW übernahm den Sportwagenbauer. Piëch hatte sich wieder einmal durchgesetzt.

 

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(kurier) Erstellt am
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